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Ausgabe 183

Das "Österreich Journal" zum Durchblättern - die gewohnten vier verschiedenen pdf-Varianten zum Download finden Sie hier: http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_183.htm

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 183 / 01. 04. 2019 Kultur Wien 1900. Aufbruch in die Moderne 98 Die neu konzipierte Dauerpräsentation im Leopold Museum veranschaulicht das Phänomen Wien 1900 in all seiner Kreativität und Komplexität. © Leopold Museum, Wien / Foto: Leopold Museum, Wien / Manfred Thumberger Wien 1900. Aufbruch in die Moderne ist als neue Dauerpräsentation des Leopold Museum konzipiert und gewährt einen Einblick in die enorme Fülle und Vielfalt künstlerischer wie geistiger Errungenschaften dieser Epoche mit all ihren kulturellen, sozialen, politischen und wissenschaftlichen Implikationen. Basierend auf den von Ru - dolf Leopold gesammelten Beständen des Leopold Museum und ergänzt um ausgewählte Leihgaben aus mehr als 50 privaten und institutionellen Sammlungen vermittelt die von Direktor Hans-Peter Wipplinger ku - ratierte Präsentation auf einzigartige Weise das Fluidum der einstigen Weltkulturhauptstadt Wien und beleuchtet die von Gegensätzen geprägte Atmosphäre des Aufbruchs zur Emil Jakob Schindler, Waldstraße bei Schärfling, 1890 Zeit der Jahrhundertwende. Über drei Etagen hinweg sind auf über 3.000 m² Ausstellungsfläche rund 1.300 Exponate zu sehen. Die Präsentation glänzt mit medialer Vielfalt, die von Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie über Glas, Keramik, Metall, Textilien, Leder und Schmuck bis hin zu Möbelstücken und Wohnungseinrichtungen reicht. Zahlreiche Archivalien ergänzen die Schwer - punkte der Ausstellung, die einen zeitlichen Bogen von ca. 1870 bis 1930 spannt. »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Um- und Aufbruch im pulsierenden Wien der Jahrhundertwende Wien war im Fin de Siècle Nährboden für ein beispiellos fruchtbares Geistesleben in den Bereichen der Künste und Wissenschaften. Paradoxerweise ereignete sich diese Hoch blüte zeitgleich mit der stetigen Zunahme von politischen und sozialen Machtkämpfen sowie Nationalitätenkonflikten in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Die Einzigartigkeit liegt vor allem auch in der Tatsache begründet, daß der Aufbruch in den unterschiedlichsten Disziplinen, von Ma - lerei und Literatur über Musik, Theater, Tanz und Architektur bis hin zu Medizin, Psychologie, Philosophie, Rechtslehre und Ökonomie stattfand. „Das Phänomen Wien 1900 in all seiner Kreativität und widersprüchlichen Komplexität darzustellen, ist der Anspruch der neu konzipierten Dauerpräsentation. Die pulsierende Donaumetropole war um 1900 von

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 183 / 01. 04. 2019 Kultur 99 Gegensätzen geprägt: Sie war die Hauptstadt des Hochadels und der liberalen Intellektuellen, der prachtvollen Ringstraße und der endlosen Armenviertel, des Antisemitismus und des Zionismus, des starren Konservativismus und des Aufbruchs in die Moderne. Glanz und Elend, Traum und Wirklichkeit, Symbolismus und Selbstbefragung bezeichnen den existierenden Pluralismus jener Zeit und markieren Wien als Ideenlaboratorium und Motor einer turbulenten Erneuerungsbewegung. In diesem heterogenen Milieu fand jene einzigartige Verdichtung an Kulturleistungen statt, die uns heute von Wien um 1900 als einem Quellgrund der Moderne sprechen lassen“, so Wipplinger. Blütezeit des Historismus und stimmungsvolle Landschaftsmalerei Den Ausstellungsauftakt in der vierten Etage des Leopold Museum bildet eine Ou - vertüre zur Blütezeit des Wiener Historismus um 1870, mit Werken von Hans Makart, Hans Canon und der Künstler-Compagnie. Naturalistischen Gemälden aus Gustav Klimts Frühwerk werden Plastiken von Au - guste Rodin sowie Medardo Rosso und Porträts von Anton Romako oder Franz von Lenbach gegenübergestellt. Zudem werden zurückhaltende, „stimmungsimpressionistische“ Landschaftsdarstellungen und Milieustudien von Emil Jakob Schindler, seiner Künstlerfreundin und Rivalin Tina Blau, von Olga Wisinger-Florian und Theodor von Hörmann gezeigt. Gründung der Wiener Secession „Vor dem Hintergrund des Wiener Historismus und Stimmungsimpressionismus ist die Gründung der Wiener Secession im Jahr 1897 zu sehen, die als Befreiungsschlag die Kunstszene aufrüttelte und als Geburtsstunde der österreichischen Moderne in der bildenden Kunst gilt. Den Wiener Modernen – progressive Künstler wie Gustav Klimt, Ko - loman Moser, Alfred Roller, Carl Moll und Josef Hoffmann – ging es im Sinne der Idee des Gesamtkunstwerkes um die Durchdringung aller Lebensbereiche der Menschen mit Kunst; die angewandte Kunst wurde dabei der bildenden Kunst gleichgestellt. In die- Foto: Kasser Mochary Foundation, Montclair, NJ/Nikolai Dobrowolskij Bild oben: Augsute Rodin (1840–1917), Das ewige Idol, Entwurf 1893, Guß 1971, Bronze, 73 × 55 × 39 cm; Leihgabe The Kasser Mochary Family Foundation, Montclair, New Jersey Bild rechts: Hans Makart (1840–1884), Vestalin, 1870/72, Öl auf Holz, 93,9 × 25,8 cm © Leopold Museum, Wien / Manfred Thumberger »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

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