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Ausgabe 185

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 185 / 05. 06. 2019 Wirtschaft Abschwung in der österr. Industrie hält im Mai an 78 Anhaltende Verschlechterung des Neugeschäfts führt zu einem Rückgang der Produktionsleistung – Niedrigstes Tempo des Beschäftigungsaufbaus seit drei Jahren – Ölpreis sorgt für Kostenanstieg im Einkauf Die Verlangsamung der Industriekonjunk - tur in Österreich ausgehend vom Höhepunkt zum Jahreswechsel 2017/18 schreitet weiter voran. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex ist im Mai auf 48,3 Punkte gesunken. Damit liegt der Indikator nach einer vierjährigen Aufschwungsphase nun den zweiten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Im europäischen Vergleich zeigt sich die heimische Industrie jedoch weiterhin in einer relativ guten Verfassung. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die Eurozone liegt nach einem erneuten Rückgang auf 47,7 Punkte unter dem ös - terreichischen Wert.“ Insbesondere der deutsche Einkaufsmanagerindex mit nur 44,3 Punkten belastet das europäische Ergebnis, das auch von leichten Rückgängen in Italien und Spanien gekennzeichnet ist. Der französische Index konnte hingegen im Mai die Wachstumsschwelle wieder überschreiten. Die zumeist ungünstigen Vorgaben aus dem europäischen Ausland schlagen sich dämpfend auf die Entwicklung der Industrie in Österreich nieder. „Die andauernde Verschlechterung der Auftragslage, insbesondere das nachlassende Exportgeschäft, haben im Mai zu einem Rückgang der Produktionsleistung in Österreich geführt. Während die Be schäftigung noch etwas zunahm, ist an - gesichts der geringeren Nachfrage die Einkaufsmenge stark reduziert worden, die Be - stände in den Verkaufslagern nahmen zu und die Lieferzeiten sind deutlich gesunken“, so Bruckbauer zu den wichtigsten Details der monatlichen Umfrage unter Einkaufsmanagern aus der heimischen Industrie. Produktionsleistung sinkt Mehr als vier Jahre hat der Produktionsindex mit Werten über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten auf eine ununterbrochene Ausweitung der Produktion der heimischen Industrie hingewiesen. „Die hi - storisch längste Phase einer monatlichen Steigerung der Produktionsleistung der ös - terreichischen Industrie seit Beginn der Er - mittlung des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Oktober 1998 ist zu Ende gegangen. Der Produktionsindex ist erst mals seit 50 Monaten auf 48,5 Punkte und damit unter die Wachstumsschwelle ge sunken. Die Aufarbeitung von Auftragsrück ständen konnte das seit einem halben Jahr rückläufige Neugeschäft nicht mehr gänzlich ausgleichen“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Die Verschlechterung der Auftragslage ist weiterhin vorwiegend durch die nachlassende Exportnachfrage bestimmt. Im Mai hat sich der Rückgang des Neugeschäfts aus dem Ausland sogar erneut beschleunigt. Da die heimischen Unternehmen nach der langen Hochkonjunktur jedoch auf volle Auftragsbücher zurückgreifen können, findet dies bislang kaum seinen Niederschlag in der Pro - duktionsleistung. Allerdings verkürzen sich seit drei Monaten die Lieferzeiten, im Mai sogar beschleunigt. Stärkerer Anstieg als im Vormonat, aber insgesamt nur langsam steigende Kosten im Einkauf Auf die Verschlechterung der Auftragslage haben die heimischen Industriebetriebe »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at im Mai den dritten Monat in Folge mit einer Verringerung der Einkaufsmenge reagiert. Da die aktuelle Produktionsleistung trotz des Rückgangs gegenüber dem Vormonat wei - terhin sehr hoch ist, haben sich die Lagerbestände an Vormaterialien und Rohstoffen im Mai erstmals im laufenden Jahr reduziert. Die Zurückhaltung im Einkauf im Mai ist zwar eine Folge der schwächeren Auftragsentwicklung, die im