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Ausgabe 193

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Monatsmagazin mit Berichten von der Politik bis zur Kultur: sechs bis acht Mal jährlich mit bis zu 100 Seiten Österreich. 14.981 pdf-Downloads im Juli 2020 auf http://oesterreichjournal.at/

© Kunstmuseum Bern,

© Kunstmuseum Bern, Dauerleihgabe Hahnloser/Jaeggli Stiftung / Foto: Reto Pedrini, Zürich ÖSTERREICH JOURNAL NR. 193 / 31. 07. 2020 Kultur 106 Sammlung In der Schweiz gibt es keine staatlichen Sammlungen und keine Nationalgalerie. Die heutige Schweiz wird 1848 als föderalistischer Bundesstaat gegründet; entsprechend bleibt das Kunstsammeln Privatsammlern und lokalen Museen vorbehalten. Hier geben Bürger den Ton an. Auch im Vorstand des 1848 gegründeten Kunstvereins Winterthur übernehmen um 1906 junge Kunstenthusiasten die Führung. Die Hauptprotagonisten sind Arthur Hahnloser und Hedy Hahnloser- Bühler, die zusammen mit Hedys Cousin Richard Bühler und den Brüdern Oskar und Georg Reinhart Winterthurs „glorioses Jahrzehnt“ einleiten. Zwischen 1910 und 1920 entstehen einige der wichtigsten Schweizer Privatsammlungen, darunter die Sammlung Hahnloser, die entscheidenden Einfluß auf den Aufbau moderner Kunstsammlungen der Schweizer Museen nehmen. Die Sammlung Hahnloser zählt zu den bedeutendsten Schweizer Privatsammlungen Paul Cézanne, Die Dächer, 1876/77, Öl auf Leinwand Kunstmuseum Bern deponiert ist. Zudem konnten Schlüsselwerke in die Ausstellung integriert werden, die das Sammlerpaar und deren Erben den Kunstmuseen von Winterthur und Bern geschenkt haben. Auch die Nachkommen haben großzügig Leihgaben beigesteuert. Sammeln war für Arthur und Hedy Hahnloser eine sinnstiftende Lebensaufgabe, an der sie ihr Umfeld aktiv beteiligten. Ihre Sammlung, die sie in der Villa Flora in Winterthur als Gesamtkunstwerk inszenierten, verstanden sie als „Lehrmuseum“. Sie motivierten Verwandte und Freunde, Werke ihrer favorisierten Künstler zu erwerben oder verhalfen diesen durch Schenkungen an Privatsammler und Schweizer Kunstmuseen zu Bekanntheit. Dieses „Prinzip Hahnloser“ hat die Schweizer Museumssammlungen und ihre Ankaufspolitik enorm bereichert; oft stehen die Schenkungen am Beginn umfangreicher Sammlungen der Modernen Kunst. In Österreich, wo Frankreich lange als Erz feind betrachtet wird und die Moderne nicht mit aller Konsequenz Eingang in die ästhetische Erziehung findet, wird ein vergleichbarer „Lehrpfad der Moderne“ erst 100 Jahre später mit der in der Albertina de - ponierten Sammlung Batliner etabliert. Hier führt die Sammlung Hahnloser einen Dialog mit den hauseigenen Sammlungen, die durch eine Auswahl von 20 Werken in die Ausstellung integriert sind. © Kunstmuseum Bern, Dauerleihgabe Hahnloser/Jaeggli Stiftung / Foto: Reto Pedrini, Zürich Ferdinand Hodler, Blumenpflückendes Mädchen, 1887, Öl auf Leinwand »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 193 / 31. 07. 2020 Kultur 107 zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Mit Werken von Manet, Cézanne und Van Gogh, Renoir und Toulouse-Lautrec repräsentiert sie die Anfänge moderner Kunst in Europa; mit Wer ken von Hodler und Vallotton besitzt sie eine ganz persönliche und auch typisch schweizerische Note. Die Vorliebe für die Nabis und den farbgewaltigen Expressionismus der Fauves ist wie die Bereitschaft der Sammler, den Weg der Künstler mit Be - geisterung mitzugehen, in dieser Sammlung spürbar. Die Sammlung Hahnloser entsteht