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Ausgabe 185

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 185 / 05. 06. 2019 Österreich, Europa und die Welt 14 Foto: BKA / Dragan Tatic Am 7. Mai traf Bundeskanzler Sebastian Kurz (m.) die Botschafter der Alliierten Mächte im Bundeskanzleramt. Im Bild: der amerikanische Botschafter Trevor Traina (m.r.), der britischen Botschafter Leigh Turner (r.), der russischen Botschafter Ljubinskij Dmitrij (m.l.) und der französische Erste Botschaftsrat Sébastien Fagart (l.) Unvergeßliche Wunden für folgende Generationen sichtbar machen „Heute wollen wir als Bundesregierung der vielen Opfer gedenken, die dieser schlimmste Krieg gefordert hat. In der Shoah manifestierte sich das grausamste Gesicht des nationalsozialistischen Terrorregimes. Es sind unvergessliche Wunden geschlagen worden und es ist gerade für die nachfolgenden Generationen wichtig, diese immer wieder sichtbar zu machen“, hielt Vizekanzler Heinz-Christian Strache fest. Nach wie vor mache es fassungslos, wie es möglich sein konnte, daß ein Massenmord an Menschen verübt worden sei aus dem alleinigen Grund, weil sie JüdInnen waren, und weil sie eine Religion hatten, die man nicht bereit war zu akzeptieren. „Wir müssen alles daransetzen, daß sich Derartiges nie mehr wiederholen kann, gleich in welcher Form. Antisemitis - mus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz und wir haben hier alle gemeinsam vehement und konsequent jede Form von Antisemitismus im Keim zu ersticken“, so der Vizekanzler. Respektvolles Gedenken in Yad Vashem ermöglichen Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal berichtete über ein Abkommen mit Israel, das am 8. Mai im Ministerrat beschlos - sen worden war. Damit soll der Austausch von digitalisierten Beständen des Staatsarchivs und der Konzentrationslager(KZ)- Gedenkstätte Mauthausen mit Yad Vashem ermöglicht werden. „Die Bundesregierung bekennt sich zur historischen Verantwortung unseres Landes. Sie befürwortet die enge Zu - sammenarbeit mit Yad Vashem, das ein wissenschaftliches Zentrum zur Erforschung des Holocaust betreibt. Der Bundesregierung ist es ein Anliegen, einen aktiven Beitrag zu leisten, der den Überlebenden der Shoah und den Nachkommen ein würdiges und respektvolles Gedenken in Yad Vashem möglich macht. Dazu habe man bereits im Vorjahr die Errichtung des Shoah Heritage Campus mit einer Million Euro unterstützt. Die seit dem Jahr 2000 in Yad Vashem abgehaltenen Fortbildungsseminare für bisher 800 österreichische Lehrkräfte sollen intensiv fortgesetzt werden – „sie leisten einen nachhaltigen Bei - trag zur Erinnerungskultur an Schulen und bereiten junge Menschen auf ihr Leben vor. Am 8. Mai gedenken wir aller Opfer des Holocaust und wir werden alles dafür tun, daß wir ihre Namen nie vergessen werden“, so Launsky-Tieffenthal. Österreichs langer Weg nach Europa „Unser Land konnte aufatmen, weil das große Sterben beendet war“, erinnerte der Historiker Manfried Rauchensteiner an den 8. Mai und an das Ende des Zweiten Weltkriegs. In der folgenden alliierten Besatzungs - zeit, die er als Zeit der Läuterung bezeichnete, schien sich Österreich durch sein Be - kenntnis zur Neutralität immer mehr von Europa zu entfernen. Auch nach dem Beitritt zum Europarat im Jahr 1956 sei es noch ein weiter Weg gewesen, bis Österreich in Europa angekommen sei. Der Historiker erinnerte an Europa als Friedensprojekt und hielt fest, „daß man Tagespolitik in ein Geflecht von Vergangenheit und Zukunft, Krieg, Schuld, Verantwortung und Hoffnung einbetten muß. Der Krieg ist zu Ende, aber hier und heute ist nur Dankbarkeit angesagt.