ÖSTERREICH JOURNAL NR. 193 / 31. 07. 2020 Die zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie getroffenen Maßnahmen führen in Österreich zu einer Rezession. Mit -7,0 % (gegenüber dem Vorjahr) sinkt die Wirtschaftsleistung 2020 deutlich stärker als in der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/09. Der Tiefpunkt scheint bereits durchschritten zu sein, die Rezession wird somit kurz sein. Dennoch wird die Wirtschaftsleistung am Ende des Prognosezeitraumes (Ende 2021) das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht haben. „Die umfangreichen Restriktionen, die verhängt wurden, um die Ausbreitung der Covid-19-Infektionen zu begrenzen, haben eine weltweite Rezession zur Folge. In Ös - terreich ist dies die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie resultiert aus dem gleichzeitigen Auftreten negativer An - gebots-(Schließungsmaßnahmen) und Nachfrageschocks (ausgeprägte Zurückhaltung bei Konsum- und Investitionsausgaben, massiver Einbruch der Auslandsnachfrage)“, so der Autor der aktuellen WIFO-Prognose, Christian Glocker. Die umfangreichen Restriktionen, die zur Begrenzung der Ausbreitung der Covid-19- Infektionen verhängt wurden, haben zu einer weltweiten Rezession geführt. Diese Entwicklung veränderte innerhalb weniger Wo - chen die wirtschaftlichen Aussichten grundlegend. Mit der schrittweisen Rück nah me der Eindämmungsmaßnahmen wird die Wiederaufnahme von wirtschaftlicher Aktivität ermöglicht. Der Umstand, daß dies in - ternational asynchron verläuft, verlängert die Dauer der negativen Effekte der Pandemie auf die Weltwirtschaft. Vor diesem Hintergrund wird sich die Weltwirtschaft nur zö - gernd erholen. Die österreichische Volkswirtschaft geriet wie die Weltwirtschaft in eine Rezession. Wenngleich diese sich im Wesentlichen auf das 1. Halbjahr 2020 beschränkt und damit vergleichsweise kurz ist, ist sie ausgesprochen tief. Zwar wurde der Tiefpunkt bereits durchschritten und die Erholungsphase eingeleitet, dennoch besteht über die weitere Entwikklung hohe Unsicherheit. Dies gilt vor allem im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Pandemie, die zu ihrer Eindämmung notwen - digen Gegenmaßnahmen und die sich daraus Wirtschaft Prognose für 2020 und 2021 Das WIFO prognostiziert eine tiefe, jedoch kurze Rezession in Österreich Foto: WIFO em.o.Univ.Prof. Christoph Badelt ergebenden volkswirtschaftlichen Kon se - quenzen. Nach einem Rückgang um 7,0 % 2020 dürfte die Wirtschaftsleistung 2021 um 4,3 % zunehmen. Auch wenn dieser Aufholprozeß im historischen Vergleich dynamisch ist, dürfte das BIP am Ende des Prognosehorizontes das Vorkrisenniveau noch nicht er - reicht haben. Auf der Angebotsseite prägen die Sachgütererzeugung und die Marktdienstleistungen (vor allem die Bereiche »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at 70 Verkehr, Beherbergung und Gastronomie) den starken Einbruch, auf der Nachfrageseite die Exporte, die Investitionen (insbesondere die Ausrüstungsinvestitionen) sowie der Kon - sum der privaten Haushalte. Der Einbruch der Konjunktur hat erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Der langjährige Beschäftigungsaufbau endete im März 2020 abrupt, und die Arbeitslosigkeit stieg erheblich. Maßnahmen wie die Möglich - keit zur Kurzarbeit, deren Ziel es ist, die Beschäftigten während der Krise im Unternehmen zu halten, um danach eine rasche Konjunkturerholung zu ermöglichen, schrän - ken die negativen Effekte der gesundheitspolitischen Eindämmungsmaßnahmen auf den Arbeitsmarkt ein. Dennoch wird die Ar beitslosenquote 2020 wesentlich höher sein als im Vorjahr (2020: 9,7%, 2019: 7,4 %). Nach einem An - stieg der Beschäftigung 2019 um 1,6 % erwartet das WIFO nun für 2020 einen Rück - gang um 2,1 %. Die geleisteten Arbeitsstunden werden aufgrund der Möglichkeit zur Kurzarbeitet deutlich stärker sinken. Im Einklang mit der erwarteten Konjunkturerholung wird sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt 2021 entspannen. n https://www.wifo.ac.at/ Hauptergebnisse der Prognose 1) Einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck. 2) Einschließlich militärischer Waffensysteme und sonstiger Anlagen. 3) Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren (Benchmark). 4) Ohne Personen in aufrechtem Dienstverhältnis, die Kinderbetreuungsgeld beziehen bzw. Präsenzdienst leisten. 5) Labour Force Survey. 6) Arbeitslose laut Arbeitsmarktservice.
