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Ausgabe 183

Das "Österreich Journal" zum Durchblättern - die gewohnten vier verschiedenen pdf-Varianten zum Download finden Sie hier: http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_183.htm

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 183 / 01. 04. 2019 Religion und Kirche Bischöfe wollen Opferschutz und Prävention verstärken 90 Kardinal Christoph Schönborn präsentierte am 22. März Ergebnisse der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Reichenau an der Rax. Die österreichischen Bischöfe werden sich weiterhin mit allen Kräften der Mißbrauchsproblematik stellen und sich für noch mehr Aufklärungs- und vor allem Präventionsarbeit einsetzen. Das ist eine der Hauptaussagen, mit denen Kardinal Christoph Schönborn am 22. März bei einer Pressekonferenz in Wien die Ergebnisse der Be - ratungen der Bischöfe zusammenfaßte. Die österreichische Bischofskonferenz war von 18. bis 21. März in Reichenau an der Rax zu ihrer Frühjahrsvollversammlung zu - sammengekommen. Weitere Themen waren u.a. die Europawahlen, der Ethikunterricht, der kirchliche Ausstieg aus fossiler Energie, die Visitation der Diözese Gurk sowie das umstrittene Bleiburger Gedenken. Foto: Kathpress / Paul Wuthe Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz mit Kardinal Christoph Schönborn (im Bild vorne im Mantel) in Reichenau an der Rax Kulturwandel bei Umgang mit Autorität Um dem Problem des Mißbrauchs in der Kirche beizukommen, würde es zu kurz grei - fen, den Zugang zu Kirchenämtern neu zu regeln. Wie Kardinal Christoph Schönborn betonte, bedürfe es vielmehr eines „Kulturwandels“ im Umgang mit Autorität – in der Kirche vor allem mit geistlicher Autorität: „Das wäre die beste Prävention.“ Der auch in einer Erklärung der Bischofskonferenz für notwendig erachtete „Kulturwandel“ sei bereits im Gange und solle sich in Richtung einer „offenen Gesellschaft“ im Sinne Karl Poppers weiterentwickeln, so hofft Schönborn. Er selbst habe in den 1950er-Jah - ren noch ein von Gewalt geprägtes Schulwesen erlebt, und „geschlossene Systeme“ etwa in Heimen sei „das Mistbeet, auf dem Mißbrauch gedeiht“, gewesen. In den letzten 20 Jahren seien Gesellschaft und Kirche aber „viel offener geworden“. Beim Thema Mißbrauch gelte es, „Standards, die es schon längst gibt“, konsequent umzusetzen. Auch gebe es im Vatikan seit dem Pontifikat Johannes Pauls II. einen Gerichtshof für „delicta graviora“ (schwerwiegende Delikte), der seither mehr als 100 Priester ihres Amtes enthoben habe. Jeder Fall von Übergriffen durch einen Kleriker müsse von der zuständigen Diözese dorthin gut dokumentiert gemeldet werden, erklärte Schönborn. Die in Österreichs Kirche diesbezüglich geltenden Richtlinien hätten im internationalen Vergleich Vorbildwirkung, betonte der Kardinal. Statistik über Mißbrauch Die Bischofskonferenz veröffentlichte zu dem einen Bericht mit dem Titel „Maßnahmen der Katholischen Kirche in Österreich gegen Missbrauch und Gewalt“. Dieser umfaßt auch eine Statistik über die bisher 2.193 von der Opferschutzanwaltschaft be - handelten Fälle. Nur in 171 davon wurden weder Finanzhilfe noch Therapie zuerkannt, in zwei Drittel der Fälle beides. 180 Fälle sind derzeit in Bearbeitung. Den Betroffenen wurden bisher insgesamt 27,8 Millionen Euro zuerkannt, davon 22,1 Millionen als Finanzhilfen und 5,7 Millionen für Therapien. Bei 31 Prozent aller Vorfälle handelte es sich laut Angaben der Bischofskonferenz um sexuellen Mißbrauch, bei allen anderen um körperliche Gewalt. Die meisten Übergriffe seien rechtlich verjährt und erfolgten hauptsächlich in den 1960er-Jahren (37,1 Prozent) und 1970er-Jahren (30,8 Prozent). 14,4 Prozent der Vorfälle hätten sich in den 1950er Jahren oder früher ereignet. Lediglich 0,8 Prozent der Fälle betreffen den Zeitraum seit 2000, heißt es in dem Bericht. Klimaschutz Die Bischöfe kündigten weiters an, daß sich die katholische Kirche in Österreich sich mit ihren Vermögen aus allen Unternehmen zurückzieht, die fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl oder Erdgas fördern bzw. produzieren. „Kirchliche Finanzmittel dürfen kei - ne zerstörerische Wirkung auf das Klima ha - ben“, unterstrichen die Bischöfe in einer Er - klärung. Deshalb habe die Bischofskonferenz beschlossen, die Divestment-Erklärung im Rahmen des „Global Catholic Climate Movement“ (GCCM) zu unterzeichnen und die ethischen Veranlagungsrichtlinien entsprechend anpassen. GCCM ist ein 2015 gegründeter Zusammenschluß verschiedenster katholischer Umweltgruppen aus allen Teilen der Welt. Der Vollausstieg gilt für alle Diözesen, die Österreichische Bischofskonferenz und alle ihre Einrichtungen. Um die Anwendung und Interpretation der jetzt verschärften ethischen Veranlagungsrichtlinien zu sichern, wird zudem als neues Instrument eine Ständige Kommission eingerichtet, kündigten die Bischöfe an. n https://www.bischofskonferenz.at/ »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 183 / 01. 