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Ausgabe 201

Magazin mit Berichten von der Politik bis zur Kultur: ab 2022 vier Mal jährlich mit bis zu 165 Seiten Österreich.

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 201 / 20. 12. 2021 Wirtschaft Neustart aus der Pandemie UniCredit Bank Austria: Anhaltende Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2021 erwartet – Wiener Wirtschaft im Erholungsmodus 114 Globale Rezession 2020 Die Weltwirtschaft befand sich im Jahr 2020 fest im Griff der SARS- CoV-2 Pandemie. Ausgehend von China waren aufgrund der raschen Verbreitung der Virusinfektionen und der Gefahr einer Überlastung der Ge - sundheitsversorgungssysteme nach Asien auch die Länder in Europa und in Amerika ab dem Frühjahr zu umfassenden Beschränkungen des Wirtschaftslebens gezwungen. In - folge von Produktionsunterbrechungen, Ge - schäftsschließungen und Ausgangsbeschränkungen schlitterten sowohl die USA als auch die Europäische Union in der ersten Jahreshälfte in eine tiefe Rezession. Im Sommer wurden weltweit die gesetzten wirtschaftli - chen Beschränkungen gelockert, wodurch mit Unterstützung eines kräftigen Nachholeffekts des Konsums eine starke Erholung der Konjunktur einsetzte. Während in den meisten asiatischen Ländern die Pandemie weitgehend unter Kontrolle gehalten werden konnte, setzte ab dem Herbst insbesondere in Europa eine weitere Infektionswelle ein, die erneut Lockdowns notwendig machte und eine erneute Rezession auslöste. Insgesamt führte die mitunter rasante Berg-und-Talfahrt der Konjunktur in Abhängigkeit von den jeweils gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu einem Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung um real über 3 %. Während China die einzige größere Wirtschaftsnation blieb, die 2020 ein Wirtschaftswachstum erreichen konnte, sank in den USA das reale BIP um 3,4 % und im Eu - roraum bedingt durch striktere Lockdowns sogar um 6,7 %. Auch in Österreich fiel der wirtschaftliche Einbruch bedingt durch die starke Ausrichtung auf kontaktintensive Dienstleistungen, wie den Tourismus, mit 6,7 % sehr deutlich aus. Beginn der wirtschaftlichen Gesundung im ersten Halbjahr 2021 Ausgehend von China und weiten Teilen des asiatischen Raums sowie der US-Wirtschaft verbesserte sich die globale konjunkturelle Lage seit Jahresbeginn 2021 kontinuierlich. Im Frühjahr setzte nach der Zurück - nahme von wirtschaftlichen Beschränkungen dank der Durchbrechung der dritten Pan - demiewelle und steigender Durchimpfungsraten in der Bevölkerung auch in Europa eine kräftige wirtschaftliche Erholung ein. Während die US-Wirtschaft dank eines früheren Erholungsbeginns im ersten Halbjahr 2021 um mehr als 6 % zulegen konnte und da - mit bereits das Vorkrisenniveau überschritten hat, blieb bei fast gleich hoher Dynamik der Euroraum noch hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Aufgrund des zudem stärkeren Einbruchs im Vorjahr weist die europäische Wirtschaft Mitte 2021 noch eine Lücke von gut 2,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorkrisenniveau auf. Die Verbesserung des internationalen Umfelds führte bereits zu Jahresbeginn 2021 zu einer Erholung der exportabhängigen Industriebereiche der österreichischen Wirtschaft. Zu - dem hatte die Bauwirtschaft dank prall ge - füllter Auftragsbücher gestützt auf öffentliche Aufträge und steigenden Wohnbedarf einen guten Start ins Jahr. Die Beschränkungen zur Eindämmung der dritten Infektionswelle für viele Dienstleistungsbranchen verursachten jedoch einen erneuten Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal und komplettierte damit eine (technische) Rezession über den Winter. Mit der Lockerung der Pandemiebekämpfungsmaßnahmen im Früh - jahr wechselten der Handel, das Gastgewerbe und viele andere Dienstleistungsbranchen schlagartig in den Erholungsmodus und trugen gestützt auf einen starken Nachholbedarf und aufgestaute Ersparnisse der Konsumenten den nunmehr auf breiter Basis laufenden Neustart der österreichischen Wirtschaft kräftig mit. Für das erste Halbjahr 2021 ergab sich damit noch ein Plus um über 3,5 % im Jahresvergleich. Im Zuge der Erholung kam es in der er - sten Hälfte des Jahres 2021 weltweit zu einer Beschleunigung der Inflation, verursacht durch höhere Rohstoffpreise, gestiegene Transportkosten, Problemen in den Lieferketten sowie einer an Schwung gewinnenden Nachfrage. Dies spiegelte nach der Wiederbelebung vieler Branchen, die die Preise un - ter anderem für verbrauchernahe Dienstleistungen anhoben, auch das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei be - stimm ten Produkten wider. In Österreich stieg die Verbraucherpreisinflation von unter 1 % zu Jahresbeginn auf über 3 % zur Jahres - mitte 2021. »Österreich Journal« – https://kiosk.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 201 / 20. 12. 2021 Wirtschaft 115 Die Europäische Zentralbank hat trotz des Inflationsanstiegs im ersten Halbjahr die geldpolitische Ausrichtung unverändert be - lassen. Der Leitzinssatz liegt unverändert bei 0 % bzw. der Einlagenzinssatz bei minus 0,5 % und die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen anläßlich der Pandemie wurden fortgesetzt. Um die günstigen Finanzierungsbedingungen zu erhalten, setzt die EZB weiter auf Liquiditätsmaßnahmen im Rahmen der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO-III) zur Unterstützung der Kreditvergaben an Klein- und Mit - telbetriebe sowie auf das Wertpapierkaufpro - gramm, in dessen Rahmen monatlich Nettokäufe im Umfang von 20 Mrd. Euro erfolgen. Auch das Notfall-Anleihekaufprogramm (PEPP: Pandemic Emergency Purchase Programme) wurde in der ersten Jahreshälfte 2021 unverändert mit monatlichen Käufen von rund 80 Mrd. Euro fortgeführt. Diese Maßnahmen führten zu einem weiteren leichten Rückgang der Kreditzinsen der Geschäftsbanken in Österreich. Der durchschnittliche Zinssatz im Neugeschäft für Wohnbaukredite an private Haushalte sank im ersten Halbjahr auf rund 1,2 % von durchschnittlich 1,34 % im Jahr 2020. Unterstützt durch die noch günstigeren Konditionen legte die hohe Dynamik der Wohnbaudarlehen für Haushalte im ersten Halbjahr 2021 erneut stark zu und erreichte Mitte des Jahres ein Plus von rund 9 % im Jah - resvergleich. Die starke Zunahme der Kreditvolumina ist auch der zweistelligen Preisdynamik bei Immobilien im ersten Halbjahr 2021 geschuldet, nachdem bereits im Jahr 2020 der Wohnimmobilienpreisindex um durchschnittlich 7 % gestiegen ist. Anhaltende Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2021 erwartet Der vom asiatischen Raum und der US- Wirtschaft ausgegangene Aufschwung hat große Teile der Weltwirtschaft in der ersten Jahreshälfte 2021 erfaßt. Nach dem Einbruch des globalen BIP um über 3 % durch die Pan demie im Jahr 2020 erwartet die UniCredit Bank Austria für das Gesamtjahr 2021 einen Anstieg der globalen Wirtschaftsleistung um 5,8 %, wenn auch für das zweite Halbjahr konjunkturelle Abwärtsrisiken durch die Verbreitung neuer Virusvarianten bestehen. In einigen größeren Schwellenländern, wie z. B. China beginnt sich nach dem starken Start nach der Pandemie der Aufschwung mittlerweile zu verlangsamen. Dazu trägt auch die anlaufende Zurücknahme der geldund fiskalpolitischen Unterstützungsmaßnahmen bei. Dennoch wird die chinesische Wirtschaft mit einem Plus um 8,5 % die Er - »Österreich Journal« – https://kiosk.oesterreichjournal.at

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