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Ausgabe 189

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Wirtschaft Wirtschaftswachstum 2019 von 1,5 Prozent erwartet 82 UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator: neue Prognose 2020 auf 1,1 Prozent gesenkt, Inflation mit 1,6 bzw. 1,8 Prozent unter EZB-Ziel Die Eintrübung der Konjunkturstimmung in Österreich seit dem Höhepunkt zum Jahreswechsel 2017/18 macht seit dem Sommer 2019 eine Pause. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator liegt im September den vierten Monat in Folge bei 1,5 Punkten. Nach der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auf 1,7 Prozent im ersten Halbjahr signalisiert der Indikator, daß im dritten Quartal dieses Tempo weitgehend bei - behalten werden konnte. Die österreichische Wirtschaft setzt den moderaten Wachstumskurs von rund 1,5 Prozent im Jahresvergleich im Herbst fort“, meint UniCredit Bank Au - stria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Die Risiken einer weiteren Konjunkturverlangsamung in den kommenden Monaten haben sich durch steigende internationale Her ausforderungen jedoch erhöht. Das Ex - portumfeld der österreichischen Wirtschaft verschlechterte sich im September spürbar. „Die Stimmung in der europäischen Industrie hat sich aufgrund zunehmender Sorgen über Belastungen durch Protektionismus im globalen Handel deutlich eingetrübt. Die Kon - junktureinschätzung der heimischen In du - striebetriebe hat sich in der Folge im Septem - ber verschlechtert. Noch läuft die In lands kon - junktur gut, doch negative externe Einflüsse dämpfen unter anderem bereits den Optimis - mus der Konsumenten“, so Bruckbauer. Die Zuversicht der heimischen Konsumenten ist trotz einer hohen Lohndynamik rückläufig, da mittlerweile die Sorgen um den Arbeitsplatz wieder zunehmen. Während die exportorientierte Industrie stark un - ter der globalen Abschwächung leidet und auch die Hochkonjunktur am Bau langsam ausläuft, hat sich die Stimmung im Dienstleistungssektor nach dem Einbruch des Vormonats im September zwar wieder etwas er - holt, doch in allen Wirtschaftssektoren ist die Einschätzung deutlich ungünstiger als vor einem Jahr. BIP-Prognose 2020 auf 1,1 Prozent gesenkt Die Inlandsnachfrage wird auch in den kommenden Monaten die tragende Säule des Wirtschaftswachstums in Österreich bleiben, jedoch voraussichtlich unter der Last des Österreich Konjukturprognose Prognose 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Wirtschaftswachstum (real, Vdg. z. Vorjahr) 1,8 2,9 0,7 0,0 0,7 1,0 2,1 2,5 2,4 1,5 1,1 Industrieproduktion (real, Vdg. z. Vorjahr) 7,0 6,7 0,1 0,8 1,1 2,4 2,5 4,2 3,8 1,0 0,5 Privater Konsum (real, Vdg. z. Vorjahr in %) 1,0 1,3 0,5 -0,1 0,3 0,5 1,6 1,4 1,1 1,6 1,3 Investitionen (real, Vdg. z. Vorjahr in %) *) -2,6 6,6 0,9 1,6 -0,4 2,3 4,1 4,0 3,9 3,5 1,1 Inflationsrate (Vdg. zum Vorjahr in %) 1,9 3,3 2,4 2,0 1,7 0,9 0,9 2,1 2,0 1,6 1,8 Arbeitslosenquote (nationale Definition) 6,9 6,7 7,0 7,6 8,4 9,1 9,1 8,5 7,7 7,4 7,5 Beschäftigung (Vdg. zum Vorjahr in %) **) 0,8 1,9 1,4 0,6 0,7 1,0 1,6 2,0 2,5 1,6 0,87 Öff. Haushaltssaldo (in % des BIP) ***) -4,4 -2,6 -2,2 -2,0 -2,7 -1,0 1,0 -0,7 0,2 0,5 0,2 Öffentliche Verschuldung (in % des BIP) 82,7 82,4 81,9 81,3 84,0 84,9 82,9 78,3 74,0 71,2 69,0 *) Bruttoanlageinvestitionen **) ohne Karenzgeldbezieher, Präsenzdiener und Schulungen ***) eigene Schätzung Quelle: UniCredit