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Ausgabe 198

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 198 / 19. 04. 2021 »Burgenland Journal« Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft Seewinkel 62 Das Land Burgenland beteiligt sich an einer einmaligen Chance – dem Bau eines Bewässerungskanals der Donau auf ungarischer Seite Der Neusiedler See soll als Landschaftselement sowie als Natur- und Kulturerbe erhalten und eine Austrocknung vermieden werden. Unter dieser Prämisse hat die von Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner im Vorjahr eingesetzte Task Force für den Naturraum Neusiedler See/Seewinkel ihre Ar - beit aufgenommen. Am 18. März präsentierte Dorner gemeinsamen mit Christian Sailer, Leiter der Task Force, eine erste Zwischenbilanz und den weiteren Fahrplan. Das Burgenland wird sich am Bau eines Bewässerungskanals von der Donau auf ungarischer Seite beteiligen und sichert sich damit eine mögliche Übernahme des Wassers aus der Mosoni Donau (bzw. Moson Duna), dem südlichen Arm der Donau. „Die Um setzung einer Wasserzuleitung zur Dotierung des See winkels ist für den Erhalt der bestehenden Natur- und Kulturlandschaft unverzichtbar“, betonte Dorner. Zunehmende Trockenheit im Seewinkel und historische Niedrigwasserstände Der Klimawandel mit immer längeren Hitze- und Trockenperioden und Eingriffe durch den Menschen haben zu einer zunehmenden Trockenheit im Seewinkel und zu historischen Niedrigwasserständen im Neusiedler See geführt. „Wir sitzen hier sprichwörtlich mit Ungarn im selben Boot“, sagt Dorner. Im Seewinkel bzw. im ungarischen Hanság seien während der 1950er-Jahre zahlreiche Maßnahmen zur Entwässerung und Nutzbarmachung des Gebietes für die Landwirtschaft und die Erweiterung des Siedlungsgebietes vorgenommen worden. Der Seewinkler Hauptkanal und ein Netz an linearen Entwässerungsgräben seien im Prin - zip angelegt worden, um überschüssiges Was - ser schnellstmöglich aus der Region abzuleiten. „Die Folgen des anhaltenden Wassermangels betreffen die Landwirtschaft ebenso wie den Tourismus und das europaweit einzigartige, extrem sensible Ökosystem der © Wikipedia / / CC-BY 4.0 / – Foto: Philipp Weigell Foto: Landesmedienservice Burgenland Sie präsentierten eine erste Zwischenbilanz der Task Force für den Naturraum Neusiedler See und den weiteren Fahrplan (v.l).: Alexander Mechtler, Ziviltechnikergesellschaft für Wasserwirtschaft GmbH, Landesrat Heinrich Dorner, Christian Sailer, Leiter der Task Force Neusiedler See und Hauptreferatsleiter Wasserwirtschaft, und Georg Wolfram, DWS Hydro-Ökologie GmbH Das Donauknie bei Visegrád: Der südliche Arm der Donau namens Mosoni Duna (Moson-Donau oder Kleine Donau) durchfließt kurz nach seiner Abtrennung vom Hauptarm ausschließlich ungarisches Territorium. https://www.burgenland.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 198 / 19. 04. 2021 »Burgenland Journal« 63 Region.“ Eines sei bereits jetzt erkennbar: Der Wasserbedarf in der Gesamtregion Ostösterreich, Slowakei, Ungarn wird weiter steigen. Lösung, die machbar ist und historische Eingriffe reparieren kann Die von Dorner vor zehn Monaten installierte Task Force für den Gesamtraum Neusiedler See/Seewinkel unter der Leitung von Christian Sailer, ein Experte auf diesem Ge - biet, arbeitet derzeit an technischen Lösungen zur langfristigen Absicherung des Naturraums Neusiedler See-Seewinkel – mit einer Wasserzufuhr in den Naturraum Seewinkel als zentrale Maßnahme. Dorner wünscht sich „eine Lösung, die machbar ist und historische Eingriffe reparieren kann“. In Abstimmung mit allen Interessensgruppen, vom Na turschutz über Gemeinden, Nationalpark, Landwirtschaft bis zum Tourismus, seien alle Erwartungen und Anforderungen erhoben und vorhandene Studien nochmals durchgearbeitet worden. Abgeleitetes Wasser muß im Seewinkel gehalten, zusätzlich Wasser zugeführt werden Zwei Lösungsansätze habe man bei der Machbarkeitsstudie verfolgt, so Sailer. Zum einen das abgeleitete Wasser so lange wie möglich im Seewinkel zu halten. „Dazu müs - sen wir die Entwässerungsgräben und Dränagen steuer- und regelbar machen.