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Ausgabe 183

Das "Österreich Journal" zum Durchblättern - die gewohnten vier verschiedenen pdf-Varianten zum Download finden Sie hier: http://www.oesterreichjournal.at/Ausgaben/index_183.htm

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 183 / 01. 04. 2019 Naomi Dahabani, die aus einer jemenitischjüdischen Familie stammt. Naomis Vater war indirekt mit Österreich verbunden. Er kutschierte 1898 niemand geringeren als Theodor Herzl bei dessen Besuch in Palästina durch das Land. Die Tradition, aus der seine Frau stammt, die farblichen Eindrücke, die sinnlichen Erfahrungen der Natur finden sich unmittelbar in Arik Brauers Malerei wieder. Der Transfer des Lebensmittelpunkts nach Paris beschert nicht nur neue Impressionen, sondern auch den künstlerischen Durchbruch und eine wesentliche Veränderung: zwei Töchter, Timna und Talia, werden geboren, später in Wien die dritte Tochter Ruth, eine Familie entsteht. Und all diese Erlebnisse fließen in Arik Brauers Bilder ein. Seine Bilder erzählen Geschichten, die sich im Betrachten und durch den Betrachter verändern. Besucht man Arik Brauer, steht ständig ein neu geschaffenes Bild auf seiner Staffelei. Bewundernde Worte tut er mit der Bemerkung ab, daß das Bild ja noch längst nicht fertig sei. Während der Besucher be - reits völlig im Bann der Geschichte steht, die er auf dem Bild sieht, kommen im Lauf we - niger Stunden noch viele weitere Geschichten hinzu. Brauer könne ewig voranmalen, meinte Ernst Fuchs, immerwährend könnten in einem Bild neue Bilder entstehen, die neue Geschichten hervorbringen und die Fan - tasie des Betrachters beflügeln. Wie seine Bilder sind auch Arik Brauers Gesang und Musik voll von Geschichten, von Erlebtem, das ihn geprägt hat. Als Sänger im Wiener Dialekt und Mitbegründer des Austropop erklimmt er in den 1970er- Jahren die Spitze der Hitparade. Der ungeahnte Erfolg wird ihm jedoch unheimlich. Er dreht diese Karriere mit Gewalt ab, wie er selbst sagt, und das, obwohl seine Platten in jedem ös - terreichischen Haushalt zu finden sind. 3) 3) Arik Brauer. Schieß nicht auf die blaue Blume!, Ausstellungskatalog, Kunst Haus Wien (11.9.2003–8.1.2004), Wien 2003, 20. © Arik Brauer / Foto: Sebastian Gansrigler Kultur Arik Brauer, Mein Vater im Winter, 1983/1984 Das Malen bleibt zentrales Element seines Lebens. Er gestaltet Bühnenbilder für die Wiener Staatsoper oder die Opéra Garnier in Paris und pendelt zwischen Wien und Israel, wo er in Ein-Hod bei Haifa aus einer Ruine ein paradiesisches Haus zaubert. Im Jüdischen Museum Wien wurde Arik Brauer bisher zweimal ausgestellt: 2006 in einer Ausstellung gemeinsam mit dem Frühwerk von Ernst Fuchs und Friedensreich Hun dertwasser. 2014 zeigte das Jüdische Mu - seum Wien unter dem Titel „Le dor va dor“ 106 die neuen Brauer-Illustrationen der Haggada. Es entstanden 24 Bilder, die die Ge - schichte des Auszugs der Juden aus Ägypten darstellen. Zu diesem neuen Zyklus an Kunstwerken (Arik Brauers zweite Haggada- Illustration) hatte ihn unser gemeinsamer Freund Erwin Javor überredet. Sein Verhältnis zu Arik Brauer skizziert Javor in unserer Publikation vortrefflich, ich danke ihm für diesen Beitrag und für seine uneingeschränkte Unterstützung. Otto Ressler hat auf Wunsch Arik Brauers über das malerische © Jüdisches Museum Wien / Foto: Fuhrer, Wien Arik Brauer, Alle meine Künste, Wandfries aus Keramik, 2013 »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 183 / 01. 