ÖSTERREICH JOURNAL NR. 218 / 31. 08. 2026 Österreich, Europa und die Welt 50 Seit mittlerweile zehn Jahren organisiert das Unternehmensservice des Außenministe - riums ALPS. Das Netzwerk umfaßt in zwi - schen mehr als 430 Alumni in aller Welt. Ne - ben fachlichen Impulsen entstanden und entstehen internationale Netzwerke, Partnerschaf - ten und konkrete Kooperationsvorhaben. ALPS leistet damit einen wichtigen Bei trag zur internationalen Sichtbarkeit Österreichs und stärkt langfristige Beziehungen weit über die Dauer des Programms hinaus. n Nahost, Iran-Atomprogramm und Wirtschaft im Fokus Die aktuellen Krisen und Chancen standen im Zentrum des Gesprächs zwischen Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und ihrem saudischen Amtskollegen am 17. Juni in Wien. Die Beziehungen zwischen Österreich und Saudi-Arabien gewinnen angesichts der geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten und der engen Wirtschaftspartnerschaft weiter an Bedeutung. Saudi-Arabien zählt zu den wichtigsten Partnern Österreichs in der Golfregion. Das Treffen war bereits das dritte bilaterale Zu - sammentreffen der beiden Außenministerinnen und Außenminister in diesem Jahr. Auf Initiative von der Außenministerin nahm Prinz Faisal bin Farhan Al Saud zudem an der Jahreskonferenz des European Council on Foreign Relations (ECFR) in Wien teil. „Österreich und Saudi-Arabien verbindet ein gemeinsames Interesse an Stabilität und Frieden im Nahen Osten. Die vorläufige Verständigung zwischen Iran und den USA er - öffnet die Chance, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Jetzt kommt es darauf an, daß beide Seiten den eingeschlagenen diplomatischen Weg konsequent weitergehen. Denn die vergangenen Monate haben deutlich ge - zeigt: Militärische Stärke allein schafft we - der Sicherheit noch dauerhaften Frieden. Diplomatie ist der einzige Weg vorwärts. Das gilt auch für den Libanon, wo die Waffen endlich schweigen müssen“, betonte Meinl-Reisinger. Gleichzeitig unterstrich sie, daß die Frage des iranischen Nuklearprogramms weiterhin ungelöst bleibe. Österreich bietet in diesem Zusammenhang Wien als Standort für technische Gespräche an und weist auf die zentrale Rolle der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) hin. Meinl-Reisinger würdigte zudem die Beiträge Saudi-Arabiens zur regionalen Stabilität im Nahen Osten und hob besonders die saudischen Investitionen in den Wiederaufbau Syriens hervor. Foto: BMEIA/ Michael Gruber Foto: Ministerio de Asuntos Exteriores Außenministerin Beate Meinl-Reisinger empfing ihren Amtskollegen aus Saudi-Arabien, Faisal bin Farhan Al Saud, zu einem Gespräch in Wien. Neben den geopolitischen Fragen ging es auch um den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen: „Die saudischen Investitionen in Solarenergie und Wasserstoff eröffnen österreichischen Unternehmen Chancen in Zu - kunftsbranchen wie Green Tech, Energieeffizienz und Wasseraufbereitung. Umgekehrt bietet Österreich mit seinen gut ausgebildeten Fachkräften und als Wirtschaftsdrehscheibe für Ost- und Südosteuropa saudischen Unternehmen einen attraktiven Standort“, so die Außenministerin. Saudi-Arabien wird zunehmend zu einem wichtigen Export- und Handelspartner Ös- terreichs. Mehr als 450 österreichische Un - ternehmen sind bereits in Saudi-Arabien aktiv. Österreich und Saudi-Arabien bereiten »Österreich Journal« - https://kiosk.oesterreichjournal.at zurzeit die für November in Riad vorgesehene 10. Gemischte Wirtschaftskommission vor, die der Festlegung gemeinsamer Schwerpunktbereiche für die wirtschaftliche Zu - sammenarbeit dient. n Hochrangige Strategiedebatte des ECFR in Wien Während sich die internationale Ordnung tiefgreifend verändert und geopolitische Gewißheiten zunehmend ins Wanken geraten, wurde Wien am 17. und 18. Juni zum Treffpunkt führender europäischer Außen- und SicherheitsexpertInnen. Beim An nual Council Meeting des European Council on Foreign Relations (ECFR) berieten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter Außenministerin Beate Meinl-Reisinger im Gespräch mit ihrem spanischen Amtskollegen José Manuel Albares
