Aufrufe
vor 7 Monaten

Ausgabe 183

Das "Österreich Journal" zum Durchblättern - die gewohnten vier verschiedenen pdf-Varianten zum Download finden Sie hier: http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_183.htm

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 183 / 01. 04. 2019 Die Eintrübung der Konjunkturstimmung vom Allzeithoch zum Jahreswechsel 2017/18 setzt sich fort. „Im Februar 2019 ist der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator auf 2,5 Punkte gesunken. Das Tempo des Rückgangs hat sich zwar jüngst etwas verlangsamt, jedoch hat der Indikator mittlerweile den tiefsten Stand seit 2,5 Jahren er - reicht“, meint UniCredit Bank Austria Chef - ökonom Stefan Bruckbauer. Während die Herausforderungen im Ex - port erneut deutlich gestiegen sind, bremste der anhaltende Optimismus im Inland das Absinken des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators. Der starke Rückgang des mit den österreichischen Handelsanteilen ge - wichteten Teilindikators für das internationale Exportumfeld hat die Stimmung in der heimischen Industrie erneut stark belastet. Dagegen hat der Optimismus am Bau sogar zugelegt, während sich im Dienstleistungssektor die Stimmung kaum verändert hat, zu mal die heimischen Verbraucher angesichts des noch anhaltenden Verbesserungstrends am Arbeitsmarkt und der höheren Lohndynamik im Februar sogar etwas zuversichtlicher geworden sind. Wirtschaft Anhaltende Unsicherheiten dämpfen Wachstumsaussichten Die Konjunkturstimmung läßt weiter nach – Auswirkungen der andauernden Verschlechterung des Exportumfelds werden durch die optimistische Stimmung im Inland abgefedert – Arbeitslosenquote wird 2019 auf 7,3 Prozent sinken 76 Geringere Wachstumsaussichten für 2019/20 Seit der zweiten Jahreshälfte 2018 läuft der Konjunkturmotor mit geringerer Drehzahl. Der andauernde Rückgang des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators so - wie die bisher vorliegenden realwirtschaftlichen Daten lassen auch für den Jahresbeginn 2019 keine Trendwende erwarten. Die bestehenden Unsicherheiten durch den be - vorstehenden Brexit, die Veränderungen im globalen Handel durch die US-Politik sowie die Nachwirkungen in der Autoindustrie durch den neuen Abgastestzyklus belasten weiterhin den Export. „Gestützt auf die In - landsnachfrage wird die österreichische Wirt - Österreich Konjukturprognose Prognose 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Wirtschaftswachstum (real, Vdg. z. Vorjahr) 1,8 2,9 0,7 0,0 0,7 1,1 2,0 2,6 2,7 1,6 1,5 Industrieproduktion (real, Vdg. z. Vorjahr) 7,0 6,7 0,1 0,8 1,1 2,4 2,5 4,2 3,7 3,0 2,0 Privater Konsum (real, Vdg. z. Vorjahr in %) 1,0 1,3 0,5 -0,1 0,3 0,4 1,4 1,4 1,6 1,4 1,3 Investitionen (real, Vdg. z. Vorjahr in %) *) -2,6 6,6 0,9 1,6 -0,4 2,3 4,3 3,9 3,3 2,1 1,6 Inflationsrate (Vdg. zum Vorjahr in %) 1,9 3,3 2,4 2,0 1,7 0,9 0,9 2,1 2,0 1,8 1,9 Arbeitslosenquote (nationale Definition) 6,9 6,7 7,0 7,6 8,4 9,1 9,1 8,5 7,7 7,3 7,3 Beschäftigung (Vdg. zum Vorjahr in %) **) 0,8 1,9 1,4 0,6 0,7 1,0 1,6 2,0 2,5 1,6 0,7 Öff. Haushaltssaldo (in % des BIP) ***) -4,4 -2,6 -2,2 -2,0 -2,7 -1,0 -1,6 -0,8 -0,3 0,1 0,2 Öffentliche Verschuldung (in % des BIP) 82,7 82,4 81,9 81,3 84,0 84,8 83,0 78,3 74,9 72,2 69,7 *) Bruttoanlageinvestitionen **) ohne Karenzgeldbezieher, Präsenzdiener und Schulungen ***) eigene Schätzung Quelle: UniCredit Research »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 183 / 01. 