ÖSTERREICH JOURNAL NR. 215 / 28. 08. 2025Österreich, Europa und die Welt / PaN122stützen würde. Da sich die Nachricht ausDeutschland verzögerte, überbrückte Lunadie Zeit mit einem Wien-Besuch, um nichtzu sehr aufzufallen. Zwischendurch nutzte erdie Zeit in Leitmeritz, um von Blumentritteine Tuschzeichnung anzufertigen und vondessen Tochter zwei Aquarelle – eines für sieselbst und eines für ihre Eltern.Schließlich fuhr er doch noch nach Pariszurück. Zu Pfingsten kehrte er zusammenmit Felipe Agoncillo zurück. Der Öffentlichkeitwurde mitgeteilt, Agoncillo läge krankim Hotel in Paris.Das diplomatische Geschick des gelerntenRechtsanwalts Agoncillo zeigte sich auchdarin, daß er jede Gelegenheit nutzte, um fürdie Unabhängigkeitsbestrebungen der Phi -lippinen Propaganda zu machen. So übermittelteer am 2. Dezember 1898 dem österreichischenBotschafter in Paris Glückwünschevon „General Emilio Aguinaldo, Präsidentder Philippinischen Nationalregierung“an Kaiser Franz Joseph I. zu dessen 50jährigemRegierungsjubiläum. Spät am Abend des20. Mai kamen Luna und Agoncillo in Leitmeritzan.Gleich am nächsten Tag, dem 21. Mai,malte Luna dort La Bandera Filipina, die er -ste bekannte künstlerische Darstellung derphilippinischen Flagge. Später schenktenBlu mentritts Nachkommen der philippinischenRegierung ein Foto, das Agoncillo(links) und Luna (rechts) in BlumentrittsStudierstube zeigt. Um halb fünf Uhr morgensdes 23. Mai verließen sie Leitmeritzbereits wieder.Im Jahr 1910 verursachte ein Brief Blumentrittshelle Aufregung in den USA. Darinvertrat er angeblich die Meinung, daß die Fi -lipinos niemals die Unabhängigkeit von denUSA erwarten dürften. Die philippinischeUn abhängigkeit könne daher nur durch ein -en Aufstand oder als Folge eines japanischamerikanischenKrieges erreicht werden.Der „New York Herald“ vom 8. Mai 1910veröffentlichte mehrere Ausschnitte dar aus.Nur wenige Tage nach Erscheinen diesesZeitungsartikels meldete sich ein gewisserHector Charles Bywater, ein Korrespondentdes „New York Herald“, bei Blumentritt inLeit meritz zu einem Besuch an. Was Blumentrittnicht wußte, war, daß Bywater zudiesem Zeitpunkt bereits ein britischer Spionwar. Er vereinte verschiedene Eigenschaften,wie sie später Ian Flemings Roman- und Film -figur James Bond zugeschrieben wurden.Un ter anderem spionierte er die k. u. k.Kriegs marine in Triest und Pola aus. In seinem1925 erschienenen Buch „The Great© National Museum ManilaFoto: Privatarchiv der Familie BlumentrittDie erste bekannte künstlerische Darstellung der philippinischen FlaggeFelipe Agoncillo (l.) und Juan Luna y Novicio (r.) in Ferdinand Blumentritts StudierstubePaN – Partner aller Nationen – https://www.dachverband-pan.org/
ÖSTERREICH JOURNAL NR. 215 / 28. 08. 2025Österreich, Europa und die Welt / PaN123Pacific War“ hatte er verschiedene Konzepteentwickelt, die später tatsächlich umgesetztwurden, darunter die „Island Hopping“-Strategie.Mit dieser Strategie hatte MacArthurdie Philippinen befreit.Nach dem Tod von Ferdinand Blumentrittim September 1913 fanden auf den Philippinengroße Feierlichkeiten statt und Straßenso wie Plätze wurden nach ihm benannt.Kurz nachdem die Philippinen am 4. Juli1946 ihre formale Unabhängigkeit von denUSA erlangt hatten, erhielt die philippinischeRegierung ein Glückwunschschreibenaus Kufstein in Tirol. Die Absenderin warDo lores Pickert, Blumentritts Tochter. Ma -nuel Roxas, der erste Präsident der Philippinen,war über die Glückwünsche so erfeut,daß er im August 1946 ein persönlichesDankschreiben nach Tirol zurücksandte.Ungefähr zwei Monate später, am 17. Okto -ber 1946, nahmen Österreich und die Philippinendie formalen diplomatischen Beziehungenauf.Anläßlich des 100. Geburtstags des phi -lippinischen