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Ausgabe 189

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Wirtschaft 80 hin. Sowohl in der Bauwirtschaft als auch im Dienstleistungsbereich ist die Stimmung hingegen weiterhin überwiegend positiv. Der private Konsum stützt aufgrund der günstigen Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Zudem liefern fiskalische Maßnahmen Impulse für die Konjunktur. Der Tiefpunkt der Wirtschaftsentwick - lung dürfte im Einklang mit dem internationalen Umfeld zu Jahresende erreicht werden. 2020 wird sich das Wachstum dann wie - der etwas stabilisieren, aber mäßig bleiben. Insgesamt wird das BIP 2019 um 1,7 % und 2020 um 1,4 % wachsen. Die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung bleibt überdurchschnittlich, geht aber etwas zurück. Die Abkühlung der Konjunktur zieht ein Ende der Arbeitsmarkterholung nach sich. 2019 dürfte die Arbeitslosenquote aufgrund der robusten Beschäftigungsentwicklung im 1. Halbjahr noch auf 7,4 % sinken. 2020 wird sie dagegen wieder geringfügig auf 7,5 % steigen. Die Verbraucherpreisinflation bleibt unter diesen Umständen gedämpft, sie dürfte 2019 +1,6 % und 2020 +1,7 % betragen. Der Finanzierungssaldo des Staates verbessert sich 2019 aufgrund der günstigen Ein - nahmenentwicklung auf 0,6 % des BIP. Im kommenden Jahr dürfte er wegen der jüngst beschlossenen fiskalischen Maßnahmen auf 0,4 % des BIP sinken. Methodische Hinweise und Kurzglossar Periodenvergleiche Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal, werden um jah - reszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Gegensatz zu den an Eurostat gelieferten und auch von Statistik Austria veröffentlichten „saison- und arbeitstägig bereinigten Veränderungen“ der vierteljährlichen BIP-Daten bereinigt das WIFO diese zusätzlich um irreguläre Schwankungen. Diese als Trend-Konjunktur-Komponente bezeichneten Werte weisen einen ruhigeren Verlauf auf und ma - chen Veränderungen des Konjunkturverlaufes besser interpretierbar. Die Formulierung „veränderte sich ge - gen über dem Vorjahr…“ beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen. Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung liefert genauere In - formationen über den aktuellen Konjunkturverlauf und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings zusätzli - chen Revisionen, da die Saisonberei- nigung auf statistischen Methoden beruht. Wachstumsüberhang Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des vorangegangenen Jahres (t 0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres (t 1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t 1 , wenn das BIP im Jahr t 1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t 0 (in saisonbereinigten Zahlen) bleibt. Durchschnittliche Veränderungsraten Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangsund Endwert der Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate 2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte jene von 2009 auf 2010. Reale und nominelle Größen Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt. Produzierender Bereich Diese Abgrenzung schließt die NACE- 2008-Abschnitte B, C und D (Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren, Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich verwendet. Inflation, VPI und HVPI Die Inflationsrate mißt die Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone – siehe http://www.statistik.at/ Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden über 87 % der im österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2015) enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der Kerninflation einbezogen. WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest Der WIFO-Konjunkturtest ist eine mo - natliche Befragung von rund 1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest http://www.konjunkturtest.at ist eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit. Die Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen. Arbeitslosenquote Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen. Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig Be - schäftigten (gemessen in Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Definition gemäß ILO und Eurostat Als arbeitslos gelten Personen, die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde selb - ständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Ar- beitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis: Um fragedaten von privaten Haushalten (Mi- krozensus). Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der Arbeitslosenquote Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler berücksichtigt. Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den „unselbständig Beschäftigten“ zäh len auch Personen in aufrechtem Dienstverhältnis, die Kinderbetreuungsgeld beziehen bzw. Präsenzdienst leisten. