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Ausgabe 188

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 188 / 05. 09. 2019 Kultur 96 Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband Die Marter der zehntausend Christen, 1508, Öl, von Holz auf Leinwand übertragen avancierten Feldhasen, die berühmten Helldunkelblätter, unter denen Die betenden Hän - de das berühmteste Beispiel darstellen, sy - stematisch zusammengelegt haben, sodaß der Nürnberger Kaufmann Willibald Imhoff in den 1550er-Jahren einen wohlgeordneten Zeichnungsbestand übernehmen konnte, der über die Prager Sammlung Rudolfs II. schließlich 1796 aus der kaiserlichen Hofbibliothek in Wien an die Albertina gelangte, dank der Initiative ihres Gründers, des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. Diese Dürer-Ausstellung ist die zweite unter meiner Direktion. Als ich vor fünf Jahren den Chefkurator unserer Grafischen Sammlung – Christof Metzger ist der wohl profilierteste Kenner deutscher Kunst des 16. Jahrhunderts – fragte, ob man Dürer er - neut zum Thema einer großen Albertina- Schau machen könnte, ohne nur ein Remake zu veranstalten, meinte dieser spontan: „Man kann nicht nur, man muß!“ In den vergangenen Jahren haben weltweite Forschungsprojekte, an denen die Al - bertina meist selbst beteiligt war, eine neue Sicht auf Dürer gewonnen, die von reiner Biografik Abstand nimmt und auch das Wie »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 188 / 05. 09. 2019 Kultur 97 Washington, National Gallery of Art, Widener Collection © Courtesy National Gallery of Art, Washington Albrecht Dürer, Junge Frau in niederländischer Tracht, 1521, Pinsel in Schwarz, Grau, weiß gehöht und Wieso seiner Kunst hinterfragt. Schließlich hatte nach Christof Metzgers Ansicht un - ser eigener Bestand, der weltweit umfangreichste und wertvollste an Zeichnungen und Aquarellen Dürers, eine gründliche Neusichtung und in wichtigen Teilen auch Neubewertung nötig. Zwei Aspekte können wir heute herausheben: Nach Jahrzehnten der Geringschätzung hat Christof Metzger das um den einst so berühmten Veilchenstrauß zusammengestellte Konvolut auf Pergament gemalter Pflanzenstudien wieder in Dürers OEuvre in tegriert und als eine Werkgruppe der mittleren 1490er-Jahre identifizieren können. Erst die von den späteren Beschriftungen abweichende neue, frühe Datierung gibt dieser ehedem so populären Werkgruppe ihren Platz im Werk Dürers zurück. Am bemerkenswertesten aber sind Christof Metzgers Überlegungen zu den großen Naturstudien der er - sten Jahre des neuen Jahrhunderts – zum Feldhasen oder zum Großen Rasenstück – und zu den Helldunkelstudien auf farbigen oder gefärbten Papieren. Allesamt führen die se Werke an die Grenze des mit Feder und Pinsel Machbaren, was schon die Zeitgenossen Dürers bis hin zu Giovanni Bellini verblüffte. In erster Linie möchte Christof Metzger darin Demonstrationsstücke sehen, die jeder Besucherin und jedem Besucher in Dürers Atelier die vollendeten zeichnerischen und malerischen Fähigkeiten des Meisters unter Beweis stellen konnten und die über das Studium der Natur gefundene, perfekt-endgültige künstlerische Form belegen. Nicht Vorstudien sind sie, sondern autonome Bilder, Virtuosenstücke, die das stupende Können des Meisters und die geistige Tiefe seiner Naturauffassung unter Beweis stellen sollten. Das erklärt für die Werke, die im Zu - sammenhang mit dem Heller-Altar entstanden sind, ihre für reine Vorzeichnungen ei - gentlich überflüssige kompositorische Äquilibristik ebenso wie die ausgewogene Zu - sammenführung von Motiven, die sich auf un terschiedlichen Gemälden wiederfinden. Für diese vollkommen neue Sicht auf Dürers Werk danke ich Christof Metzger ganz ausserordentlich. Diese Ausstellung ist das Ergebnis einer international breit angelegten Kooperation und der Bereitschaft vieler Kolleginnen und Kollegen, diese große Dürer- Ausstellung zu unterstützen. Leihgeber aus aller Welt haben uns für die Zeit der Ausstellung kostbarste Werke anvertraut, die ein umfassendes Bild Dürers als Meister nicht nur des Zeichenstifts, sondern auch des Pinsels bieten. Für ihre Großzügigkeit und ihr Vertrauen kann ich nicht genug danken. Großartiges haben an unserem Haus das Ausstellungsmanagement, die Restaurierung und die Abteilung historischer Rahmung geleistet. Den Abteilungsleiterinnen Barbara Buchbauer, Kristina Liedtke und Carmen Lenoir sowie ihren Teams sei dafür auf das Herzlichste gedankt. Daß aus Gedanken und Worten ein rundum gelungener Katalog wurde, ist der bewährten Arbeit von Sandra Maria Rust, dem Grafiker Klaus E. Göltz und dem Prestel Verlag zu verdanken. Kleinere, aber überaus wichtige Katalogbeiträge lieferten Andrew John Martin (München) und Erwin Pokorny (Wien). Unschätzbare Unterstützung erfuhr Christof Metzger durch »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Julia Zaunbauer in ihrer Funktion als Assistenzkuratorin wie auch als Katalogautorin, wofür ich ihr auch in seinem Namen sehr herzlich danke. Jede umfassende Dürer-Ausstellung ist in der Museumswelt ein ganz außergewöhnliches, ein seltenes Ereignis. Daß ich das Privileg habe, die zwei seit mehr als einem halben Jahrhundert größten Ausstellungen zu Albrecht Dürer an der Albertina verwirklicht sehen zu dürfen, ist wohl das höchste Glück, das ich an diesem wunderbaren Haus erfahren kann. Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder Generaldirektor der Albertina https://www.albertina.at/ https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_D%C3%BCrer

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