04. 2019 Wirtschaft 77 Dez.98 1,9 2,5 Dez.99 4,9 4,0 Dez.00 2,8 4,0 Dez.01 0,5 1,8 Dez.02 0,8 2,6 Dez.03 1,7 2,1 Dez.04 2,7 2,7 Dez.05 2,9 2,2 Dez.06 3,7 3,8 Dez.07 2,7 3,2 Dez.08 -0,7 -1,3 Dez.09 -0,7 0,3 Dez.10 2,6 2,8 Dez.11 0,8 0,4 Dez.12 1,0 0,1 Dez.13 0,9 1,2 Mär.14 0,8 1,2 Jun.14 0,9 1,1 Sep.14 0,5 0,1 Dez.14 0,4 0,2 Mär.15 0,8 0,5 Jun.15 0,5 0,5 Sep.15 1,4 0,5 Dez.15 1,1 0,7 Mär.16 1,7 0,6 Jun.16 1,4 1,1 Sep.16 1,3 1,2 Dez.16 1,6 2,2 Mär.17 2,5 2,7 Jun.17 2,2 3,3 Sep.17 2,5 3,9 Dez.17 2,4 4,5 Mär.18 3,6 4,0 Jun.18 2,7 3,6 Sep.18 2,2 3,6 Dez.18 2,4 2,9 Jän.19 2,6 Feb.19 2,5 Quelle: UniCredit Research BIP real Veränderung zum Vorjahr Bank Austria Konjunktur- Indikator schaft zu Beginn 2019 ihren Wachstumskurs fortsetzen können. Allerdings wird der BIP- Anstieg erstmals seit 2,5 Jahren in einem Quartal weniger als 2 Prozent im Jahresvergleich betragen“, meint Bruckbauer. Auch wenn sich bis Mitte 2019 die vorhandenen Unsicherheiten zumindest zum Teil entspannen dürften, wird der Anstieg des BIP 2019 deutlich niedriger als im Vorjahr ausfallen. „Wir erwarten im Gesamtjahr 2019 einen Rückgang des Wirtschaftswachstums auf zumindest 1,6 Prozent nach starken 2,7 Prozent im Vorjahr. 2020 kommen mit der weiteren Verlangsamung der Dynamik in China und einer voraussichtlich spürbaren Ab - schwä chung der Konjunktur in den USA noch zwei belastende Faktoren hinzu, sodaß eine weitere Verringerung der Konjunkturdynamik im Raum steht“, so Bruckbauer und ergänzt, „allerdings sind vor allem für 2019 die Risiken eines schwächer als von uns er - warteten Wachstums größer als die einer po - sitiven Überraschung.“ Verbesserungstrend am Arbeitsmarkt geht 2019 zu Ende Die schwächere Konjunktur wird die po - sitive Entwicklung am österreichischen Ar - beitsmarkt im Verlauf des Jahres 2019 nach Einschätzung der Ökonomen der UniCredit Bank Austria beenden. „Ab Mitte 2019 wird die Arbeitslosigkeit in Österreich voraussichtlich nicht mehr sinken. Aufgrund des auch wetterbedingt guten Starts ins Jahr wird die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2019 mit 7,3 Prozent jedoch erneut den Vorjahreswert spürbar unterschreiten. Für 2020 ist allerdings keine weitere Verbesserung mehr zu erwarten“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Höhere Inflation als im Euroraum führte bisher zu keinem Wettbewerbsverlust In diesem Konjunkturumfeld wird die In - flation in Österreich sowohl 2019 als auch 2020 unter der Marke von 2 Prozent liegen. „Der geringere Ölpreis wird die Inflation entlasten. Zudem bleibt der nachfragebedingte Preisdruck nach oben 2019/20 überschaubar. Allerdings wird die steigende Lohndynamik und die kräftige Inlandsnachfrage die Teuerung vor allem im Dienstleistungssektor soweit ankurbeln, daß die Inflation 2019 mit 1,8 Prozent und 2020 mit 1,9 Prozent erneut spürbar über den Vergleichswerten im Euroraum liegen wird“, erwartet Pudschedl. Seit dem Jahr 2008 hat sich mittlerweile ein kumulierter Inflationsaufschlag von