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Ausgabe 197

Magazin mit Berichten von der Politik bis zur Kultur: sechs Mal jährlich mit bis zu 145 Seiten Österreich. Downloads in vier verschiedenen pdf-Varianten auf http://oesterreichjournal.at/

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 197 / 12. 02. 2021 Österreich, Europa und die Welt 36 Julia Girardi-Hoog von der Stadt Wien schilderte anschließend die Entstehung des Horizon2020-Projekts „Smarter Together“ mit dem Ziel, durch soziale und technische Innovationen einen lebenswerten Stadtteil zu schaf fen. Dabei ging es nicht nur um die Sa - nierung und Renovierung von Wohnungen und öffentlichen Räumen, sondern auch um die Energieversorgung und -nutzung sowie die Mobilität. 7 Millionen Euro an EU-Horizon 2020-Mitteln wurden zur Unterstützung der Innovationselemente dieses stark partizipativen Projekts bereitgestellt und insgesamt wurden durch das Projekt 80 Millionen Euro an Investitionen ausgelöst. Angesichts der her - vorragenden Ergebnisse beschloß die Stadt, das Projektvorhaben auf einen weiteren Stadt teil pro Jahr auszuweiten. Zwei europäische Stakeholder-Organisktionen gaben erste Reaktionen und Positionierungen zur „Affordable Housing Initiative“. Barbara Steenbergen, Leiterin des Brüsseler Büros des Internationalen Mieterbunds, forderte, daß die Förderungen mit dem be - stehenden nationalen Mietrecht kombiniert werden müssen, damit sie gerecht und sozial ausgewogen wirken. „Ein Hauptkriterium der Initiative sollte sein, daß strenge Regeln zur Erreichung der Wohnkostenneutralität gel ten. Mieterhöhungen durch Renovierung müssen durch Energiekosteneinsparungen in gleicher Höhe ausgeglichen werden, um „Renovictions“ und Gentrifizierung zu vermeiden“, sagte Steenbergen, die auch einen „Europäischen Verhaltenskodex für Renovie rung“ forderte, der die gleichberechtigte Be teiligung der MieterInnen bei Renovierungen sicherstellt, wie die bereits bestehende Eu ro päi sche Initiative für verantwortungsvolles Wohnen ERHIN. Wiener Wohnen hat sich als erstes österreichisches Wohnbauunternehmen be - reits angeschlossen. Sorcha Edwards, Generalsekretärin von Housing Europe, plädierte für die Notwendigkeit, den Green Deal zu einem sozialen Green Deal zu machen. „Es ist entscheidend, daß wir die Renovierungswelle richtig hinbekommen und dafür sorgen, daß sie niemanden zurückläßt.“ Die Initiative für er - schwinglichen Wohnraum sollte eine Welle sein, die Erschwinglichkeit und soziale In - klusion auf den Boden bringt. Sie sollte dazu beitragen, Arbeitsplätze und KMUs zu schaf - fen, dem lokalen Bausektor zu helfen, sich auf Gebiete mit sozialen Problemen zu konzentrieren und Wohnraum für die alternde Bevölkerung fit zu machen. Sie sollte auch zu einer messbaren Reduzierung der Treibhausgasemissionen führen und den digitalen Fort - Foto: PID / Christian Jobst Foto: ViennaGIS Die smarte Erneuerung der Wohnhausanlage im Jahr 2017 mit damals 485 Wohneinheiten, die auch einen Ausbau des Dachgeschosses und damit die Schaffung 79 neuen Wohnungen umfaßte, zählt zu den größten Sanierungsprojekten in Simmering. schritt auf Bezirksebene nutzen. Die Initiative sollte auch als Politiklabor für Verbesserungen in der EU-Politik zu staatlichen Beihilfen und Beschaffung dienen, die die lokalen Renovierungsprojekte unterstützen können. Der entscheidende Punkt ist jedoch die Finanzierung; hier erklärte Edwards, daß ein »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at spezifisches Förderprogramm notwendig sei. Elena Szolgayová, Housing 2030-Vizevorsitzende und langjährige Vorsitzende des UNECE Komitees für Wohnen und Grundstücksmanagement von 2013 bis 2019, hielt das Schlußwort und verwies auf die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die dazu führt, daß die Wohnungsfrage immer drängender wird. „Wir müssen langfristige und nachhaltige Visionen schaffen, um die Rea lität von bezahlbarem Wohnraum zu er– reichen. Es liegt an den Regierungen, eine langfristige Perspektive zu bieten, um die Erschwinglichkeit von Wohnraum zu unterstützen, das Ziel sollte sein, eine Symphonie zu hören, in der alle Instrumente zusammenarbeiten, die schöne Musik zu spielen.“ Die TeilnehmerInnen nutzten den Chat ak - tiv, um Hinweise zu zahlreichen bereits be - stehenden Projekten zu teilen, die zur Initiative für leistbares Wohnen beitragen können. Michaela Kauer, Leiterin des Brüsseler Verbindungsbüros der Stadt Wien und Mo - deratorin der Diskussion, schloß das Webinar mit der Hoffnung und Zuversicht, daß die Veranstaltung ein erfolgreicher Auftakt für weitere Diskussionen war, um die Initiative für leistbares Wohnen gemeinsam mit einer breiten Palette von Städten und Stakeholdern weiter zu gestalten und „auf den Bo - den zu bringen“. n https://www.wien.gv.at/ https://pes.cor.europa.eu/housing-week-highlights Das Wiener „Smarter Together“-Stadterneuerungsgebiet liegt zwischen Simmeringer Hauptstraße und Ostbahn (Geiselberg, Enkplatz).

