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Ausgabe 190

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 190 / 19. 12. 2019 Österreich, Europa und die Welt 4 Foto: HBF / Peter Lechner das aus einem friedlichen Nebeneinander ein sich wertschätzendes Miteinander werden las se, unterstrich der Landeshauptmann. Aus Vergangenem Lehren ziehen „Diese positive Entwicklung wird aber nachhaltig gestört, ja aufs Spiel gesetzt, wenn es immer wieder ein Zündeln und ge - genseitiges Provozieren gibt“, merkte Kompatscher an. „Wenn derzeit noch nicht gänzlich zur Zufriedenheit gelöste Fragen, wie beispielsweise die Toponomastik oder der Umgang mit Symbolen der belasteten und belastenden Vergangenheit dafür verwendet werden, Trennendes vor das Verbindende zu stellen, Mißgunst und Haß zu schüren, Feindbilder zu kreieren und um radikale Justament-Standpunkte zu vertreten, dann haben wir aus unserer Geschichte nichts gelernt. Positive Entwicklungen und Lösungen hat es für Südtirol immer nur gegeben, Bundespräsident Alexander Van der Bellen: „Österreich wird auch in Zukunft an der Seite Südtirols stehen.“ wenn nicht das Recht des Stärkeren, physische oder verbale Gewalt, sondern Dialog, Ver ständigungswillen, Respekt und Kompromißbereitschaft herrschten.“ Der Landeshauptmann wünschte sich, daß „Südtirol, aus Vergangenem seine Lehren zieht und zuversichtlich nach vorne blickt.“ Und er betonte weiter, daß die Autonomie Südtirols keine Territorialautonomie, sondern eine Autonomie zum Schutze der deutsch- und ladinischsprachigen Volksgruppen sei. „Gleichzeitig ist sie unser gemeinsames Gut, das keine Volksgruppe für sich zu vereinnahmen hat“, so Kompatscher. „Die Autonomie ist ein ge - meinsames Haus, in dem nicht die einen Hausherrn und die anderen bloß Gäste sind. Foto: LPA / Peter Daldos Landeshauptmann Arno Kompatscher hat in seiner Rede auf Schloß Tirol das friedliche Zusammenleben und einen respektvollen Dialog angemahnt. Die große politische Herausforderung, der wir gemeinsam gegenüberstehen und der wir uns zu stellen haben, ist es, Schritte nach menschlichem Maß zu setzen und politische Entscheidungen nachvollziehbar zu machen, ohne dabei dem banalen Populismus Tür und Tor zu öffnen“, schloß Kompatscher und übergab das Wort an Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Van der Bellen: Südtirol ist für mich eine Herzensangelegenheit „Südtirol ist ein weltweites Vorzeigemodell des gelebten Minderheitenschutzes“, er - klärte der Bundespräsident in seiner Rede. Es sei ein „blühendes, friedliches Land, ein »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at ganz besonderes Land“, so Van der Bellen. Dies gelte auch für ihn persönlich – schließlich sei er im Kaunertal nahe der Grenze zur autonomen Provinz aufgewachsen. „Südtirol ist für mich eine Herzensangelegenheit“, meinte das Staatsoberhaupt. „Österreich wird auch in Zukunft an der Seite Südtirols stehen“, betonte Van der Bellen die Schutzfunktion des Landes und gleichzeitig die „gute nachbarschaftliche Zu - sammenarbeit“ mit Italien. Ein Zeichen da - für sei auch das Treffen mit seinem Amtskollegen anläßlich „50 Jahre Südtirol-Paket“ und 100 Jahre Friedensvertrag von Saint-Germain mit der Abtrennung Südtirols von Ös - terreich. „Das Paket war entscheidend für die moderne Autonomie Südtirols.“ Gemeinsam sei es gelungen, die zerstörerischen Kräfte des Gegeneinanders zu überwinden und Südtirol zu dem „blühenden und friedlichen Land“ zu machen, das es heute ist. Für ihn stellt das Paket einen Wendepunkt dar: „Die Südtirol-Politik wendete sich vom Konflikt, der auch mit Gewalt ausgetragen wurde, hin zum Ge spräch und zum ehrlichen Bemühen um Lö sungen.“ Spaltung überwinden Van der Bellen ging in seiner Rede auf die Konsequenzen des Vertrags von St.-Germain vor 100 Jahren und auf die „menschenverachtenden Regime der Faschisten und Nationalsozialisten“ ein, die der „Bevölkerung unsägliches Leid bereitet haben“, sowie auf die Optionsregelung von Hitler und Mus - solini von vor 80 Jahren, die die Menschen gegeneinander aufgebracht und die Gesellschaft gespalten habe.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 190 / 19. 12. 2019 Österreich, Europa und die Welt 5 Zusammenspiel kooperativer Kräfte Mehrfach betonte Van der Bellen in diesem Zusammenhang, daß „tragfähige Lösun - gen nur durch das mutige Zusammenspiel der kooperativen Kräfte möglich“ seien und „die Suche nach Gemeinsamkeit zum Er - folg“ führe. Dies gelte für die Angehörigen aller Sprachgruppen, für Politikerinnen und Politiker des Landes ebenso wie für die Re - präsentanten Italiens und Österreichs. Vorzeigemodell eines gelebten Minderheitenschutzes Ein neues Kapitel eröffnete 1946 – so Van der Bellen – das Gruber-Degasperi-Ab - kommen mit seinem multilateralen Rahmen. Die Streitbeilegung von 1992, Österreichs Schengen-Beitritt, der Euro und die Europaregion zählte der Bundespräsident als Etappen der Annäherung auf, die Südtirol zu dem gemacht hätten, was es heute ist, „ein international anerkanntes Vorzeigemodell eines gelebten Minderheitenschutzes“. Eigenständige Entwicklung Südtirols garantieren „Die wesentliche Funktion der Autonomie ist und bleibt der Schutz der deutschund ladinischsprachigen Bevölkerung; so - wie ihrer sprachlichen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen“, erklärte Foto: Presidenza della Repubblica Italia Staatspräsident Sergio Mattarella unterstrich die Vorbildfunktion der Südtirol-Autonomie: Sie sei international beispielgebend. Van der Bellen. Dabei bezeichnete er es als gemeinsame Verantwortung Österreichs und Italiens, die eigenständige Entwicklung Südtirols zu garantieren, zum Schutz der Sprache, Kultur und Tradition. Das Einende vor das Trennende stellen Aufgabe sei es, diese „Autonomie weiterzuentwickeln und den aktuellen Lebensbedingungen und Bedürfnissen anzupassen“, und zwar „Gemeinsam, im gegenseitigen Re - spekt und indem wir das Einende vor das Trennende stellen!“ Matarella: Steinige Umsetzung der Autonomie Der Gedenktag biete Gelegenheit, um auf wichtige historische Eckpunkte für Südtirol und für die Beziehungen zwischen Italien und Österreich zurückzublicken, betonte Ita- Foto: HBF / Peter Lechner Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei seiner Rede auf Schloß Tirol »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

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