rund 5,5 Prozentpunkten gegenüber dem Euroraum ergeben. Für die Annahme einer sinkenden Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Exportwirtschaft durch die vergleichsweise höhere Inflation ergeben sich dennoch bisher keine Anhaltspunkte. Der österreichische Marktanteil (Warenausfuhren in Prozent der Wareneinfuhren) im Euroraum ist seit 2008 weitgehend unverändert bei 4,4 Prozent. Die Nettoexporte (Warenausfuhren minus Wareneinfuhren) in Relation zur Wirtschaftsleistung weisen zwar ein Passivum auf. Der Saldo hat sich jedoch seit 2008 sogar um einen Prozentpunkt verbessert. Fiskalische Impulse zur richtigen Zeit Mit der Reduzierung der Arbeitslosenbeiträge von Geringverdienern Mitte 2018 und der Einführung des Familienbonus Plus zu Beginn 2019 hat die österreichische Regierung Maßnahmen gesetzt, die über die Stärkung der Binnennachfrage der nachlassenden Wachstumsunterstützung durch den Außenhandel entgegenwirken. Sollte die schwache Konjunktur im Euroraum anhalten, könnten fiskalische Maßnahmen auf europäischer Ebene notwendig werden. Aufgrund der bevorstehenden Wahlen zum Europaparlament sind die Chancen einer raschen Umsetzung koordinierter Konjunkturimpulse jedoch begrenzt. „Um zeitnah wieder ein günstigeres Wachstumsumfeld für die europäische Wirtschaft zu schaffen, besteht nach unserer Einschätzung je - doch eine geringere Dringlichkeit für fiskalische Konjunkturimpulse, als vielmehr für Maß nahmen zur Überwindung der bestehenden Verunsicherungen durch den Brexit so - wie der protektionistischen US-Handelspolitik“, meint Pudschedl. Insbesondere ist hinsichtlich der im Raum stehenden US-Zölle für die Autoindustrie eine rasche Lösung voranzutreiben. Normalisierung der Geldpolitik nicht in Sicht Angesichts der spürbaren Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und der sinkenden Inflationserwartungen im Euroraum sind von der Europäischen Zentralbank nach der Beendigung des Wertpapierkaufprogramms Ende 2018 vorerst keine weiteren Normali - sie rungsschritte in der Geldpolitik zu erwarten. „Im aktuellen Konjunkturumfeld sind Anhebungen der Leitzinsen in weite Ferne gerückt und auch nicht sinnvoll. Wir erwarten bis Ende 2020 keine Veränderung der aktuellen Zinssätze“, meint Bruckbauer und ergänzt: „Die kürzlich angekündigte neue Rei - he von vierteljährlichen gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTROs) werden zur Refinanzierung der auslaufenden Langfristkredite und damit zur Begrenzung möglicher negativer Auswirkungen auf die Kreditdynamik im Euroraum beitragen, wenn auch die zweijährige Laufzeit von September 2019 bis März 2021 möglicherweise et - was kurz bemessen ist.“ Die auslaufenden Langfristkredite aus den Jahren 2016 und 2017 liefen über vier Jahre. n »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

Österreich Journal

Ausgabe 181
Ausgabe 182
Ausgabe 183
Ausgabe_184
Ausgabe 185
Ausgabe 186
Ausgabe 187
Ausgabe 188

Österreich Journal

Ausgabe 171
Ausgabe 172
Ausgabe 173
Ausgabe 174
Ausgabe 175
Ausgabe 176
Ausgabe 177
Ausgabe 178
Ausgabe 179
Ausgabe 180

Österreich Journal

Ausgabe 161
Ausgabe 162
Ausgabe 163
Ausgabe 164
Ausgabe 165
Ausgabe 166
Ausgabe 167
Ausgabe 168
Ausgabe 169
Ausgabe 170
Arik Brauer