ÖSTERREICH JOURNAL NR. 193 / 31. 07. 2020 Wirtschaft 2020: OeNB erwartet Rückgang der Inflation auf 0,8 % 71 Niedriger Ölpreis und Nachfrageausfall dämpfen die Inflation, keine Preissteigerungen durch Corona im Online-Handel Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet in ihrer aktuellen In - flationsprognose für Österreich im Jahr 2020 einen Rückgang der am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen In - flationsrate auf 0,8 %, gefolgt von einem leichten Anstieg auf 0,9 % im Jahr 2021 sowie auf 1,5 % im Jahr 2022. Der Rück - gang im laufenden Jahr, der bereits im März eingesetzt hat, ist vor allem auf den außergewöhnlich starken Ölpreisverfall im heurigen Frühjahr zurückzuführen und wird zudem durch den Nachfrageausfall infolge der Covid-19-Pandemie verstärkt. Diese infla - tionsdämpfenden Effekte werden erst im nächsten Jahr auslaufen bzw. schwächer werden und die Inflation langsam wieder steigen lassen. Auf Basis von Preisdaten aus dem Online-Handel untersucht die OeNB, wie sich die Preise von Nahrungsmitteln und anderen Gebrauchsgütern, die in den Webshops von fünf großen österreichischen Handelsketten angeboten werden, während der Covid-19- Pandemie entwickelt haben. Aus dieser Un - tersuchung geht hervor, daß die Online-Preise von Nahrungsmitteln in den Monaten April und Mai 2020 im Durchschnitt geringfügig gesunken, jene von Bekleidung und Schuhen mitverursacht durch saisonale Faktoren (Ausverkauf) etwas stärker gesunken sind. Insgesamt lassen sich auf Basis der im Internet erhobenen Preisdaten keine auffälligen Preissteigerungen während der Covid-19- Krise, wie fallweise in den Medien berichtet wurde, feststellen. HVPI-Inflationsrate markant gesunken Die österreichische HVPI-Inflationsrate ist seit Februar 2020 von 2,2 % markant auf 0,6 % im Mai zurückgegangen. Dafür ist in erster Linie der massive Ölpreisrückgang der letzten Monate verantwortlich. Zusätzlich dürfte sich insbesondere bei dem starken Rückgang im Mai auch die aufgrund der Covid-19-Krise eingebrochene gesamtwirtschaftliche Nachfrage dämpfend auf die Inflationsrate ausgewirkt haben. Die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflationsrate lag noch bis April bei über »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at 2 %, ging aber im Mai ebenfalls markant auf 1,5 % zurück. Meßprobleme aufgrund von Covid-19 Die Entwicklung der letzten Monate, insbesondere im April und Mai 2020, ist allerdings unter dem Vorbehalt einer erschwerten Inflationsmessung in der Zeit der „Containment“ Maßnahmen zu sehen. Aufgrund der von Mitte März bis in den Mai hinein verordneten Geschäftsschließungen sowie Mo - bi litätsbeschränkungen war die Preiserhebung für viele im Warenkorb enthaltenen Pro dukte und Dienstleistungen erschwert oder sogar unmöglich. Aus diesem Grund mußten die vor Ort nicht erhebbaren Preise entweder auf alternativem Weg (etwa im In - ternet oder auf Basis von Scannerdaten von Supermärkten) erhoben oder durch Schätzungen ersetzt werden. Somit sind die jüngsten Inflationszahlen mit vergleichsweise hoher Unsicherheit behaftet und mit Vorsicht zu interpretieren. Inflationsrate von 0,8 % erwartet In ihrer jüngsten Inflationsprognose er - wartet die OeNB einen Rückgang der HVPI- Jahresinflationsrate im Jahr 2020 auf 0,8 % (nach 1,5 % im Vorjahr). Für die Folgejahre wird ein Anstieg auf 0,9 % (2021) und auf 1,5 % (2022) erwartet. Der Rückgang im heurigen Jahr ist hauptsächlich auf den seit März beobachteten außergewöhnlich starken Ölpreisverfall zurückzuführen. Zudem be - wirkt die Covid-19-Pandemie einen massiven Nachfrageausfall, der sich vor allem auf die Inflationsraten von Dienstleistungen und Industriegütern ohne Energie dämpfend auswirken wird. Ab dem Jahr 2021 sollte der Öl preiseffekt auslaufen und der inflationsdämpfende Nachfrageeffekt infolge der Covid-19-Pandemie schwächer werden. Mit 1,5 % liegt die HVPI-Inflationsrate 2022 aber weiterhin unter dem Durchschnittswert der letzten Jahre, da die Produktionsfaktoren über den gesamten Prognosehorizont unterausgelastet bleiben. Die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflationsrate wird gemäß OeNB-Prognose im Jahres-
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