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Ausgabe 201

Magazin mit Berichten von der Politik bis zur Kultur: ab 2022 vier Mal jährlich mit bis zu 165 Seiten Österreich.

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 201 / 20. 12. 2021 Österreich, Europa und die Welt Shoa Namensmauer als Ort der Andacht 16 Am 9. November wurde in Wien die Gedenkstätte für die in der Shoah ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus Österreich eröffnet Die Republik Österreich hat das Gedenkjahr 2018 zum Anlaß für intensive Re - flexionen über Österreichs Vergangenheit ge - nommen. Mit der Errichtung einer Gedenkstätte für die in der Shoah ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus Österreich soll das Bewußtsein für das Gedenken bewahrt bleiben, für das heutige Österreich sowie auch für seine zukünftigen Generationen. Die Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte soll einen ebenso zentralen wie ruhigen Ort bieten, wo des Schicksals der rund 65.000 Opfer gedacht und ihr Leben geehrt werden kann. Vor 83 Jahren fanden in der Terrornacht von 9. auf den 10. November die Novemberpogrome von 1938 statt. Bei der Eröffnung sprachen Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Bundeskanzler Alexander Schallenberg, Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler, Israels Minister für Diaspora-Angelegenheiten Nachman Shai, die Wiener Stadträtin für Kultur und Wissenschaft Veronica Kaup-Hasler, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs Oskar Deutsch sowie der Initiator der Gedenkstätte und Holocaust- Überlebender Kurt Yakov Tutter. Bundespräsident Alexander Van der Bellen konnte an der Eröffnung nicht teilnehmen: Foto: BKA / Andy Wenzel Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka bei seiner Eröffnungsrede ein Corona-Fall in der Präsidentschaftskanzlei zwang ihn in die Heimquarantäne. Sobotka: Gedenkstätte ist unerläßlich „Diese Gedenkmauer gibt den 64.450 jüdischen Kindern, Frauen und Männern, die in Österreich gelebt haben und in der Shoah ermordet wurden, ihre Identität zurück. Ihre in Stein gemeißelten Namen sorgen dafür, daß sie niemals vergessen werden“, unterstrich Nationalratspräsident Wolfgang Sobot - ka in seiner Ansprache. Die Gedenkstätte sei unerläßlich. „Allen, denen man den Namen entzogen hat, indem man ihnen eine Nummer gab, finden eine Identität, einen Grabstein und eine Ewigkeit“, so Sobotka. Neben dem Nationalratspräsidenten sprachen bei der Eröffnung Bundeskanzler Alexander Schallenberg, Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler, Israels Minister für Diaspora-Angelegenheiten Nachman Shai, die Wiener Stadträtin für Kultur und Wissen- Foto: BKA / Andy Wenzel Bundeskanzler Alexander Schallenberg bei der Einweihung der Shoah-Namensmauer im Ostarrichipark »Österreich Journal« – https://kiosk.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 201 / 20. 12. 2021 Österreich, Europa und die Welt 17 Foto: Parlamentsdirektion / Ulrike Wieser Kranzniederlegung am Vormittag des 9. November beim Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoa (v.l.): Vizepräsident European Jewish Congress Ariel Muzicant, Vizepräsident European Jewish Congress Francis Kalifat, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Oskar Deutsch, Präsident des European Jewish Congress Moshe Kantor und seine Frau, israelischer Minister für Diaspora-Angelegenheiten Nachman Shai und die Vizepräsidentin des European Jewish Congress Raya Kalenova schaft Veronica Kaup-Hasler, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs Oskar Deutsch sowie der Initiator der Gedenkstätte und Holocaust-Überlebender Kurt Yakov Tutter. Als ihn Kurt Tutter im März 2018 um die Übernahme des Ehrenschutzes für die Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte bat, ha - be er diesen aus tiefster Überzeugung und einer klaren Haltung heraus übernommen: „Wer sich der Geschichte nicht stellt, den stellt die Geschichte“, so der Nationalratsprä - sident in seiner Rede. Das Mahnmal erinnert an die in der NS- Zeit ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus Österreich in der Shoah und ist für nachfolgende Generationen ein Ort der Andacht. Auf 160 Namensmauern sind die Namen der Opfer in Stein eingemeißelt. Foto: BKA / Andy Wenzel Schallenberg: Entreißen ihre Namen und ihre Ge schichte dem Vergessen Bundeskanzler Alexander Schallenberg bei seiner Festansprache „Blinder Haß, Neid, Herrenmenschendünkel und ein jahrhundertelang tradierter An tisemitismus brachen ab März 1938 über unsere jüdischen Mitmenschen herein“, sag - te Bundeskanzler Alexander Schallenberg bei der Eröffnung der Shoah Namensmauern Gedenkstätte im Wiener Ostarrichipark am 9. November. „Viele konnten nur durch Flucht ihr nacktes Leben retten. Aber vielen gelang das nicht. Über 64.000 österreichische Jüdinnen und Juden fielen den Gräueltaten des NS-Regimes zum Opfer. Sie wurden deportiert, verhungerten in Ghettos, wurden in Wäldern erschossen oder in Vernichtungslagern bestialisch ermordet und zugrunde gerichtet. Mit diesen Namensmauern entreißen wir ihre Namen und ihre Ge - schichte dem Vergessen. Wir geben ihnen ihre Identität, ihre Individualität zurück und da - mit einen Teil ihrer menschlichen Würde“, so Schallenberg, der in seiner Rede daran erinnerte, daß 1938, zum Zeitpunkt des „An - schlusses“ durch Nazi-Deutschland, in Ös - terreich rund 210.000 Jüdinnen und Juden lebten. Nach Kriegsende 1945 waren es nur noch zwischen 2.000 und 5.000. Hinter je - dem einzelnen Namen der 64.440 Namen auf den Mauern stehe ein Mensch, ein Schick - sal, eine Geschichte. „Nun erhalten sie wieder einen Platz in ihrer Heimat. Das sind wir alle den Opfern der Shoah und ihren Nachkommen schuldig“, hielt der österreichische Regierungschef fest. So unbeschreiblich die Grausamkeit des Nationalsozialismus gewesen sei, so notwen - dig und wichtig seien die Lehren, die gerade Österreich daraus zu ziehen habe. „Zu lange hat sich Österreich selbst ausschließlich als Opfer des Nationalsozialismus betrachtet. Zu viele aber standen aber im März 1938 am Heldenplatz und haben mitgejubelt. Zu viele haben zugeschaut, ja sogar mitgemacht, als ihre Mitmenschen beraubt, vertrieben und er mordet wurden“, so der Kanzler. Mit der Shoah Namensmauern Gedenkstätte werde nun – auch für alle nachfolgenden Generationen – ein sichtbares Zeichen gesetzt, „daß wir uns zu den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte bekennen und daß wir Verantwortung übernehmen“. Zu dieser Verantwor- »Österreich Journal« – https://kiosk.oesterreichjournal.at

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