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der „unselbständig aktiv Beschäftigten“. n http:/www.wifo.ac.at »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Wirtschaft Wettbewerb auf österreichischem Kreditmarkt nimmt zu 81 In Österreich profitieren Unternehmen und private Haushalte weiterhin von der Konkurrenzsituation am Kreditmarkt. In einem Umfeld von hoher Liquidität senkten die Ban - ken im dritten Quartal 2019 in ihrem Werben um Kreditkunden abermals die Margen für Neukredite. Das zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum, in der führende Banken nach ihren Einschätzungen gefragt werden. Trend sinkender Margen Der bereits seit Mitte 2016 bestehende Trend sinkender Margen bei neu vergebenen Unternehmenskrediten und bei neu vergebenen Wohnbaukrediten an private Haushalte setzte sich im dritten Quartal 2019 verstärkt fort. Aktuell berichtete eine größere Anzahl an Banken von Margensenkungen als in der Umfrage für das zweite Quartal 2019. Hauptgrund für diese Entwicklung ist der anhaltende Wettbewerbsdruck auf dem Kreditmarkt. Margen sind Aufschläge auf Referenzzinssätze (wie z. B. den Euribor) und be - stimmen gemeinsam mit diesen die Höhe der Kreditzinsen. Niedrigere Margen senken die Kreditzinsen und begünstigen die Kreditkunden, drücken aber die Zinserträge der Banken. Die hierdurch günstigeren Kreditkonditionen kommen allerdings nur Kunden mit entsprechender Bonität zugute. Bei risikoreicheren Unternehmens- und Wohnbaukrediten wurden die Margen nicht gesenkt. Auch bei Konsum- und sonstigen Krediten an private Haushalte kam es zu keinen Margensenkungen. Niedrige Kreditzinsen sind der Geldpolitik des Eurosystems geschuldet Die derzeit im langfristigen Vergleich außergewöhnlich niedrigen Kreditzinsen sind allerdings der Geldpolitik des Eurosystems geschuldet, durch die sich das Zinsniveau seit 2008 deutlich nach unten verschoben hat. Die Zinsen für Neukredite an Unternehmen sowie an private Haushalte für Wohnbau sind seit Oktober 2008 um etwa Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Oktober 2019 4 Prozentpunkte gefallen. Der Referenzzinssatz Euribor, an den viele variabel verzinste Kredite gebunden sind, ist seit Februar 2016 in allen Fristigkeiten negativ. Geringere Risikotoleranz bei Privaten Restriktiver wurden die Banken hingegen bei den Kreditrichtlinien (interne Kriterien der Banken für die Kreditvergabe) für private Haushalte (Wohnbaukredite sowie Konsumkredite und sonstige Kredite). Diese wurden in den ersten drei Quartalen 2019 hauptsächlich aufgrund einer geringeren Risikotoleranz der Banken verschärft. Im Un - ternehmenskundengeschäft blieben die Kredit richtlinien schon seit 2017 weitgehend unverändert. Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten war in den Jahren 2016 bis 2018 außergewöhnlich stark. Im Verlauf des heurigen Jahres stagnierte sie im Wesentlichen. Letzteres dürfte auf den sich abschwächenden Investitionszyklus zurückzuführen sein. Wohnbau- und Konsumkredite Im Privatkundengeschäft (Wohnbaukredite sowie Konsumkredite und sonstige Kredite) hat sich die Kreditnachfrage von Ende 2017 bis Mitte 2019 kaum geändert. Die Umfrageergebnisse für das dritte Quartal 2019 und der Ausblick auf das vierte Quartal deuten aber eine moderate Belebung der Nachfrage nach Wohnbaukrediten an – un - terstützt vom anhaltend niedrigen Zinsniveau. Mittel- bis langfristige Anleihen Im dritten Quartal 2019 gab es für die befragten österreichischen Banken – wie schon in den beiden Quartalen davor – Verbesserungen bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen. Dem steht ein leichter Rückgang der langfristigen Einlagen im dritten Quartal 2019 gegenüber. Auch für das vierte Quartal 2019 wird ein weiterer Rückgang erwartet. Hinsichtlich der Auswirkungen der geldpolitischen Maßnahmen gaben die an der Umfrage beteiligten Banken an, daß das »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Wertpapierankaufprogramm des Eurosystems seit seinem Bestehen ihre Ertragslage aufgrund negativer Effekte auf die Nettozinsmargen belastet. Die Umfrageergebnisse zeigen jedoch auch positive Auswirkungen auf Liquidität und Finanzierungsbedingungen der Banken. Beeinträchtigte Ertragsentwicklung Auch der negative Einlagenzinssatz des Eurosystems beeinträchtigt die Ertragsentwicklung der Banken, da dieser gemäß den Ergebnissen der Umfrage einen anhaltenden Abwärtsdruck auf die Kreditzinsen und - margen verursacht und insbesondere die Nettozinserträge der Banken dämpft. Es bleibt anzumerken, daß die allgemeine Wirksamkeit der geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems (Ankaufprogramm, Einlagenzinssatz), die auf den Euroraum insgesamt abzielen, nicht anhand der hier präsentierten nationalen Effekte besprochen werden kann. Viermal jährliche Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit An - fang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik betreffende Themen zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 144 führende Banken aus al len Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich. Eine ausführliche Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird in Statistiken – Daten & Analysen Q4/2019 und vorab auf der OeNB-Website veröffentlicht. Dort finden sich auch weitere Informationen und Da ten zu den Österreich-Ergebnissen der Umfrage: https://www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage-ueber-das-kreditgeschaeft.html

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