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Ausgabe 189

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Marko Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Neusohl, in der heutigen Slowakei, geboren und wuchs in der Wiener Leopoldstadt auf. Nach der Machtergreifung der Na - tionalsozialisten wurde er verhaftet, 1939 in der Tschechoslowakei eingesperrt und 1940 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Über die Konzentrationslager Neuengamme und Dachau kam er schließlich 1941 nach Buchenwald, wo er die Befreiung er - lebte. Nach der Befreiung durch die Alliierten verschlug es ihn, durch einen Zufall, nach Salzburg. Dort war er seit dem Jahr 1979 Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde. Personalia Marko Feingold † Mit dem ältesten Holocaustüberlebenden verstarb eine eindrucksvolle Symbolfigur im 107. Lebensjahr. 92 © Wikipedia / / Cc-by-sa-3.0 / Werner100359 Bundespräsident Alexander Van der Bellen Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigt sich vom Tod Marko Feingolds tief betroffen: „Marko Feingold hat vier Konzentrationslager überlebt: Auschwitz, Neuengamme, Dachau und Bu chenwald. Er war als Überlebender des Terrors des NS-Regimes ein wichtiger Zeitzeuge und hat sich dieser Aufgabe noch bis ins hohe Alter mit großem Engagement gestellt. Vor allem die Diskussion mit jungen Menschen war ihm ein besonderes Anliegen. Für die Aufklärung und das Anliegen ,Niemals wieder‘ hat er alles gegeben. Gleichzeitig hat sich Marko Foto: BKA / Dragan Tatic Am 28. Mai 2018 gratulierte der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold, zu dessen 105. Geburtstag. Feingold stets für eine positive Entwicklung unseres Landes in einem friedlichen Europa eingesetzt. Meine Gedanken sind in dieser Zeit bei seiner Familie, der ich mein tiefstes Mitgefühl aussprechen möchte“, sagt der Bundespräsident. Marko Feingold am 22. April 2015 bei einem Vortrag in der Salzburger Synagoge vor 14jährigen SchülerInnen einer Neuen Mittelschule »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka Mit Marko Feingold starb der „älteste österreichische Überlebende der Gräueltaten des Nationalsozialismus, gleichsam ein be - deutender Zeitzeuge des Holocaust“, er klärte Nationalratspräsident Wolfgang Sobot ka. Feingold war weit über die Grenzen Salzburgs und Österreichs hinaus eine Symbolfigur, der Zeit seines Lebens nicht müde wurde, seine Geschichte und Erfahrungen wei ter - zutragen und eine mahnende Stimme in und für unsere Gesellschaft zu sein. Im Kampf gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus wird Marko Feingold immer eine große Bedeutung haben. Es liegt an uns, Le - bensgeschichten wie die seine weiterzutragen, damit auch kommende Generationen ihre Lehren daraus ziehen und ihr Bewußtsein für den sensiblem Umgang mit der Geschichte geschärft wird.“ Dem Holocaustüberlebenden Marko Feingold, der heuer seinen 106. Geburtstag feierte, war es ein großes Anliegen, seine Er - fahrungen jungen Menschen zu vermitteln. Er war daher immer als Zeitzeuge aktiv, traf regelmäßig SchülerInnen und besuchte im

