ÖSTERREICH JOURNAL NR. 218 / 31. 08. 2026 Österreich, Europa und die Welt Aus dem Außenministerium 42 Foto: BMEIA/ Michael Gruber Foto: BMEIA/ Michael Gruber Außenministerin Beate Meinl-Reisinger nahm gemeinsam mit dem kasachischen Industrie - minister Yersaiyn Nagaspayev an einem Kasachisch-Österreichischen Business Forum teil. Im Bild unten: mit Innenminister Gerhard Karner (l.) und der kasachische Außenminister Yermek Kosherbayev in Astana ASchlüsselpartner Kasachstan ußenministerin Beate Meinl-Reisinger reiste am 5. und 6. Mai gemeinsam mit Innenminister Gerhard Karner nach Kasachstan. Im Zentrum der Gespräche mit Präsident Kassym-Jomart Tokayev, Außenminister Yermek Kosherbayev und Innenminister Erzhan Sadenov standen Energiesicherheit, der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen so - wie regionale sicherheitspolitische Entwikklungen, insbesondere die Lage in Afghanistan. „Kasachstan liegt an der geopolitischen Scharnier zwischen Rußland und China. Daher liegt es im ureigenen Interesse Österreichs und Europas, vor Ort als selbstbewußte und verläßliche Partner aufzutreten - wirtschaftlich wie sicherheitspolitisch“, betonte die Außenministerin. Kasachstan ist Österreichs wichtigster wirtschaftlicher Partner in Zentralasien. Eu - ropa ist Kasachstans wichtigster Handelspartner. Österreichische Unternehmen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Modernisierung und Diversifizierung der kasachischen Wirtschaft, besonderes in den Bereichen er - neuerbare Energien, grüne Technologien, Infrastruktur, Landwirtschaft und Touris - mus. Rund 40 österreichische Unternehmen sind vor Ort tätig, mehr als 400 unterhalten Geschäftsbeziehungen nach Kasachstan. Kasachstan spielt zudem eine zentrale Rolle für die Versorgungs- und Energiesicherheit Österreichs: Rund 60 Prozent der österreichischen Rohölimporte stammen aus Kasachstan. Darüber hinaus ist Kasachstan ein wichtiger Partner für die Europäische Union bei der Verringerung von Abhängigkeiten bei seltenen Erden und kritischen Rohstoffen. Auch beim Ausbau des Mittelkorridors, an dem sich österreichische Unternehmen beteiligen, kommt dem Land große Bedeutung zu. „Nur gemeinsam können wir grenzüberschreitenden Herausforderungen wie irregulärer Migration, Terrorismus und Extremis - mus effektiv begegnen. Das im Vorjahr ab - geschlossene bilaterale Rücknahmeübereinkommen ist wichtiger Bestandteil eines präventiven Sicherheitsnetzes“, so Meinl-Reisinger. Im Rahmen ihres Besuchs überreichte sie Dokumentenprüfgeräte eines österreichischen Unternehmens an ein Projekt der OSZE zur Stärkung des kasachischen Grenzschutzes im Kampf gegen illegale Migration. Darüber hinaus standen Gespräche zur regionalen sicherheitspolitischen Entwick - lung auf der Agenda. n Business Meets Diplomacy Österreich zählt zu den begehrtesten Reisezielen der Welt: 157 Millionen Nächtigungen, 30 Milliarden Euro Wertschöpfung und rund 230.000 Beschäftigte im Beherbergungsbereich sprechen für sich. Bei der Veranstaltung „Business Meets Diplomacy“ am 7. Mai an der Diplomatischen Akademie Wien präsentierte sich Österreich als dynamischer und zukunftsorientierter Tourismus - standort. Rund 60 DiplomatInnen folgten »Österreich Journal« - https://kiosk.oesterreichjournal.at der Einladung des Unternehmensservice des Außenministeriums, um die Stärken, Strukturen und Innovationen des österreichischen Tourismus kennenzulernen. Tourismus als gesamtstaatliche Aufgabe Den Auftakt machte Ulrike Rauch- Keschmann, Sektionschefin Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET). Sie zeichnete ein umfassendes Bild des Tourismus in Österreich: von zentralen Kennzahlen über aktuelle Herausforderungen wie Kostendruck und Fachkräftemangel bis hin zur strategischen Weiterentwicklung des Sektors. Im Mittelpunkt stand die nationale Tourismusstrate-
ÖSTERREICH JOURNAL NR. 218 / 31. 08. 2026 Österreich, Europa und die Welt 43 gie. Rauch-Keschmann hob die positive Tourismusakzeptanz in Österreich hervor: Anders als in manchen anderen europäischen Destinationen wird Tourismus hierzulande von der Bevölkerung überwiegend als Mehrwert wahrgenommen, als Quelle von Arbeits - plätzen, Infrastruktur und regionalem Wohlstand, insbesondere in alpinen Regionen und Seengebieten. „Tourismus ist mehr als Reisen - es geht um den Austausch, Begegnungen und oft prägende Erfahrungen.“ Österreich Werbung: Global vernetzt, lokal verankert Tanja Gruber, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Österreich Werbung (ÖW), stellte die nationale Tourismusorganisation mit ihren 19 internationalen Büros vor und stellte die zentrale Zukunftsfrage: Wie positioniert sich Österreich als Marke in einem globalen Umfeld, geprägt von geopolitischen Krisen, wirtschaftlicher Volatilität und verändertem Konsumverhalten? Die Antwort laut Gruber: „Flexibilität, Diversifizierung, internationale Kooperationen und eine starke Marke sind heute entscheidend. Urlaub in Österreich steht nicht nur für klassisches Destinationsmarketing, sondern für ein Lebensgefühl - für Authentizität, emotionale Erlebnisse und moderne österreichische Lebensart.