Aufrufe
vor 9 Monaten

Ausgabe 194

magazin mit Berichten von der Politik bis zur Kultur: sechs bis acht Mal jährlich mit bis zu 100 Seiten Österreich. 15.327 pdf-Downloads im August 2020 auf http://oesterreichjournal.at/

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 194 / 17. 09. 2020 Österreich, Europa und die Welt Mit Chopin gegen die Pandemie Im niederösterreichischen Gaming stieg – dank der Internationalen Chopin Gesellschaft – die Kulturnation wie Phönix aus der Asche Beethovens 250. Geburtstag, Chopins 210. Geburtstag: und dann das. Was für ein herausforderndes Jahr 2020 wurde! Pandemie, Lockdown, Gesundheits- und daraus resultierende wirtschaftliche Nöte verbreiten heuer auf der ganzen Welt Angst und Schrecken. So nahm das heimtückische Vi - rus auch die Kulturnation Österreich mit all ihren Angeboten für einen entspannenden Kunstgenuß in seine Geiselhaft und schmälerte die Jubliäumslaune freilich enorm. Die Kulturträger aller Bundesländer ächzen un - ter den notwendigen Sicherheitsauflagen und Beschränkungen – und plötzlich steht die Kultur still. Bis auf einige wenige Leuchttürme, die sich an das Wagnis des auch fi nanziell herausfordernden Kultursommers in Österreich heranwagten. Salzburg, Grafen egg, Gaming! Selbstverständlich reihte sich Gaming in die kleine Schar etablierter hei mischer Festivals ein, die Österreich, die Kulturnation, erst zu dem machen, was es ist: das Herz der Mensch - lichkeit aus Kunstverständnis heraus. Somit ließ sich die internationale Chopin-Gesellschaft trotz all der be lastenden Unbilden nicht unterkriegen und stampfte ein Chopin- Festival in der Kartause Gaming aus dem Boden, das nicht nur ungemein situations an - gepaßt wurde, sondern in der Reife seines spontan aufgestellten Programmes mit den 35 vorangegangenen Ausgaben dieses Kul - turereignisses jedenfalls Schritt halten konnte. Und dem Ruf des Chopin-Festivals einen weiteren Edelstein in seine Krone setzte. *) Daniel Wagner ist Musikwissenschaftler und Kulturjournalist, auch bei radio klassik Stephansdom, und Vorstandsmitglied der Internationalen Chopin Gesellschaft Foto: ICG / 2020 FotoLois / Alois Spandl Von Daniel Wagner *) Ein faszinierender Blick auf die Kartausenkirche Gaming Situationsangepaßt… Situationsangepaßt bedeutete, daß die ICG aus Vorsicht vor Risiken wie Umsicht bezüglich virenbedingten Veränderungen in der Organisation zwar keine internationalen Musikerfreunde aus der Ferne auf die Bühnen einladen konnte – dafür gaben sich die renommiertesten zentraleuropäischen Virtuosinnen und Virtuosen, die auch als große Pä - dagogen reüssiert haben, ein brillantes Stelldichein. Christiane Karajeva, Gesellschaftsvizepräsident Manfred Wagner-Artzt, Martin Hughes, der ebenso große Johannes Kropfitsch, der feurige Chopin-Experte Boris Bloch ebenso wie die Wundergeige von Ed - ward Zienkowski: sie alle eint die jahrzehntelange Freundschaft zur Internationalen Chopin-Gesellschaft in Wien. Ein französischer Mitkämpfer für die musikalische Sache ließ es sich trotz der beschwerlichen Anreise ebenso nicht nehmen, nach Gaming seine pianistische Aufwartung zu machen: PaN – Partner aller Nationen – http://www.dachverband-pan.org/ 54 mit Yves Henry fand ein weiterer Chopinexperte in die Runde der honorigen Persönlichkeiten, die gemeinsam an diesen Tagen deutlich machten, wie wichtig auch oder be - sonders ihr pädagogischer Einsatz ist, um die Klangsprache der Klavierromantik authentisch weiterzugeben. Musik und Völkerfreundschaft Beethoven und Chopin – die beiden Grös - sen der Musikwelt standen im Rahmen der beiden runden Jubliäen in diesem Jahr im