“ Zeitzeuginnen appellieren an Jugend: Kämpft für Friedensprojekt Europa Die Zeitzeuginnen Gerda Frey und Helga Kinsky vermittelten zu Beginn der Gedenkveranstaltung ihre Erfahrungen sowie ihre Wünsche an die Zukunft: „Wenn die Jugend in einer freien Demokratie leben will, dann muß sie an der Gestaltung dieses Landes teil - nehmen. Wichtig ist, daß sie keine plakativen Sager akzeptieren, sondern sich ihre eigene Meinung bilden und daß sie sehen, daß jeder Mensch das Recht hat, in Menschenwürde zu leben“, hielt Helga Kinsky fest. „Bitte trennt die Menschen nicht in ,wir und die anderen‘. Es kann jedem passieren, daß er als zu den anderen gehörig abgestempelt wird. Seid glücklich und dankbar in einem demokratischen, rechtstaatlichen und freien Land leben zu dürfen, eingebettet in das eu - ropäische Friedensprojekt: Es zahlt sich aus, für dieses Friedensprojekt Europa zu kämpfen“, appellierte Gerda Frey. n https://www.bundeskanzleramt.gv.at/ »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 185 / 05. 06. 2019 Österreich, Europa und die Welt Fest der Freude Mehr als 10.000 BesucherInnen setzten am 8. Mai beim Fest der Freude zum Ende des NS-Terrors ein Zeichen für Europa und Menschenrechte. 15 Foto: MKÖ / Sebastian Philipp Mehr als 10.000 TeilnehmerInnen folgten der Einladung des Mauthausen Komitees Österreich zum Fest der Freude auf den Heldenplatz Unter dem diesjährigen Schwerpunktthema „Europa und Menschenrechte“ ver- an die Freude“ aus Beethovens Neunter mermans, den Botschaftern der Befreierna- Abschluß des Open-Air-Konzerts die „Ode präsidenten der EU-Kommission Frans Timanstaltete das Mauthausen Komitee Österreich zum wiederholten Male das Fest der Freude mit einem kostenlosen Konzert der Wiener Symphoniker unter der Leitung der finnischen Di rigentin Eva Ollikainen am Wie ner Heldenplatz. Die mehr als 10.000 BesucherInnen gedachten ge meinsam des Tags der bedingungslosen Ka pitulation der deutschen Wehrmacht, der sich am 8. Mai 2019 bereits zum 74. Mal jährte. Neben den Worten des KZ-Überlebenden Shaul Spielmann und von Bundespräsident Alexander Van der Bellen gab es Vi deobotschaften der Europäischen Kommis sion und von Botschaf - tern der Befreiernationen sowie einen Videobeitrag zum 8. Mai und dem Fest der Freude am Wiener Heldenplatz. Als Zeichen für ein friedliches, geeintes und tolerantes Europa sang Conchita ge meinsam mit dem Publikum und dem „Longfield Gospel“ Chor zum Symphonie. Der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Österreich, Willi Mernyi, betonte in seiner Ansprache die Bedeutung des Fests der Freude als ein Zeichen gegen das europaweite Wiedererstarken intoleranter Strömungen: „Der 8. Mai markiert das Ende des NS-Terrorregimes. Wir feiern diesen Tag, denn er ist ein Tag der Freiheit, des Friedens und der Menschlichkeit. Gleichzeitig gedenken wir der Millionen Opfer der grausamen Ideologie des Nationalsozialismus. Dieses Gedenken erinnert und verpflichtet uns alle zu einem ‚Niemals wieder‘!“ Zeitzeuge Shaul Spielmann überlebte sechs Konzentrationslager Eröffnet wurde das Fest der Freude mit der Ansprache von Mernyi. Es folgte eine Reihe an Videobotschaften vom ersten Vizetionen, vom Präsidenten der Israelitischen Kul tusgemeinde Oskar Deutsch, von der Ge - schäftsführerin des Mauthausen Komitees Österreich Christa Bauer, vom Präsidenten des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) Rudolf Edlinger und vom Obmann des Vereins Gedenkdienst, Patrick Gyasi. Anläßlich der historischen Bedeutung des Tags der Freude hielt Bun - despräsident Alexander Van der Bellen eine Rede. Den Höhepunkt bildeten die mahnenden Worte des KZ-Überlebenden Shaul Spielmann, der sechs Konzentrationslager überlebte, u. a. das Kon zentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und Konzentrationslager im KZ-System Mauthausen. Shaul Spielmann ist gebürtiger Wiener. Er und seine Familie wurden 1942 in Wien von der Gestapo verhaftet und zwei Tage später nach Theresienstadt deportiert, weni- »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

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