ÖSTERREICH JOURNAL NR. 218 / 31. 08. 2026 Österreich, Europa und die Welt 51 aus Politik, Diplomatie und Wissenschaft darüber, wie Europa seine Handlungsfähigkeit stärken kann. Unter dem diesjährigen Motto „Europe’s geopolitical playbook in a world of ,unorder‘“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie Europa vom strategischen Denken zum entschlossenen Handeln gelangen kann. „Wir erleben eine Zeit tiefgreifender geopolitischer Umbrüche. Europas Sicherheit und Handlungsfähigkeit hängen davon ab, wie gut wir gemeinsame Antworten finden. Genau darum geht es bei der ECFR- Jahreskonferenz, und ich freue mich, daß sie heuer erstmals in Wien stattfindet“, betonte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Die Gespräche konzentrierten sich auf zentrale Zukunftsfragen Europas: von der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik über Europas Wettbewerbsfähigkeit, der Umgang mit geopolitischen Machtverschiebungen bis hin zur Rolle Eu - ropas in einer zunehmend fragmentierten in - ternationalen Ordnung. Besondere Bedeutung kam technologischen Entwicklungen, der wirtschaftlichen Resilienz und strategischen Partnerschaften zu. Foto: BKA/Florian Schrötter Am 19. Juni 2026 eröffnete Bundeskanzler Christian Stocker (m.) gemeinsam mit Bundesministerin Claudia Bauer (2.v.r.) und Bundesministerin Beate Meinl-Reisinger (2.v.l.) das Österreich-Haus in Brüssel. Im Bild mit Botschafter Jürgen Meindl (l.). Außenministerin Meinl-Reisinger diskutierte gemeinsam mit den AußenministerInnen der Schweiz, Spaniens und Ungarns über die neuen internationalen Realitäten und die notwendigen Weichenstellungen, um Europas Handlungsfähigkeit zu stärken. Dabei un - terstrich sie die zentrale Bedeutung internationaler Partnerschaften für wirtschaftliche Stärke, technologische Innovation und ge - meinsame Sicherheit. „Europa hat das Potential, ein echter globaler Akteur zu sein - ein Akteur, der gestaltet, statt nur reagiert, der seine Interessen schützt und gleichzeitig seinen Werten treu bleibt. Nun gilt es, dieses Potential entschlossen zu nutzen“, so die Außenministerin. Am Rande des Treffens führte sie bilaterale Gespräche mit ihren Amtskollegen aus Saudi-Arabien, Spanien und der Schweiz so - wie mit ihrer ungarischen Amtskollegin. Dar - über hinaus traf sie den EU-Sonderbeauftragten für den Sahel, João Cravinho. n Neues Österreich-Haus in Brüssel Mitten im Europaviertel hat Österreich einen neuen diplomatischen Knotenpunkt geschaffen: Außenministerin Beate Meinl-Reisinger eröffnete gemeinsam mit Bundeskanzler Christian Stocker und der Bundesministerin für Europa, Integration und Foto: BKA/Florian Schrötter Familie, Claudia Bauer, das Österreich-Haus. Darin sind die Ständige Vertretung Österreichs bei der Europäischen Union, die Botschaft, das Konsulat sowie das Österreichische Kulturforum in Brüssel erstmals an einem Standort vereint. An der Eröffnung nahmen auch der belgische Premierminister Bart De Wever und Außenminister Maxime Prévot teil. „Was über Jahrzehnte auf mehrere Orte verteilt war, findet sich jetzt zum ersten Mal unter einem Dach - ein echtes Stück Österreich in Brüssel. Das ist effizient und macht Österreich schlagkräftiger und sichtbarer in der EU. Und für die vielen Österreicherinnen und Österreicher in Brüssel ist es ein Ort, an dem alles zusammenläuft, ein Stück daheim“, betonte die Außenministerin. Mit rund 200 MitarbeiterInnen ist die Vertretung in Brüssel die größte österreichische Auslandsmission weltweit. Die Bündelung der Einrichtungen an einem Standort stärkt die Zusammenarbeit, schafft Synergien und erhöht die Effizienz. Das Gebäude wurde nach modernsten Standards für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit errichtet und »Österreich Journal« - https://kiosk.oesterreichjournal.at
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Foto: Univ.-Prof. Johann Günther F
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