Nationalhelden José Rizal plantedie philippinische Regierung für den 19.Juni 1961 große Feierlichkeiten. Die Blumen -tritt-Nachkommen wurden dabei durch IrmtraudWeber, die Tochter von Dolores Pikkert/Blumentritt,vertreten. Beim Rizal Congress1961 hielt sie einen Vortrag mit demTitel „Eternal Ties”. Zu den Feierlichkeitenanlässlich des 83. Todestages von José Rizalam 30. Dezember 1979 waren der Enkel Ferdinands,Kurt Blumentritt, und seine FrauMarianne als offizielle Gäste der philippinischenRegierung eingeladen. Leider konntensie nicht auf den Staatsbesuch von BrunoKreisky Ende Januar warten. Beim offiziellenStaatsdinner wurde Bruno Kreisky diehöchste Stufe des philippinischen Ordens Si -katuna im Rang eines Raja für besonderenationale und diplomatische Verdienste verliehen.In seiner Rede vom 26. Januar 1980ging er auf Ferdinand Blumentritt ein. DieAnwesenden meinten jedoch, daß er „Blumenthal“gesagt hätte, und daß vom hinterihm stehenden ORF-Redakteur Harry Sichrovskydeutlich zu hören gewesen sei: „-tritt,-tritt.“Es sollten weitere 45 Jahre vergehen, biswieder Blumentritt-Nachkommen die Phi -lippinen besuchen konnten. So konnte ElkePickert, die Ururenkelin von Ferdinand Blumentritt,im Februar 2025 dem Nationalmuseumzwei Reproduktionen der von Luna1899 gemalten Porträts ihrer Ururgroßmutterals Geschenk überreichen. Voller Ehrfurchtkonnte sie Juan Lunas Spolarium betrachten.Foto: Österreichisch-Philippinische GesellschaftFoto: Österreichisch-Philippinische GesellschaftStaatsbesuch von Bundeskanzler Bruno Kreisky am 26. Jänner 1980Ferdinand-Blumentritt-MedailleDie Österreichisch-Philippinische Gesellschafthat im August 2023 im Gedenken anFerdinand Blumentritt (1853–1913) die Ferdinand-Blumentritt-Medaillegestiftet, umhervorragende Leistungen und persönlichesEngagement im Bereich der Philippinen- undSüdostasienforschung auszuzeichnen undsichtbar zu machen.Der erste Preisträger ist der HeidelbergerKulturwissenschaftler Prof. Dietrich Harth.Er erhielt diese Auszeichnung für sein um -fangreiches deutschsprachiges Werk „JoseRizals Kampf um Leben und Tod. FacettenFerdinand-Blumentritt-Medaille derÖsterreichisch-Philippinischen GesellschaftPaN – Partner aller Nationen – https://www.dachverband-pan.org/einer kolonialismuskritischen Biografie“(Heidelberg 2021). Zu den Gratulanten zähltendie Nachkommen von Ferdinand Blumen -tritt sowie die philippinische Botschafterin inÖsterreich, Exzellenz Evangelina Lourdes A.Bernas.Im Jahr 2025 wird die Medaille zum zwei -ten Mal verliehen. Diesmal geht sie an eineInstitution: das Larena Lab der UniversitätUppsala in Schweden. Das Labor befaßt sichmit der Erforschung der Ursprünge, der Vielfaltund der demografischen Geschichtemenschlicher Populationen, wobei ein be -sonderer Schwerpunkt auf den ethnischenGruppen im asiatisch-pazifischen Raumliegt. Damit sind wir wieder bei FerdinandBlumentritt, der als Erster eine Wellentheorieder Besiedlung der Philippinen entwikkelthatte.Der Leiter des Labors, Maximilian Larama,wird zu diesem Anlaß zu zwei Vorträgennach Wien eingeladen:Freitag, 7. November 2025„From Sunda to Sahul: Genetic Perspectiveson the Peopling of Island SoutheastAsia and Oceania“ Kooperation mit derÖsterreichisch-Südpazifischen Gesellschaftund dem Institut für Kultur- undSozialanthropologie der Universität WienMontag, 10. November 2025„The Genetic Origins of the FilipinoPeople“ in Kooperation mit der PhilippinischenBotschaft in Wien. nUniv.-Lekt. Johann Stockinger, Autor diesesBeitrags, ist 2. Vizepräsident der Österreichisch-PhilippinischenGesellschafthttps://www.philippinen.at
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Alles Fotos: ICG/Sebastian KocońÖ
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