Mai jedoch durch wieder stärker steigende Einkaufspreise gefördert wurde. „Aufgrund eines Anstiegs des Ölpreises zu Beginn des Monats haben sich die durchschnittlichen Einkaufspreise im Mai wieder stärker als im Vormonat erhöht. Die gestiegene Kostenbelastung konnte trotz des starken Wettbewerbs im nachlassenden Nachfrageumfeld in höhere Verkaufspreise umgesetzt werden. Insgesamt ergab sich durch die Preistrends im Ein- und Verkauf jedoch kei - ne Veränderung der Ertragslage für die heimischen Betriebe im Mai“, so Pudschedl. Beschäftigungsaufbau hält verlangsamt an Die geringere Anzahl von Neuaufträgen wirkt sich nach der langen Hochkonjunktur bislang kaum auf die Auslastung der heimischen Industrie aus. Im Mai haben die öster-

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 185 / 05. 06. 2019 Wirtschaft 79 reichischen Betriebe sogar erneut neue Jobs geschaffen. Allerdings hat sich das Tempo des Beschäftigungsaufbaus erneut deutlich reduziert. Mit 51,2 Punkten erreicht der In - dex für die Beschäftigung nur noch den niedrigsten Wert seit März 2016. „Im ersten Jahresdrittel 2019 hat sich der Beschäftigtenstand in Österreichs Industrie um 2,2 Prozent zum Vorjahr bzw. fast 15.000 Personen auf über 625.000 Personen erhöht. Die Industrie hat damit für rund 20 Prozent des Beschäftigungsanstiegs in Österreich in diesem Zeitraum gesorgt. Die Arbeitslosenquote ist auf 4,1 Prozent gesunken und ist da mit nur halb so hoch wie in der Gesamtwirtschaft“, meint Pudschedl. Für das Ge - samtjahr 2019 erwarten die Ökonomen der UniCredit Bank Austria einen Rückgang der Arbeitslosenquote in der Gesamtwirtschaft auf 7,3 Prozent nach 7,7 Prozent im Vorjahr. In der Sachgütererzeugung wird die Ar - beitslosenquote zwar voraussichtlich auch sinken, jedoch langsamer auf 3,7 Prozent nach 3,8 Prozent 2018. Während in den ersten Monaten des laufenden Jahres die Beschäftigungsentwicklung in der Sachgüterindustrie wie schon 2018 günstiger als in der Gesamtwirtschaft war, dürfte sich dieser Trend als Folge der Verlangsamung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten voraussichtlich umkehren. Aussichten trüben sich weiter ein Im Mai hat der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex den zweiten Monat in Folge die Wachstumsschwelle von 50 Punkten unterschritten. Erstmals nach über vier Jahren zeigt der Teilindikator für die Produktionsleistung sogar einen Rückgang des Outputs gegenüber dem Vormonat an. Zudem weist das Verhältnis der Neuaufträge zu den Lagerbeständen auch für die kommenden Monate auf eine sinkende Produktion hin. Das nachlassende Neugeschäft kann an - gesichts hoch genug befüllter Verkaufslager auch mit geringeren Produktionskapazitäten erfüllt werden. Darüber hinaus schätzen die heimischen Betriebe auch die mittelfristigen Aussichten erneut ungünstiger ein. Der Er - wartungsindex für die Produktion in zwölf Monaten ist erstmals seit über vier Jahren unter die Wachstumsschwelle gesunken. Mit 49,9 Punkten verweist der Indikator auf die Möglichkeit einer weiteren Abwärtsentwick - lung der heimischen Industrie. Die Verlangsamung der Industriekonjunktur setzt sich vorerst mit unvermindertem Tempo fort, zumal durch die Handels- WIFO: Wirtschaft wuchs im I. Quartal 2019 um 0,4%A Gemäß der aktuellen Quartalsrechnung des WIFO expandierte das BIP in Ös - terreich im I. Quartal 2019 gegenüber dem Vorquartal um 0,4 % (IV. Quartal 2018 ebenfalls 0,4 %). Die moderate konjunkturelle Entwicklung setzte sich weiter fort. Die Konsum- und Investitionsnachfrage verlief stark. Vor allem die Bauinvestitionen wurden kräftig ausgeweitet. Die exportgetragene Industriekonjunktur schwächte sich hingegen seit der Jahresmitte 2018 ab. Das österreichische BIP wuchs im I. Quartal 2019 um 0,4 % gegenüber der Vorperiode (Trend-Konjunktur-Komponente). Das unbereinigte BIP lag um 1,4 % über