Research »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Wirtschaft 83 schwächelnden globalen Umfelds an Schwung einbüßen. „Aufgrund des noch guten Starts ins Jahr erwarten wir für 2019 nunmehr ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Für 2020 haben wir unsere BIP-Prognose auf 1,1 Prozent gesenkt, denn die Schwäche der globalen Wirtschaft hält an und wird sich im kommenden Jahr voraussichtlich stärker negativ auf den Konsum und die Investitionstätigkeit in Österreich niederschlagen“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Zudem wird 2020 eine Abschwächung der US-Wirtschaft mit dem Risiko einer leichten Rezession das internationale Um - feld belasten. Damit kommt zu dem Bremsfaktor einer protektionistischen Handelspolitik, die sich durch US-Zölle auf europäische Autos noch verschärfen könnte, sowie einem möglichen ungeregelten Brexit noch ein weiterer belastender Einfluß auf die österreichische Wirtschaft hinzu. In der Folge wird sich trotz des weiterhin günstigen Finanzierungsumfelds vor allem das Investitionswachstum verlangsamen. Dabei ist mit einer deutlich stärkeren Abschwächung der Ausrüstungs- als der Bauinvestitionen zu rechnen. Der private Konsum wird sich 2020 zwar gut behaupten, aber ebenfalls weniger Schwung entfalten. Der erwartete Rückgang der Sparquote wird die geringere Lohndynamik und die Folgen der Verschlechterung der Lage am Arbeitsmarkt im kommenden Jahr nicht ganz ausgleichen können. Wende am Arbeitsmarkt Nach dem Rückgang der Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2019 auf voraussichtlich 7,4 Prozent wird sich die nachlassende Konjunktur im Jahr 2020 negativ auf den österreichischen Arbeitsmarkt nie - derschlagen. Bereits seit dem Frühjahr lässt das Beschäftigungswachstum im Jahresvergleich nach, die Anzahl an offenen Stellen verringert sich und der Rückgang der Ar - beitssuchenden bremst sich ein. „In den kom - menden Monaten wird am heimischen Ar - beitsmarkt eine Trendwende einsetzen. Erstmals seit fünf Jahren wird die Arbeitslosigkeit wieder nach oben gehen. Wir erwarten im Jahresdurchschnitt 2020 einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent“, so Pudschedl. Verursacht wird die Verschlechterung vordringlich durch die ungünstige Entwicklung in der Industrie. Inflation niedrig, aber weiter über Euroraum-Durchschnitt In den ersten neun Monaten 2019 sank die Inflation in Österreich auf durchschnittlich 1,6 Prozent im Jahresvergleich. Die Ab - schwächung der Konjunktur und der moderate Ölpreis werden die Teuerung weiterhin begrenzen. „Wir erwarten im Gesamtjahr 2019 einen Rückgang der durchschnittlichen Teuerung auf mittlerweile 1,6 Prozent, nach 2,0 Prozent im Vorjahr. Auch 2020 wird die Inflation in Österreich gedämpft durch den Ölpreis mit durchschnittlich 1,8 Prozent un - ter dem EZB-Ziel von 2 Prozent liegen“, meint Pudschedl. Die etwas höhere Dynamik der Dienstleistungspreise als Folge der soliden Entwicklung des privaten Konsums wird die Inflation in Österreich weiterhin über dem Vergleichswert im Euroraum von nur 1,2 Prozent halten. Spielraum für fiskalpolitische Maßnahmen Im Kampf gegen die niedrige Inflation hat die EZB ihren geldpolitischen Spielraum mittlerweile weit ausgeschöpft. Angesichts der weiter nachlassenden Konjunktur er - scheint der Einsatz von fiskalpolitischen Maß - nahmen im Euroraum als Ergänzung der lokkeren Geldpolitik zunehmend angemessen. In