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Ausgabe 195

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Magazin mit Berichten von der Politik bis zur Kultur: sechs Mal jährlich mit bis zu 145 Seiten Österreich. 15.487 pdf-Downloads im November 2020 auf http://oesterreichjournal.at/

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 195 / 29. 10. 2020 Kultur 134 Judentum werden einige Aspekte seines privaten, aber auch seines öffentlichen Lebens in Wien erzählt. Breiten Raum nehmen die Themen Flucht und Exil ein: Hier vermitteln die erhaltenen Dokumente einen erschütternden Einblick in die Lebensrealität des alternden jüdischen Schriftstellers, dessen komplette bisherige Existenz mit einem Schlag vernichtet war, und der sich mit 70 Jahren da mit konfrontiert sah, ein neues Leben im Schweizer Exil beginnen zu müssen. Die frühen Jahre Felix Salten wurde am 6. September 1869 in Budapest als Siegmund Salzmann geboren, genannt Zsiga. Sein Vater, der Ingenieur Philipp Salzmann, und seine Mutter Marie, geb. Singer, übersiedelten im folgenden Jahr mit ihren sechs Kindern nach Wien, wo bald noch ein weiteres geboren wurde. Nach der Volksschule in Hernals besuchte Felix Salten das Wasa-Gymnasium im 9. Bezirk. Infolge eines Streits mit einem Lehrer ging er verfrüht von der Schule ab, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. 1888 erschienen seine ersten literarischen Texte, zwei Jahre später trat er eine Stelle bei der Allgemeinen Kunst-Chronik an, wo er Literaturkritiken verfaßte. Während der folgenden Jahre mußte er seine journalistische Existenz durch verschiedene Brotberufe – wie die Arbeit als Polizzenschreiber in einem Versicherungsbüro – absichern. 1894 bis 1902 schrieb er für die Wiener Allgemeine Zeitung, danach für Die Zeit. Seine Texte er - schienen unter verschiedenen Pseudonymen, 1911 ließ er seinen Namen offiziell in Felix Salten ändern. © Wienbibliothek im Rathaus Felix Salten mit Arthur Schnitzler, um 1910 (Ausschnitt) Familie Nach mehreren Liebesaffären, aus denen auch Kinder hervorgingen, heiratete Felix Salten 1902 die Schauspielerin Ottilie Metzl (1868 – 1942) in der Synagoge am Alsergrund. Sie war von 1891 bis 1899 Ensemblemitglied des Burgtheaters und wechselte da - nach ans Raimundtheater. Die beiden kannten sich zumindest seit 1896: Nachdem Karl Kraus Ende Dezember Saltens Verhältnis mit Ottilie öffentlich gemacht hatte, verpaßte Salten ihm dafür im Café Griensteidl zwei Ohrfeigen in Gegenwart der versammelten Jung-Wiener Literaten. 1903 wurde der gemeinsame Sohn Paul ge boren, der ab den 1920er-Jahren als Buchhalter und später als Regieassistent und Cutter beim Film arbeitete. Er starb 1937 unerwartet an den Spätfolgen eines Autounfalls. Tochter Anna Katharina (1904 – 1977) be - suchte die Kunstgewerbeschule, ging dann aber wie ihre Mutter zum Theater. Sie war in erster Ehe mit dem Schweizer Schauspieler Hans Rehmann verheiratet, der 1939 verstarb. 1944 ehelichte sie den Anwalt und Zionisten Veit Wyler. © Wienbibliothek im Rathaus Felix Salten, Taschenkalendereinträge zu Hitlers Einmarsch im März 1938 Wien Felix Salten wohnte in Wien schon mit seinen Eltern, danach aber auch mit seiner eigenen Familie am Alsergrund. Später lebte er für fast vier Jahrzehnte im 18. und 19. Be - zirk: In der Cottagegasse Nr. 37 mietete er 1910 ein Haus, das eigens für ihn umgebaut wurde. Seinem aufwendigen Lebensstil entsprechend, stattete Salten dieses Haus nach großbürgerlichem Vorbild mit einer großen »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 195 / 29. 10. 