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Ausgabe 197

Magazin mit Berichten von der Politik bis zur Kultur: sechs Mal jährlich mit bis zu 145 Seiten Österreich. Downloads in vier verschiedenen pdf-Varianten auf http://oesterreichjournal.at/

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 197 / 12. 02. 2021 »Burgenland Journal« Historische Fotos gesucht! 100 Jahre Burgenland. Land Burgenland sucht alte Fotos aus der Zeit vor 1921 – eine Sammelaktion läuft bis 25. April 2021 74 Foto: BLA Foto: Kulturreferat oben: der Stich aus dem Jahr 1860 zeigt Mattersburg (das Bild ist in der Höhe angeschnitten); unten: die Siegendorfer Zuckerfabrik 1921 mit Österreichischem Bundesheer https://www.burgenland.at Das 100jährige Bestehen des Burgenlandes begeht das Land mit mehreren Ausstellungen, die sich mit der Geschichte und Identität des Landes auseinandersetzen. Die Sonderausstellung „Von Deutschwestungarn ins Burgenland“ auf Burg Güssing stellt die Jahrzehnte von 1848 bis 1921 in den Mittelpunkt. Für diese Ausstellung sucht das Land Burgenland alte Fotos aus der Zeit vor 1921, als das Burgenland noch Teil Ungarns war. Die Bevölkerung ist eingeladen, mitzumachen. Die Sammelaktion läuft bis 25. April 2021. Die Kuratoren interessieren alte Landschaftsaufnahmen, Bilder aus den burgenländischen Dörfern und Städten, Szenen aus dem Vereins-, Kultur- oder Alltagsleben, Por - trätfotos oder Aufnahmen über Religion und Brauchtum. Sollten Sie alte Fotos oder fotografisch gestaltete Postkarten aus dieser Zeit besitzen oder sogar die Geschichten dazu ken nen, hätte das Land Burgenland großes Interesse daran. Die Fotografien werden in der JubiläumsAusstellung „Von Deutschwestungarn ins Burgenland“ ab 29. April 2021 auf Burg Güssing zu sehen sein. Das Urheberrecht für ein zur Verfügung gestelltes Foto bleibt beim Urheber. Wird ein Originalfoto für die Ausstellung bereitgestellt, wird das Foto versichert und nach En de der Ausstellung im November 2022 an den Besitzer zurückgegeben. n https://www.burgenland.at/vondeutschwestungarn https://burgenland100.weebly.com/zeitspruenge

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 197 / 12. 02. 2021 »Burgenland Journal« In Memoriam der Roma- Attentatsopfer von Oberwart Manuela Horvath: »Auch 26 Jahre nach diesem schrecklichen Attentat ist es notwendig der Opfer würdevoll zu gedenken.« Vor 26 Jahren, am 4. Februar 1995, wurde eines der schlimmsten rassistischen Verbrechen in der Zweiten Republik begangen: Vier An gehörige der Volksgruppe der Roma, Peter Sarközi, Josef Simon, Karl und Erwin Horvath, wurden in Oberwart durch eine Rohrbombe getötet. Auf der Bombe war ein Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach In dien“ angebracht. Bei dem Versuch, dieses Schild zu entfernen, explodierte die Sprengfalle. Dieses At - tentat war Teil einer rassistisch und völkisch motivierten Anschlagserie, die Österreich von 1993 bis 1997 in Angst und Schrecken ver setzte. 75 Ende von fünf Jahrzehnten friedfertiger und konsensualer Politik „Das Attentat markiert das Ende von fünf Jahrzehnten friedfertiger und konsensualer Po litik in Österreich und ein Wiedererwachen eines mörderischen, rassistischen Rechtsextremismus. Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon wurden Op - fer einer rechtsextremen Ideologie, die sich gegen Minderheiten im eigenen Land und gegen Zuwanderer und Zuwanderinnen richtete und richtet“, so Gerhard Baumgartner, Journalist, Historiker und wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW), anläßlich der Gedenkfeier im Februar 2020. Bedauern über ausständigen Gedenkfeier-Termin Umso bedeutender ist die Arbeit der Ro - ma-Pastoral, zu der das Fördern einer gelebten würdevollen Erinnerungskultur zählt. Ma nuela Horvath, sie ist seit 2016 Leiterin der Ab teilung, bedauert sehr, aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie und der damit verbundenen Verordnungen noch keinen Ter - min für die normalerweise Anfang Februar stattfindende Gedenkfeier bekanntgeben zu können. „Auch 26 Jah re nach diesem schrekklichen Attentat ist es notwendig der Opfer würdevoll zu gedenken und gegen Rassismus und Hetze in unserer Gesellschaft einzutreten“, betont Manuela Horvath. Foto: Diözese Eisenstadt Die Gedenkstätte für die ermordeten Roma in Oberwart https://www.burgenland.at Durch die Augen von Kindern und Jugendliche blicken „Kinder und Jugendliche erhalten jedes Jahr die Möglichkeit sich thematisch mit dem Attentat von 1995, mit der aktuellen Situation der Roma, mit Rassismus und Hetze aus - einander zu setzen“, so Manuela Horvath. Nachfolgendes wurde von Jugendlichen bei der Gedenkfeier im Februar 2019 verlesen: Als im Jahr 1995 das Attentat passierte, waren unsere Eltern ungefähr in dem Alter in dem wir jetzt sind. Und zum Teil wohnten sie hier in der Siedlung. Unweit von ihren Kinderzimmern explodierte die Bombe, die Karl, Erwin, Josef und Peter tötete. Alle hier in der Siedlung standen damals unter Schock. Sie mußten mit ihrer Trauer und auch mit ihrer Angst fertig werden. Denn damals wußte noch niemand wer hinter diesem Anschlag steckte. Ein Ausnahmezustand machte sich hier in der Siedlung breit und auch die Angst vor weiteren An - schlägen war da. Kurz nachdem die ermordeten Männer, Karl, Erwin, Josef und Peter gefunden wurden, wurde im Radio darüber berichtet, daß vier Männer bei einer „Zigeunerfehde“ ums Leben gekommen sind. Zu diesem Zeitpunkt wußte noch niemand was hier eigentlich passiert war. Aber die Opfer wurden gleich zu Tätern gemacht. Es wurden auch alle Häuser der Romasiedlung von der Polizei durchsucht. Egal ob Garage oder Kinderzimmer. Aber es waren nicht nur Polizisten in der Siedlung unterwegs. Sondern auch sehr viele Reporter aus Österreich und dem Ausland. Privatsphäre für die trauernden Hinterbliebenen gab es nicht. Unsere Eltern und Großeltern sprechen mit uns über ihre Erlebnisse. Sie erzählen uns aber auch, daß es auch vorgekommen ist, daß sie wegen ihrer Roma-Zugehörigkeit ab und zu gemobbt wurden. Und jetzt gibt es hier in Österreich auch noch Menschen, die öffentliche Flächen mit Roma-feindlichen Parolen beschmieren und auch in unserem Alltag kommt es ab und zu vor, daß wir Rassismus erfahren. n http://www.burgenland-roma.at/ https://www.martinus.at/

Wir danken dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, dem Land Burgenland, Land Oberösterreich und PaN – Partner aller Nationen für die aktive Unterstützung unserer Arbeit für Österreich.