während einer relativ kurzen Zeitspanne zwischen 1907 und 1936, und dies im engen Aus - tausch mit ihren Künstlern. Dieser Aspekt hat das Erscheinungsbild der Sammlung entscheidend gelenkt und geprägt. Sie besticht durch umfassende Werkgruppen von Künstlern wie Bonnard, Matisse und Vallotton und damit durch eine Auswahl, die der tiefen und treuen Verbundenheit mit den befreundeten Künstlern geschuldet ist. Arthur und Hedy Hahnloser sammeln zu - nächst für ihr eigenes Heim, die Villa Flora in Winterthur. Mit Auftragswerken und Schenkungen an Museen sowie mit ihrem vehementen Einstehen für „ihre Künstler“ fördern sie aber auch die Kenntnis über die klassische Moderne Europas in der Schweiz. Ihre Schenkungen an Schweizer Museen bewirken, daß sich das Kunst-Museum-Winterthur 1916 als erste öffentliche Sammlung französischer Moderne der Schweiz positionieren kann; das Kunstmuseum Bern und das Kunsthaus Zürich folgen diesem Beispiel. Diese Verschränkung von privatem und öffentlichem Sammeln ist heute als „Prinzip Hahnloser“ bekannt. Nach Hedy Hahnlosers Tod 1952 geht die Sammlung an ihre Kinder Hans und Lisa. Heute befindet sie sich zu einem großen Teil in der 1980 gegründeten Hahnloser/Jaeggli Stiftung; eine ebenso große Anzahl ist noch immer im privaten Besitz der Familie. 2018 wird die Villa Flora dem Kanton Zürich ge - schenkt; 2023 soll sie als dritter Standort des Kunst-Museums- Winterthur der Öffentlichkeit zugänglich sein. © Privatsammlung Henri Matisse, Frau in Grün, 1917, Öl auf Leinwand Ausgewählte Künstler Vincent van Gogh (1853–1890) Als Van Gogh 1886 in Paris ankommt, ist er Zeuge der neuen Kunstrichtung des Neoimpressionismus: Diese Künstler setzen die Farben unvermischt als Punkte und winzige Striche nebeneinander. Dies inspiriert Van Gogh, sich von der dunklen Tonmalerei, wie er sie in Holland praktiziert hat, zu distanzieren. Er verwendet reine, hellbunte Farben und malt Strichbilder. Van Gogh setzt die Far - ben unvermischt und pastos neben- und übereinander. Seit seinen Anfängen in Holland gilt Van Gogh die Schwarzweißzeichnung als der Malerei ebenbürtig. Nachdem er sich in Paris verstärkt der Malerei gewidmet hat, nimmt er ab 1888 in Arles seine intensive Zeichentätigkeit wieder auf. Er verbindet sie nun mit den Prinzipien japanischer Zeichenkunst und des Farbholzschnitts. Ersichtlich wird dies in der Schnelligkeit des Strichs, der Flächigkeit und Vereinfachung des Motivs sowie der Ausdrucksstärke der Konturlinien. Paul Cézanne (1839–1906) Émile Zola drängte seinen Jugendfreund Paul Cézanne, nach Paris zu kommen, und »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at dessen strenger Vater gab dem Wunsch des Sohnes schließlich nach: Cézanne verließ Aix-en-Provence und kam im April 1861 in der Metropole an. Er schrieb sich in die private Lehrakademie Suisse ein und traf dort nach wiederholten Zwischenaufenthalten in Aix auf seine späteren Mitstreiter, die künftigen Impressionisten Camille Pissarro, Claude Monet, Auguste Renoir und Alfred Sisley. Wie sie malte auch Cézanne gegen die Konvention an. Sein heftiger Farbauftrag (manière couillarde) erntete Mißfallen beim Salon. Er malte mit dunklen Farben; erst die Zusammenarbeit mit Pissarro in Pontoise hellte seine Farbpalette auf. Mit ihm, Monet und den anderen gehörte Cézanne 1874 zu den Gründungsmitgliedern der Société anonyme des artistes, peintres, sculpteurs et graveurs. Gemeinsam organisierten sie in

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