vielen Ländern des Euroraums, darunter auch Österreich, besteht dafür auch entsprechender budgetärer Spielraum. Zum einen ist für 2019 für rund die Hälfte der 19 Euroländer ein Budgetüberschuß zu erwarten. Zum anderen können sich die Länder der Eurozone durch das niedrige Zinsumfeld derzeit sehr günstig finanzieren. „Angesichts der Konjunkturentwicklung sollte die Nutzung fiskalischer Spielräume im Euroraum auf der wirtschaftspolitischen Agenda nach oben rücken. Ein steigendes BIP und steigende Budgeteinnahmen bei gleichzeitig sinkendem Zinsaufwand eröffnen fiskalische Spielräume ohne die Verschuldung zu erhöhen“, meint Bruckbauer und ergänzt: „Selbst bei einem Budgetdefizit von 2 Prozent des BIP würde Österreichs Staatsschuldenquote 2020 sinken.“ n https://www.bankaustria.at/ Öffentliche Finanzen 2018 – öffentlicher Überschuß 0,2% Im Jahr 2018 gab es laut Statistik Austria – erstmals seit 1974 – einen öffentlichen Überschuß, und zwar von 0,2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 763 Mio. Euro (2017: Defizit von 0,7 % des BIP bzw. 2,8 Mrd. Euro). Die Staatsausgaben stiegen im Vergleich zu 2017 um 3,2 % bzw. 5,8 Mrd. Eu ro, die Staatseinnahmen wuchsen um 5,2 % bzw. 9,3 Mrd. Euro. Niedriger waren am Ende des Jahres 2018 sowohl der öffentliche Schuldenstand mit 285,3 Mrd. Euro (2017: 289,8 Mrd. Euro) als auch die Schuldenquote mit 74,0 % (2017: 78,3 % des BIP). Staatseinnahmen stark gestiegen Die Staatseinnahmen 2018 (insgesamt 188,4 Mrd. Euro) stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Mrd. Euro oder 5,2 %. 87,3 % der Einnahmen stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die 2018 in Summe 164,5 Mrd. Euro betrugen (+5,2 % bzw. 8,2 Mrd. Euro). Bei den Produktions- und Importabgaben (inklusive Mehrwertsteuer) lag die Steigerungsrate 2018 bei 2,5 % bzw. 1,3 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus Einkommenund Vermögensteuern zeigten 2018 einen besonders starken Anstieg (+8,5 % bzw. 4,1 Mrd. Euro), der vor allem auf die Steigerungen bei der Lohnsteuer um 1,9 Mrd. Euro und der Körperschaftssteuer um 1,2 Mrd. Euro gegenüber 2017 zurückzuführen ist. Das Lohnsteueraufkommen 2018 (28,3 Mrd. Euro, +7,1 %) lag nur knapp unter jenem vor der Steuerreform (2015: 28,4 Mrd. Euro). Staatsausgaben nur wenig gestiegen Die Staatsausgaben (insgesamt 187,6 Mrd. Euro) stiegen im Jahr 2018 um 3,2 % oder 5,8 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr. 44,8 % der Ausgaben des Staates entfielen 2018 auf Sozialausgaben, die gegenüber »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at dem Vorjahr um 2,6 % anzogen. Förderungen hatten einen Anteil von 10,6 % an den Staatsausgaben. Ihr markanter Anstieg im Jahr 2018 (+11,3 % bzw. 2,0 Mrd. Euro) lässt sich vor allem auf die Entwicklung des Beitrags an die EU zurückführen. Die Investitionen blieben 2018 mit 11,4 Mrd. Euro auf dem Niveau von 2017. Schuldenquote fällt: 74,0 % des BIP Ende 2018 betrug der öffentliche Schuldenstand 285,3 Mrd. Euro oder 74,0 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit lag die Staatsverschuldung um 4,6 Mrd. Euro unter dem Vorjahreswert, das entspricht einem Rückgang der Schuldenquote um 4,3 Prozentpunkte. Von der Art der Verschuldung ent - fielen im Jahr 2018 1,7 Mrd. Euro auf Ein - lagen, 239,3 Mrd. Euro auf Anleihen und 44,3 Mrd. Euro auf Kredite. n http://www.statistik.at/

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