04. 2019 Religion und Kirche Nominierungen zum Bischof 91 Die Kandidaten für die Wahl zum Bi - schof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich stehen fest: Bei der Wahl am 4. Mai treten der frühere Diakonie-Direktor und jetzige Geschäftsführer der Diakonie Bil - dung, Michael Chalupka, der Wallerner Pfarrer und oberösterreichische Senior An dreas Hochmeir und der Kärntner Superintendent Manfred Sauer an. Der Nominierungsreigen war am 30. März mit der oberösterreichischen Superintendentialversammlung in Efer ding abgeschlossen worden, auf der Andreas Hochmeir nominiert wurde. Michael Chalupka Michael Chalupka wurde 1960 in Graz geboren, studierte Theologie in Wien und Zürich, war von 1994 bis 2018 Direktor der evangelischen Hilfsorganisation Diakonie Österreich und ist seitdem Geschäftsführer der Diakonie Bildung. Chalupka will seine „Erfahrung und das, was ich lernen durfte“ einsetzen, um das Evangelium „hörbar, spürbar und sichtbar zu machen.“ Daß die Ge - sellschaft immer säkularer, Glaube und Kirche zunehmend ins Private gedrängt und ChristInnen „belächelt“ werden, hält Chalup - ka für die zentrale Herausforderung. Hier will er „die Schätze, die unsere Evangelische Kirche zu bieten hat, sichtbar machen, öf - fentlich vertreten und notfalls auch verteidigen“. Daß sich in den Gottesdiensten und Gemeinden „ganz verschiedene Menschen als Schwestern und Brüder begegnen“ sei „einer der größten Schätze“, denn eine pluralistische Gesellschaft brauche solche Räume, an denen sich Menschen, die nie miteinander zu tun bekommen würden, begegnen. Das gelte es zu fördern und weiterzuentwickeln. Andreas Hochmeir Andreas Hochmeir wurde 1974 in Wels geboren, studierte Theologie in Wien und Hei delberg, und ist seit 2004 Pfarrer im oberösterreichischen Wallern. 2012 wurde er zum Senior und damit zu einem der Stellvertreter des oberösterreichischen Superintendenten gewählt. Als Bischof will Hochmeir „Diener einer einladenden und fröhlichen Kirche“ sein, „einen frischen Blick einbringen“, in der wichtigen Vielfalt der Kirche Am 4. Mai wählt die Synode der evangelisch-lutherischen Kirche einen Nachfolger für Bischof Michael Bünker. Foto: epd/Uschmann Foto: epd / Markus Hanetseder Foto: epd / Uschmann Michael Chalupka Andreas Hochmeir Manfred Sauer »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at „in tegrativ und verbindend wirken“, und da - bei „der Mitte unserer Kirche ein Gesicht und eine Stimme geben“. Die Stärkung der Ge meinden ist ihm dabei ein besonderes An - liegen. Angesichts des Mitgliederrückgangs, des Relevanzverlustes von Glaube und Kirche sowie finanzieller und personeller Herausforderungen gelte es, evangelische Identität zu betonen. Die Kirche solle „Menschen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen und Herkunft“ eine Heimat bieten, dabei aber stets an „unsere Wurzeln rückgebunden bleiben“, unterstreicht Hochmeir. Dabei will er „Bewährtes stärken aber auch Neues wa - gen“. Manfred Sauer Manfred Sauer wurde 1960 in Bernstein (Burgenland) geboren, studierte Theologie in Wien und Hamburg und war ab 1987 Pfarrer in Pörtschach. 2001 wurde er zum Superintendenten der Diözese Kärnten/Osttirol ge - wählt, 2014 erfolgte die Wiederwahl. Sauer will als Bischof seine bisherigen Erfahrungen einbringen, „evangelische Identität zu ent falten und zu gestalten“. Mit Dialogarbeit und seinem „kooperativen Arbeitsstil“, durch die Erfahrung in der Umsetzung zahlreicher Projekte wie den Europäischen Toleranzgesprächen oder der Landesausstellung sei er überzeugt, „einen wichtigen Beitrag für un - sere Gesamtkirche leisten zu können“. Es gelte auch, „das Miteinander, das spürbare Risse bekommen hat, wieder zu stärken und offen aufeinander zuzugehen“. Eine Stärkung wünscht sich Sauer zudem für die ländlichen Regionen, „in denen evangelisches Leben noch prägend und lebendig ist“. Weil Religion stärker ins Private gedrängt werde, werde das „gemeinsame Auftreten und Einstehen“ in der Ökumene immer wichtiger. Die Wahl des neuen Bischofs, die am 4. Mai in Wien stattfindet, ist notwendig, da der amtierende Bischof Michael Bünker En - de August in den Ruhestand tritt. Jede Superintendentialversammlung konnte bis zu zwei KandidatInnen für die Wahl vorschlagen, die dann durch die Synode A.B. erfolgt. Nominiert werden konnten nur Personen, die sich auch bereit erklärt hatten, sich der Wahl zu stellen. n https://evang.at/

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Arik Brauer