“ Konkret umgesetzt wird dies durch innovative Kampagnenformate wie „Non-Disclosure Austria“, das mit reduziertem Bildstil, exklusivem Storytelling und dem Fokus auf Hidden Gems neue Perspektiven auf Österreich eröffnet. Beim Eurovision Song Contest nutzen die Österreich Werbung und das Außenministerium, als Partner der Initiative ReFocus Austria, die globale Bühne mit 160 Mil - lionen ZuschauerInnen, um Österreich als weltoffenes, kosmopolitisches und kulturell vielfältiges Reiseziel zu positionieren. Ausbildung als Erfolgsfaktor FH-Prof. Florian Aubke, Leiter des Studienbereichs Tourism & Hospitality Mana - gement an der FHWien der WKW, präsentierte das österreichische Ausbildungssystem im Tourismus. Dessen besonderes Merkmal: Qualität wird auf sehr unterschiedlichen Ebenen produziert - vom dualen Lehrlingsausbildungssystem über Tourismusfachschulen bis hin zu Fachhochschulen und Universitäten. Praxisorientierung ist dabei kein Add-on, sondern ein essentieller Bestandteil, denn „Wien ist mehr als eine Destination. Die Stadt fungiert auch als ‚Living Lab‘ für konkrete Fragestellungen der Zukunft“, so Foto: BMEIA/Auer-Grumbach „Business Meets Diplomacy“ am 7. Mai an der Diplomatischen Akademie Wien Aubke. Moderne Tourismusausbildung geht mittlerweile weit über operative Berufsbilder hinaus: Nachhaltigkeit, digitale Kompetenz, interkulturelle Kommunikation und De stinationsgovernance sind zentrale Lehrfelder. Internationale Kooperationen in Forschung, Curriculumentwicklung und Studierendenaustausch sind fester Bestandteil des Ausbildungsangebots. Immersive Erlebnisse: Die Zukunft der Destination Den Abschluß gestaltete Andreas Göltl, CEO von Media Apparat, mit einem eindrucksvollen Einblick in die neuesten Trends der touristischen Inszenierung. Seine These: Der globale Sektor des immersiven Marketings wächst mit 25 bis 30 Prozent pro Jahr und 78 Prozent der Millennials geben Erlebnissen den Vorrang vor materiellen Gütern. Destinationen, die auf immersive Technologien setzen, profitieren davon unmittelbar. An hand konkreter internationaler und österreichischer Projekte machte Herr Göltl deutlich, was das in der Praxis bedeutet: Im Schloß Schönbrunn erzählen seit dem Frühjahr 2025 Wandprojektionen in elf Räumen in 15 Mi - nuten die Jahrhunderte alte Geschichte des Schlosses. Der Publikumsansturm (bis zu 1.000 Personen pro Stunde) gibt Media Apparat Recht und macht Vorfreude auf die derzeit im Kursalon Hübner entstehende Lindt Schololadenerlebniswelt, die ab 2027 seine Tore öffnen soll. Vernetzung als Ziel Die im Rahmen der Initiative „Business Meets Diplomacy“ seit 2016 laufende Veran - staltungsreihe „Business Location Austria“ »Österreich Journal« - https://kiosk.oesterreichjournal.at stößt bei der diplomatischen Community in Wien auf großes Interesse und trägt aktiv da - zu bei, deren Mitglieder mit Vertreterinnen und Vertretern der heimischen Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft zu vernetzen. Ziel ist, Österreich als zukunftsorientierten und kompetitiven Wirtschaftsstandort zu präsentieren und internationale Kooperationsprojekte anzubahnen. Die nächste Ausgabe findet im Oktober 2026 statt. n Wirtschaft und Migration: Österreich und Usbekistan vertiefen Partnerschaft Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Innenminister Gerhard Karner be - suchten am 7. Mai Usbekistan. In Taschkent trafen sie mit Präsident Shavkat Mirziyoyev zusammen und führten weitere Gespräche mit Außenminister Bakhtiyor Saidov sowie Investitions- und Handelsminister Laziz Kudratov. Im Mittelpunkt standen der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und Fragen der Migration. „Österreich und Usbekistan sind Partner in der wirtschaftlichen Modernisierung und Diversifizierung des Landes. Österreichische Unternehmen bringen nicht nur neue Technologien und Expertise ein, sondern er - höhen die Wertschöpfung und sichern Arbeits - plätze in beiden Ländern“, betonte die Außenministerin, die im Rahmen ihres Be - suchs ein österreichisch-usbekisches Wirtschaftsforum eröffnete. Usbekistan ist das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens. Seine dynamische Wirtschaftsentwicklung macht es für österreichische Unternehmen zunehmend attraktiv. Be - sonderes Potential bietet sich in den Bereichen Tourismus, Anlagenbau, Lebensmittel
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