“ Ein ent - sprechender Antrag für ein Life-Projekt wur - de bereits gemeinsam unter Federführung des Nationalparks ausgearbeitet und eingereicht. Man erhoffe sich eine positive Beurteilung, weil damit EU-finanzierte Maßnahmen im Seewinkel umgesetzt werden könnten. Man sei aber auch zum Schluß gekommen, daß es im Hinblick auf den Klimawandel nicht zu schaffen sei, ohne zusätzliche Was serzufuhr eine ausgeglichene Bilanz für den Seewinkel zustande zu bringen. Deshalb habe man die Chance ergriffen und das An gebot Ungarns einer Wasserzuleitung von der Moson-Duna für die Dotierung und die Grund wasser an - reicherung des Seewinkels an zuneh men. Beide Lösungsansätze seien in der Mach - barkeitsstudie behandelt und ge mein sam mit Ungarn ein zusammenhängender Wasserbewirtschaftungsplan erarbeitet worden. Einmalige Chance für das Burgenland Der in Ungarn bestehende 10 km lange Bewässerungskanal in Richtung Hanság, der Wasser aus der Moson-Duna zur landwirtschaftlichen Bewässerung Richtung Westen bringt, werde um ca. 12 km weiter westlich verlängert, weil auch dort die Trockenheit ein Problem sei. „Hier bietet sich für das Burgen - land eine einmalige Chance“, betont Dorner. Im Rahmen der Österreichisch-Ungarischen Gewässerkommission habe man nun eine Zu - sammenarbeit vereinbart. „Wir beteiligen uns am Bau dieses Kanals mit drei Millionen Euro und sichern uns damit für zukünftige Schritte eine mögliche Übernahme des Wassers aus der Moson Duna.“ Das Wasser aus der Donau ist geeignet Bei der Umsetzung gelte es, diametral ent gegengesetzte Anforderungen zu erfüllen, er klärt Task Force-Experte Alexander Mechtler von der Gruppe Wasser ZT-GmbH für Wasserwirtschaft. Zum einen, die Siedlungsgebiete vor Überflutungen zu schützen und dem Tourismus und der Landwirtschaft genügend Spielraum zu geben, zum anderen, das Ökosystem des Neusiedler Sees, des Na - turraums mit seinen einzigartigen Lacken und seiner Diversität für die Zukunft zu er - halten. Für die Zuleitung von Wasser aus der Donau sei in erster Linie dessen Qualität ausschlaggebend. Experte Georg Wolfram von der DWS Hydro-Ökologie GmbH hält nach Untersuchung der chemischen Eigenheiten „das Was ser für geeignet und eine Zufuhr unter Einhaltung bestimmter Bedingungen und des Ausmaßes der Dotation für möglich.“ Baubeginn im Frühjahr 2022 Derzeit läuft die Ausschreibung für den Bau des Kanals auf ungarischer Seite, mit dem Bau kann voraussichtlich im Frühjahr 2022 begonnen werden, schätzt Sailer. Für die weitere Detailplanung wird im kommenden Frühjahr die Österreich-Ungarische Ge - wässerkommission zusammentreten. Für die Unterzeichnung der Vereinbarung seien zu - dem noch vertragliche Punkte abzuklären. Eines stellt Dorner ganz klar fest: „Es ging vormals nie und geht auch jetzt nicht nur um die direkte Zufuhr von Wasser in den Neusiedler See, sondern um eine gesamtheitliche Betrachtung der Zufuhr und Dotation von Wasser in den Natur-/Kulturraum Seewinkel-Neusiedler See.“ n https://de.wikipedia.org/wiki/Donau Foto: Der Obere Stinkersee im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkelgehört zu den größeren Lacken https://www.burgenland.at

Wir danken dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, dem Land Burgenland, Land Oberösterreich und PaN – Partner aller Nationen für die aktive Unterstützung unserer Arbeit für Österreich.