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Personalia 93 Jahr 2013 auch die Demokratiewerkstatt des österreichischen Parlaments. Bei der am 9. Mai 2016 stattgefundenen Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Hi storischen Sitzungssaal des Parlaments hob er im Ge spräch mit Danielle Spera, der Di rektorin des Jüdischen Museums in Wien, folgendes hervor: „Das Wichtigste im Leben ist die politische Einstellung. Das Wichtigste ist die Demokratie. Diktaturen sind immer schlecht, egal ob von links oder von rechts oder auf religiöser Basis.“ ÖVP-Obmann Sebastian Kurz „Mit Marko Feingold geht ein beeindrukkender Mann von uns, der sich als Zeitzeuge und ältester Holocaust-Überlebender stets dafür eingesetzt hat, daß wir die NS-Gräueltaten niemals vergessen“, erinnert Volkspartei-Obmann Sebastian Kurz. Feingold habe als Mahner gegen Faschismus und Antisemitismus Großartiges geleistet. „Österreich hat Marko Feingold viel zu verdanken, nicht zu letzt aufgrund seines langjährigen Einsatzes als Präsident der Israelitischen Kultusgemein de Salzburg“, so Kurz. „Ich bin zutiefst dankbar für meine Be - gegnungen und Gespräche mit Marko Feingold und es war mir eine große Ehre, seinen 105. Geburtstag im Bundeskanzleramt ge - meinsam feiern zu dürfen“, so Kurz. „Sein Humor, aber auch seine mahnenden Worte werden niemals vergessen werden und noch lange nachwirken. Das Ableben Feingolds soll uns nochmal in Erinnerung rufen, daß Österreich eine besondere Verantwortung im Umgang mit Antisemitismus und dem Ge - denken an die Grausamkeiten des Holocaust trägt“, so Kurz. „Ich werde sein Andenken auch dadurch ehren, daß seine Werte und seine menschliche Haltung mir Vorbild bleiben und meine Politik leiten werden“, schließt Kurz. SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner und der damalige SPÖ-Bun - desgeschäftsführer Thomas Drozda sind tief betroffen über das Ableben des Holocaust- Zeitzeugen Marko Feingold. „Mit Marko Feingold verliert Österreich einen bis zuletzt aktiven und engagierten Zeitzeugen und Mahner, der unschätzbar Wichtiges für unsere Demokratie und die so wichtige Erinnerungsarbeit geleistet hat.“ Marko Feingold, der vier Konzentrationslager überlebt hat, Foto: Parlamentsdirektion / Johannes Zinner Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 9. Mai 2016 im Parlament: Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, im Gespräch mit dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold „hat sich im besonderen Maße um die Aufarbeitung des Holocaust und die Demokratie verdient gemacht. Persönlichkeiten wie Mar - ko Feingold ist es zu verdanken, daß die Erinnerungen an die unfaßbaren Gräuel der Nazi-Zeit nicht verblassen, sondern weitergegeben werden, damit die nachfolgenden Generationen niemals vergessen“, betonte Rendi-Wagner. Drozda unterstrich: „Mit Mar - ko Feingold verlieren wir einen wichtigen Zeitzeugen und Kämpfer für Demokratie und Menschlichkeit, dessen unermüdlicher Ein satz gegen das Vergessen gar nicht hoch ge nug geschätzt werden kann.“ FPÖ-Obmann Norbert Hofer „Tief betroffen“ zeigte sich FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Ho fer vom Ableben des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold. „Marko Feingold hat den Nationalsozialismus als schrecklichstes Verbrechen der Menschheit erlebt und überlebt. Sein Wirken und seine Erzählungen waren beeindruckend, aber auch erschütternd und dienen uns allen als Warnung, daß sich so ein dunkles Kapitel unserer Geschichte nie mehr wiederholen darf. Mein tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und seinen Freunden“, so Hofer. NEOS-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger Mit tiefer Betroffenheit reagiert NEOS- Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger auf den Tod von Marko Feingold. „Marko Feingold hat sich sein gesamtes Leben aktiv und engagiert für jüdische Überlebende des Holocausts, in der Israelitischen Kultusgemeinde, »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at in Schulen und Gemeinden für Bildung und Aufklärung eingesetzt. Er hat über politische Grenzen hinweg das Gespräch gesucht. Heu - te ist es wichtiger denn je, sich das ins Ge - dächtnis zu rufen. Ich verneige mich in tiefem Respekt vor seinem Wirken und seiner Tatkraft und spreche seiner Familie, seinen Angehörigen, Freundinnen und Freunden mein tiefstes Beileid aus. Er wird uns und den nächsten Generationen fehlen.“ IKG Präsident Oskar Deutsch „Nicht nur die jüdischen Gemeinden Ös - terreichs, sondern ganz Österreich haben heute einen ganz besonderen Menschen verloren. Einen Lehrer, Aufklärer, Mahner und vor allem einen wunderbaren Menschen und einen Freund“, sagt IKG Präsident Oskar Deutsch. „In dieser schweren Zeit sind unsere Gedanken bei seiner Familie, vor allem seiner Frau Hanna und seiner Gemeinde. Wir werden ihn alle schmerzlich vermissen.“ Landeshauptmann Wilfried Haslauer „Er war ein Brückenbauer und Vermittler, der trotz schlimmster persönlicher Erfahrungen immer das Menschliche, das Verbindende und die Freude am Leben in den Vordergrund gerückt hat“, betonte Landeshauptmann Wilfried Haslauer anläßlich des Ablebens von Marko Feingold, dem bis zu seinem Tod ältesten Salzburger. „Mit Marko Feingold verliert Salzburg eine ungemein sympathische und positive Persönlichkeit, die bis zuletzt am gesellschaftlichen Leben in Salzburg regen Anteil genommen hat.“ n https://de.wikipedia.org/wiki/Marko_Feingold

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