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Ausgabe 194

magazin mit Berichten von der Politik bis zur Kultur: sechs bis acht Mal jährlich mit bis zu 100 Seiten Österreich. 15.327 pdf-Downloads im August 2020 auf http://oesterreichjournal.at/

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 194 / 17. 09. 2020 Österreich, Europa und die Welt Corona ist der erste große globale Kickback 62 Terra-Mater-Chef Walter Köhler im »Kurier«-Interview über die Rache der Natur und Wildlife-Crime, Selbstverzwergung und eine neue Art des Naturfilms. In nicht einmal zehn Jahren hat Walter Köhler (58) mit den Terra Mater Factual Studios von Wien aus eines der weltweit wichtigsten und erfolgreichsten Produktionsunternehmen im Bereich Naturfilm aufgebaut. Mit „Sea of Shadows“, das den Überlebenskampf des kleinsten Wals der Welt im Golf von Kalifornien, den Vaquitas, do - kumentiert, ist man nun erstmals im Rennen um die Primetime-Emmys. Die werden am 20. September in Los Angeles vergeben – pandemie-bedingt nur virtuell. Was diesen Film und Corona noch verbindet, erzählt Köhler im Interview. Christoph Silber: Mafia, Korruption und sinnloser Tod von Tieren: „Sea of Shadows“ dokumentiert das (Aus-)Sterben einer weiteren Walart und die gefährliche Realität auch für die Macher des Films. Das alles ist ganz weit weg von süßen Löwenbabys, die wir vom Fernsehen kennen. Walter Köhler: Ich habe mein ganzes Be - rufsleben von der Natur profitiert, es war Zeit, angesichts der unverminderten Umweltzerstörung etwas zurückzugeben. „Sea of Shadows“ und davor schon „Ivory Game“ – über den weltweiten illegalen Elfenbeinhandel – waren der Versuch, auf eine andere Art auf die Dringlichkeit des Themas hinzuweisen. Beide Filme gehören aufgrund ihrer Machart und Erzähldynamik auf die große Leinwand – Naturfilm funktioniert sonst im Kino ja kaum. Beide Filme haben darüber hinaus aber auch eine Bewegung gestartet, die versucht, auf die Politik und Entscheidungsträger einzuwirken. Mehr als ein frommer Wunsch? Es ist bei „Ivory Game“ wirklich Unglaubliches gelungen – die chinesische Regierung hat nach dem Film ein Elfenbein-Verbot *) Christoph Silber schreibt seit 1997 beim „Kurier“ über Medien-Wirtschaft und -Politik, Werbung und Fernsehen Foto: Terra Mater Factual Studios_Julia Stix Von Christoph Silber *) Terra Mater-Chef Walter Köhler beschlossen. Bei „Sea of Shadows“ gibt es das mehrfache Versprechen der mexikanischen Regierung, aktiv zu werden. Aber die Situation dort ist, wie man so sagt, komplex. Im Augenblick versuchen wir aber vor allem der Familie einer der Hauptakteure hinter dem Film, der an Corona verstorben ist, zu helfen. Planen Sie mit Terra Mater weitere Kino- Filme dieser Machart? Wir arbeiten bereits an einer nächsten Produktion. Ob Leonardo di Caprio und seine Produktionsfirma Appian Way erneut dazu stoßen werden, muß sich erst weisen. Sein Name ist natürlich für das Marketing von Vorteil, und das ist auch sein unmittelbarer Beitrag. Inhaltlich geht es diesmal um den illegalen Handel mit Orcas und Belugas. Wie kommen Sie zu dem Thema? Es gab vor gut zwei Jahren einen Skandal, der von Wladiwostok ausging, wo an die 90 Belugas und elf Orcas auf kleinstem Raum gefangen gehalten wurden, die für China gedacht waren. Hinterfragt wird in dem Zu - sammenhang auch die Rolle von SeaWorld. Denn der Handel mit Killerwalen ist ein Riesengeschäft. Wenn man weiß, daß in China derzeit über 100 riesige Aquarien gebaut wer - den, kann man die Dimension erahnen. Da - mals ist Russlands Präsident Vladimir Putin eingeschritten und die Tiere wurden daraufhin freigelassen. Wir gehen nun der Sache auf den Grund mit jenen Methoden, die wir mit „Sea of Shadows“ perfektioniert haben. Die Produktion ist wegen der Corona-Unterbrechung erst zu 80 Prozent fertig. Noch fehlt der letzte Dreh in Russland, den wir aufgrund einer Einladung der Regierung hoffen, im September durchführen zu können. Terra Mater ist ein global agierendes und produzierendes Studio. Wie und wie sehr sind Sie von dieser Pandemie jetzt betroffen? Wir hatten das große Glück, daß die Krise zu einem Zeitpunkt kam, an dem wir zufälligerweise vieles abgedreht und bereits in der »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 194 / 17. 09. 2020 Österreich, Europa und die Welt 63 Foto: Terra Mater Factual Studios / Matt Hamilton Aus der Terra Mater-Produktion »Im Reich der Rentiere«: Nordlichter in Lappland Postproduktion hatten. Selbst der angesprochene Wal-Film kann, wenn alles schieflaufen sollte, mit dem bereits vorhandenen Ma - terial fertiggestellt werden. Leider absagen mußten wir den Dreh für einen großen Flachlandgorilla-Film, der in Kooperation mit dem Max Planck-Institut stattfinden sollte. Die Ansteckungsgefahr für die Tiere wäre zu hoch gewesen. Und ein Team mußten wir aus Indien evakuieren – nur unser Equipment ist immer noch dort. Nichts ging also mehr. warum diese Pandemie entstanden ist. Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Es geht um Wildlife-Crime, wie das in anderer Form auch bei „Sea of Shadows“ oder „The Ivory Game“ der Fall ist. Es geht um den schändlichen Umgang des Menschen mit der Natur. Bei Corona haben Verrückte für nicht minder verrückte Konsumenten Schuppentiere gefangen, um aus diesen Schuppen Aphrodisiaka zu machen. Aber Corona hat noch eine andere Dimension. Was meinen Sie damit? Corona ist der erste große globale Kick - back – wir ernten, was wir säen und zwar weltweit. Bei dieser Terra Mater-Produktion läuft es einem kalt über den Rücken. Sie Was unter solchen Umständen trotzdem noch möglich war und ist, haben wir mit der Dokumentation „Corona, die Pandemie und das Pangolin“ gezeigt, die wir aus dem Lokkdown heraus produziert haben. Da hilft uns natürlich das große weltweite Netzwerk, das wir haben und unsere große Erfahrung. Dieses Thema, Corona, ist ja dermaßen vielfältig und für viele verwirrend. Was ist ihr Ansatz? Die Gesellschaft verdrängt und diskutiert lieber, wo wir den nächsten Urlaub verbringen können, als die Frage, wie, wo und Foto: Terra Mater Factual Studios / Matt Hamilton Ein Braunbär aus der Terra Mater-Produktion »Im Reich der Rentiere« »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

Wir danken dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, dem Land Burgenland, Land Oberösterreich und PaN – Partner aller Nationen für die aktive Unterstützung unserer Arbeit für Österreich.