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 194 / 17. 09. 2020 Österreich, Europa und die Welt 55 Mittelpunkt des Konzertinteresses, das sich angesichts der unitären Ausnahmestellung des Festivals in der Ausnahmesituation seinen Platz in der Öffentlichkeit einmal mehr behaupten konnte. Neben dem regen Me dieninteresse vom ORF bis in die Regionalmedien wurde der Ruf auch in Durchsicht der Ehrengäste und Grußworte bei der feierlichen Eröffnung durch die Musikkapelle Gaming deutlich. Außenminister Alexander Schallenberg nahm auf die Rückbesinnung auf die österreichische Rolle als Friedensstifter und Brückenbauer zwischen den Nationen durch solche Ereignisse Bedacht, ebenso appellierte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner an den Dienst „für Freiheit, Menschenwürde und Völkerfreundschaft“. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer, Landesrat Martin Eichtinger wie Gamings Bürgermeisterin Renate Rakwetz und Zabrzes Stadtpräsidentin Malgorzata Mánka- Szulik ließen es sich nicht nehmen, mit verbindlichen Worten auf die große Bedeutung des Chopin-Festivals in der Kartause als re - levanten Teil des österreichischen, völkerverbindenden Kulturdialogs über die Jahrzehnte hinzuweisen. Zurück zu Beethoven und Chopin: auf die Worte mußte bei dem Musikfestival freilich Musik folgen. Und was für welche so gar! Positiver Schlagabtausch Beim Freitagabendlichen Eröffnungskonzert in der Kartausenkirche kam es bereits zum positiven Schlagabtausch (und Gedankenaustausch) zwischen Klassiker und Ro - mantiker: Beethovens F-Dur Violinromanze Nr. 2 wurde dank der Meisterinterpretation von Zienkowskis Violine und Wagner-Artzts Klavierspiel ein frühromantischer Dialog zweier großer Künstler, der den Weg zu Chopin offenbarte. Und Chopins Sicht auf die Progression der Musik seiner Zeit – etwa in Kropfitschs unglaublich bewegendem Parlandostil zum b-Moll Scherzo op.31 verdeutlicht, schlicht untermauert. Martin Hughes begeisterte mit einer präzisen „Les adieux“ Sonate des Titanen, ein Rückblick auf die von beiden Komponisten anerkannten Wurzeln in Mozart blieb mit des - sen D-Dur Sonate KV 448 ebenso nicht aus: Karajeva und Wagner-Artzt verbreiteten voller Esprit den Salzburger galanten Stil, der sich beim Bonner Klassiktitanen weiterentwickelte. Junge Gäste aus Wien bereicherten die etablierten Namen mit ihrem ebenso herausragenden Zugang zur Klassik: die (vor al - Foto: ICG / 2020 FotoLois / Alois Spandl Foto: ICG / Sebastian Kocon Foto: ICG / Sebastian Kocon Mit dem Eröffnungskonzert startete das 36. Chopin Festival Gaming prächtig. Zum Dinnerkonzert im prächtigen Prälatensaal wurden Ludwig van Beethovens Lieblingsgerichte serviert Begeisterungsstürme am Festivalsonntag ernteten die Künstlerinnen von „Camerata Prima La Musica Wien“ unter der Leitung von Philharmonikavorstand Harald Krumpöck PaN – Partner aller Nationen – http://www.dachverband-pan.org/

Wir danken dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, dem Land Burgenland, Land Oberösterreich und PaN – Partner aller Nationen für die aktive Unterstützung unserer Arbeit für Österreich.