dem Niveau des Vorjahres. Wie bereits in der Schnellschätzung von Ende April ausgewiesen, verlief die konjunkturelle Dy namik im I. Quartal moderat, wobei die aktuelle Rechnung eine leichte Aufwärtsrevision ge gen - über der Schnellschätzung ergibt (+0,1 Prozentpunkt im Vorquartalsvergleich, +0,3 Pro - zentpunkte im Vorjahresvergleich). Die saison- und arbeitstagsbereinigte BIP- Veränderungsrate (Kennziffer laut Eu rostat- Vorgabe) stieg ebenfalls um 0,4 % (+0,1 Pro zentpunkt gegenüber Schnellschätzung). Damit war das Wachstum im I. Quartal in Österreich ähnlich hoch, wie dies Eu rostat Mitte Mai für den Euro-Raum (0,4 % ) sowie für die EU 28 (0,5 % ) veröffentlicht hat. Die Binnennachfrage erwies sich im I. Quartal erneut als stabile Wachstumsstütze der heimi schen Wirtschaft. Sowohl die privaten Konsumausgaben (einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck) als auch die öffentlichen Konsumausgaben expandierten um 0,4 % . spannungen zwischen den USA und China und den Unsicherheiten über mögliche Im - portzölle auf europäische Autos zusätzliche belastende Faktoren bestehen. Nur wenige Signale sprechen derzeit für eine langsam einsetzende Stabilisierung des Abschwungs, wie etwa der sich nicht mehr weiter be - schleunigende Rückgang der Auftragseingän - ge. Auch die Anzeichen einer beginnenden Stabilisierung der Industriekonjunktur in der Eurozone, gekennzeichnet vor allem vom leichten Aufwind des Einkaufsmanagerindex in Frankreich, zeigen in diese Richtung. „Im ersten Quartal 2019 hat die Industrieproduktion in Österreich noch um durchschnittlich 4,8 Prozent im Jahresvergleich zulegen können. Aufgrund der Anzeichen für eine verschärfte Konjunkturverlangsamung im zweiten Quartal gehen wir von einer Verringerung des Wachstums im Ge - samtjahr 2019 auf rund 2,5 Prozent aus, nach 3,8 Prozent 2018. Trotz des noch starken Jahresbeginns und der Annahme, daß in der zweiten Jahreshälfte der globale Handel der heimischen Exportindustrie wieder stärker un ter die Arme greift, wird der Anstieg der Industrieproduktion spürbar geringer ausfallen als im Vorjahr“, erwartet Bruckbauer. n https://www.bankaustria.at/ Auch die Bruttoanlageinvestitionen (Aus- rüstungs- und Bauinvestitionen) wuchsen im I. Quartal 2019 mit 0,8 % robust. Während zwar die Dynamik der Ausrüstungsinvestitionen seit der zweiten Jahreshälfte 2018 nachließ (I. Quartal 2019 +0,6 %, nach durchschnittlich 1,2 % im 1. Halbjahr 2018), expandierten die Bauinvestitionen anhaltend kräftig (I. Quartal 2019 +0,8 % , nach durch - schnittlich 0,9 % im 1. Halbjahr 2018). Bei den Fahrzeuginvestitionen war eine rückläufige Ent wicklung zu beobachten. Die Nachfrage nach Maschinen und Elektrogeräten verlief hingegen im I. Quartal 2019 gut. Vor dem Hintergrund der robusten internationalen Entwicklung stieg die heimische Exportnach frage um 0,6 % . Die Warenexporte expandierten mit 0,4 % etwas stärker als noch in der Schnell schätzung von Ende April angenommen. Insgesamt bestätigte sich hier jedoch das Bild der seit Mitte 2018 abnehmenden Dynamik. Die Importnachfrage stieg im I. Quartal 2019 um 0,4 % , jene der Waren um 0,6 % . Auch in der Industrie nahm die konjunkturelle Dynamik zuletzt weiterhin ab. In der Sachgüterer zeugung stagnierte die Wertschöpfung (nach +0,1 % im IV. Quartal 2018). Der Boom in der Bau wirtschaft setzte sich hingegen fort (+0,6 % nach +0,7 % im IV. Quartal 2018). Die Dienstleistungs be reiche unterstützen das Wirtschaftswachstum ebenfalls. Die Wertschöpfung im Handel stieg um 0,1 % , in der Beherbergung und Ga stronomie um 1,2 % . Im Bereich der freiberuflichen, wis senschaftlichen, technischen und sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen wurde sie um 0,5 % ausgeweitet. n »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

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