2020 Kultur 135 © Wienbibliothek im Rathaus Felix Salten (1.v.l.) mit Max Reinhardt (4.v.l.) bei den Proben zu „Faust“ bei den Salzburger Festspielen, 1933 Bibliothek, Antiquitäten, orientalischen Teppichen und diversen Kunstgegenständen aus. Nachdem ihm im Frühling 1938 vom Vermie - ter des Hauses gekündigt worden war, übersiedelte er mit seiner Frau im August in eine nahe gelegene Wohnung, wo die beiden bis zu ihrer Emigration am 3. März 1939 blieben. Prater Im Juni 1895 wurden einige Texte Saltens unter dem Titel „Quer durch den Wurstelprater“ in der Wiener Allgemeinen Zeitung ab - gedruckt. Unter dem Namen „Felix Netlas“ verfaßte er zwei Jahre später ein Manuskript, in dem er einerseits auf die bereits früher er - schienenen Pratertexte zurückgriff, andererseits die Geschichte des Wiener Vergnügungsparks bis zur Errichtung des Riesenrads Revue passieren ließ. Ende November 1897 trug Hermann Bahr bei einer „literarischen Conférence“ ne - ben anderen Texten aus dem Kreis der Jung- Wiener Literaten auch Saltens Praterschilderungen vor. Das Buch „Wurstelprater“, das schließlich 1911 mit 75 Schwarz-Weiß-Fotografien von Emil Mayer erschien, versammelte die gut 15 Jahre zuvor entstandenen Texte und gab so ein Bild des Praters wieder, das längst einen nostalgischen Rückblick darstellte. Technische Neuerungen der aufkommenden Vergnügungsindustrie wie etwa das Riesenrad fanden offenbar ganz bewußt keinerlei Erwähnung im Buch. Judentum Felix Salten wuchs in einer liberalen jüdischen Familie auf. Er trat Zeit seines Lebens konsequent für das Judentum ein und be - © Wienbibliothek im Rathaus schäftigte sich vielfach mit der Frage der jü - dischen Identität zwischen Assimilation und Zionismus. Theodor Herzl kannte er seit etwa 1895. Für dessen Zeitschrift Die Welt steuerte er wiederholt Texte bei. Herzls frühen Tod nahm Salten zum Anlaß für einen viel beachteten Nachruf. Über Ägypten reiste er 1924 erstmals selbst nach Palästina. Das im folgenden Jahr veröffentlichte Buch „Neue Menschen auf alter Erde“ enthält seine als Reisebericht formulierte persönliche Standortbestimmung zwischen tiefer Verehrung für die Geschichte des Judentums und der Bewunderung für »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at den Zionismus. Saltens Verbundenheit mit dem Alten Testament manifestierte sich auch in dem Roman „Simson“ (1928). 1933 veröffentlichte er einen Text in der Anthologie, „Gegen die Phrase vom jüdischen Schädling“, die in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus in Prag erschien. Reisen Als weltoffener und vielseitig interessierter Schriftsteller unternahm Felix Salten im - mer wieder private, aber auch berufsbedingte Reisen. Die jährliche Sommerfrische mit der Familie, die er zum Teil auch für Jagdausflüge nützte, führte ihn beispielsweise nach Unterach am Attersee, nach Südtirol oder in das südholländische Seebad Noordwijk, Winterurlaube verbrachte er wiederholt am Semmering. Im Sommer 1902 reiste er per Bahn und Fahrrad nach Italien, wo er, ausgerüstet mit dem Baedeker für Oberitalien, die kunsthistorisch bedeutenden Se - henswürdigkeiten in Verona, Bologna, Florenz und Venedig besuchte und seine Eindrücke in einem Reisetagebuch festhielt. Als Journalist reiste er z.B. mit dem Balkanzug 1916 nach Konstantinopel und per Schiff 1930 in die USA. Seine Begeisterung für mo - derne amerikanische Errungenschaften wie die Mechanisierung der Arbeit oder massenkulturelle Phänomene fanden in seinem Buch „Fünf Minuten Amerika“ ebenso ihren Niederschlag wie seine Kritik am dort offenen Rassismus oder den industriell organisierten Schlachthöfen. Gruppenfoto mit Buster Keaton (11.v.l.); Felix Salten (13.v.l.), USA, 1930

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