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 197 / 12. 02. 2021 Österreich, Europa und die Welt Österreicher Josef Aschbacher ist neuer ESA-Generaldirektor 37 Am 17. Dezember bestätigte die Europäische Weltraumagentur ESA die Wahl des österreichischen Geophysikers Josef Aschbacher als nächsten ESA-Generaldirektor. Zu diesem Erfolg des 1962 im Tiroler Ellmau geborenen Weltraumforschers Jo sef Aschbacher sagt Willibald Stumptner, Präsident des Österreichischen Weltraum Forums: „Es ist sehr bemerkenswert, daß der neue Generaldirektor aus einem der kleinsten Mitgliedsländer der ESA kommt. Wenn ein Wissenschaftler aus dem eigenen Land zum Leiter einer der weltweit bedeutendsten Raumfahrtorganisationen wird, hat das Signalwirkung. Ich hoffe, das bringt einen Boost für österreichische Forschungs- und Raumfahrtunternehmen und v.a. auch für österreichische Space Start-Ups, die den Raumfahrtsektor mit innovativen Ideen bereichern.“ Stumptner ergänzt: „Josef Aschbacher ist für die kommenden Jahre und Herausforderungen die perfekte Wahl, wie er bereits als langjähriger Leiter des ESA Erdbeobachtungsprogramms – und hier ist die ESA weltweit führend – bewiesen hat. Ich bin zuversichtlich, daß er in der Europäischen Weltraumagentur die Balance zwischen der Industrie und den WissenschaftlerInnen ebenso wie zwischen den großen und kleinen Staaten wahren wird, denn er vereint die Eigenschaften eines Wissenschaftlers und Managers, ist fachlich ausgezeichnet, gut vernetzt und diplomatisch.“ Gernot Grömer, Direktor des ÖWFs, er - gänzt: „Es freut mich, daß mit Josef Aschbacher jemand an der Spitze der ESA ist, der Verständnis für wissenschaftlich fundierte Öf fentlichkeitsarbeit hat. Aus eigener Erfahrung wissen wir im ÖWF wie wichtig das ist, um den Menschen den Nutzen der Weltraumforschung näherzubringen.“ Über Josef Aschbacher Josef Aschbacher stammt aus Tirol und studierte Meteorologie und Geophysik an der Universität Innsbruck. Seit 1990 ar beitet er für die Europäische Weltraumagentur ESA. Zunächst war er am European Spa ce Research Institute (ESRIN) in Frascati bei Rom tätig. Nach dem Asian Institute of Technology in Bangkok (Thailand), wo er Erdbeobachtungsmethoden mit Radartechnologien und Bildverarbeitung lehrte, kehrte Foto: ÖWF v.l.: ÖWF Finanzvorstand Olivia Haider, ÖWF Direktor Gernot Grömer und Josef Aschbacher, er tritt sein Amt als ESA Generaldirektor Anfang Juli 2021 an, anläßlich der Eröffnung einer Erdbeobachtungs-Ausstellung im Audioversum in Innsbruck Aschbacher 1994 nach Europa zurück. Während seiner siebenjährigen Tätigkeit am EU- Joint Research Centre in Ispra (Italien) war er an der Entwicklung des EU-Erdbeobachtungsprogramms „Copernicus“ beteiligt. 2001 bis 2008 war er im ESA-Hauptquartier in Paris tätig und kehrte dann wieder an das ESRIN in Italien zurück, wo er für die Programmplanung und -koordination zuständig war. Seit 2014 ist Aschbacher Leiter der ESA-Abteilung für Erdbeobachtung, angesiedelt in der ESA-Niederlassung ESRIN in Frascati bei Rom. »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Foto: ÖWF Willibald Stumptner, Präsident des ÖWFs Über das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) gehört im Bereich der Analogforschung weltweit zu den führenden Organisationen, die an der Vorbereitung astronautischer Erforschung anderer Planeten mit - arbei ten. ExpertInnen verschiedenster Disziplinen bilden innerhalb des ÖWFs die Basis für diese Arbeit. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Industrie und Unternehmen un ter schiedlicher Branchen wird hier Forschung auf höchstem Niveau betrieben. Dabei nutzt das ÖWF sei - ne ausgezeichneten Kontakte zu MeinungsbildnerInnen, Politik und Medien, um österreichische Spitzenforschung und Technologie international voranzutreiben und bekanntzumachen. Das Österreichische Welt raum Fo - rum ist zudem einer der wichtigsten Bildungsträger in Österreich, wenn es um Raum - fahrt und darum geht, junge Menschen für Wissenschaft und Technik zu begeistern so - wie ihnen einen Zugang zu dieser Branche zu ermöglichen. Neben der Betreuung von universitären Arbeiten bietet das ÖWF auch immer wieder Studierenden und SchülerInnen die Möglichkeit, im Rahmen von Praktika ihr Wissen zu erweitern. n https://oewf.org/

Wir danken dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, dem Land Burgenland, Land Oberösterreich und PaN – Partner aller Nationen für die aktive Unterstützung unserer Arbeit für Österreich.