04. 2019 Kultur 107 © Arik Brauer / Foto: Sebastian Gansrigler Werk geschrieben, ihm ist zu danken, ebenso Direktorin Angelika Fitz vom Architekturzentrum Wien, die sich mit dem Thema Architektur und Natur bei Arik Brauer auseinandergesetzt hat, und Rainer Krispel, der über Arik Brauer und die Musik schreibt. Über all diese Themen habe ich mit Arik Brauer ein langes Interview geführt, das wir mit unwesentlichen Kürzungen den Katalog zur Ausstellung aufgenommen haben. Die Schau zeigt nicht nur sein künstlerisches Schaffen, von der Malerei, Keramik, Musik, Tanz, Bühnenbild bis zur Architektur, sondern verweist auf die enge Verknüpfung von Arik Brauers Werk mit Wien, Israel und mit dem Judentum per se. © Privatbesitz Arik Brauer Arik Brauer an der Akademie der bildenden Künste Wien, ca. 1950 »Sie hab´n a Haus baut« Bis heute verblüfft Arik Brauer mit der ungebrochenen Aktualität seiner Forderungen nach einer grünen Stadt. Bereits in den 1970er-Jahren spricht er von grünen Fassaden und tritt für die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs ein. Anfang der 1990er realisiert er erstmalig ein Haus nicht für sich selbst, wie dies etwa bei den privaten Häusern in Wien und Israel geschehen ist. Die mit Keramikbildern reich geschmükkte und plastisch bewegte Straßenfassade des Hauses in der Gumpendorferstraße sticht heraus und im Hof gibt es einen Rodelhügel und ein Biotop. Im Geschoßwohnbau läßt er den Garten mit begrünten Dachgärten und Terrassen in die Vertikale wachsen. Neben den Pflanzen werden auch Tiere Teil des Wohnbaus: es gibt einen Kleintierzoo und Aquarien in der Eingangshalle. Auf kritische Stimmen, daß nur Architekten Architektur schaffen können, kontert Brauer „Jeder Mensch sollte sich mit Architektur beschäftigen. /…/ Wir leben mit Architektur, wir genießen und erleiden Architektur. Also zu sagen, das geht nur die Architekten was an, finde ich unsinnig.“ Ausstellungsdaten „Arik Brauer. Alle meine Künste“ ist von 3. April bis 20. Oktober 2019 im Jüdischen Museum Wien, einem Museum der Wien Holding, zu sehen. Zur Ausstellung, die von Arik Brauer, Fisch, Spinnerin, Vogel, Bronzeplastiken zum Fernsehspiel „Alles was Flügel hat fliegt.“ »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Danielle Spera und Daniela Pscheiden kuratiert und von Fuhrer, Wien gestaltet wurde, erscheint ein Katalog zum Preis von 29,95 € im Amalthea Verlag. n http://www.arikbrauer.at/ Das Museum 1895 wurde in Wien das erste jüdische Museum gegründet, es war das erste weltweit. Der Trägerverein setzte sich aus einer Gruppe Wiener jüdischer Bürger zusammen. Die Sammlung konzentrierte sich auf die Kultur und Geschichte der Juden in der ös - terreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, insbesondere auf Wien und Galizien. In der Sammlung der Zwischenkriegszeit spiegelte sich anhand zionistischer Objekte zudem die neue politische Diskussion dieser Zeit wider. Das Museum wurde direkt nach dem „An - schluß“ von den Nationalsozialisten 1938 ge - schlossen. Im letzten Jahr seines Bestehens waren 6474 Objekte in das Inventarbuch eingetragen. 1939 wurde der Bestand dem Mu - seum für Völkerkunde und anderen Wiener Institutionen übertragen. Das Jüdische Museum Wien präsentiert seit 2013 die permanente Ausstellung „Unsere Stadt! Jüdisches Wien bis heute“. http://www.jmw.at/

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