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Ausgabe 189

Das "Österreich Journal" zum Durchblättern - die gewohnten vier verschiedenen pdf-Varianten zum Download finden Sie hier: http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Österreich, Europa und die Welt 6 tung und Weisheit“ für das Wohlergehen des japanischen Volkes und den „Wohlstand der Menschheit“ zu handeln. Nach der an ein avantgardistisches Theaterstück erinnernden Proklamation von Na - ruhito hielt Ministerpräsident Shinzo Abe eine kurze Glückwunschrede. Abe ließ den neuen Kaiser am Ende der knapp 30minütigen Zeremonie drei Mal mit dem Ruf „Banzai!“ hochleben. In der Früh hatte Naruhito noch bei strömendem Regen die heiligen Schreine „Kashikodokoro“, „Koreiden“ und „Shinden“ be - sucht, um den Gottheiten mitzuteilen, daß er später im Tagesverlauf seine Regentschaft verkünden wird. Naruhito hatte sein Amt am 1. Mai nach Abdankung seines Vaters Akihito übernommen. Naruhito ist damit der 126. Kaiser der offiziellen Abfolge. Daß ein an sich nach der Feier geplanter Autokorso aus Respekt vor den Opfern des Taifuns „Hagibis“, der Mitte Oktober Dutzende Tote und schwere Sachschäden an mehr als 10.000 Häusern hinterlassen hatte, abgesagt worden war, störte angesichts der Witterungsverhältnisse wenig. Die Rundfahrt in der offenen Toyota-Cabriolimousine wäre wahrscheinlich so oder so in Wasser gefallen. Für Glanz und Gloria war aber ohnedies gesorgt: In Frack, Uniform, Galakleid oder länderspezifische Trachten gewandete WürdenträgerInnen und aus rund 200 Ländern und von internationalen Organisationen nahmen an der Zeremonie teil. Darunter die Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen und Frank-Walter Steinmeier (Deutschland), Staats- und Regierungschefs aus Afrika, Asien und Lateinamerika, die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini wie auch gekrönte Häupter wie König Carl Gustaf von Schweden, Felipe von Spanien oder Großbritanniens Thronfolger Prinz Charles. Sie wurden in einem langen und aufwendigem Prozedere alle einzeln von einer wahren Heerschar an Zeremoniendienern auf ihre Plätze geführt und verfolgten den Festakt teils von einem der „Kiefernhalle“ („Matsu no ma“) gegenüberliegendem Trakt mit dem Opernglas beziehungsweise auf elegant in die hölzerne Wandverkleidung integrierten TV-Screens. Auch JournalistInnen aus aller Welt tummelten sich in dem und um den Palast. Jene, die nicht nur die Liveübertragung im Pressezentrum verfolgen durften, waren in der Früh nach einem strengen Protokoll in kleinen Gruppen Stunden vor der eigentlichen © HostPhotosThe Ceremony of the Enthronement of His Majesty the Emperor Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Gattin Doris Schmidauer und Deutschlands Bundespräsident Frank Walter Steinmeier mit Gattin Elke Büdenbender bei der Zeremonie Zeremonie in den Kaiserpalast geleitet worden. Dort wurden sie dann mit einem ausführlichen Video über das bisherige Leben und Wirken Naruhitos informiert. Und natürlich auch über seine Hobbys und Leidenschaften: Bergsteigen und klassische Musik. Naruhito ist nicht nur Fan der Wiener Sängerknaben, er greift auch gerne selbst zum Bogen, um virtuos die Viola zum Klingen zu bringen, wie in einer der Einspielungen zu sehen und hören war. »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Van der Bellen: Besuch von Naruhito und Masako in Österreich »hoffentlich noch in meiner Amtszeit« Nach der „altreligiösen, liturgischen In - thronisierung“ (O-Ton Alexander Van der Bellen) von Japans Kaiser Naruhito stand für den Bundespräsidenten am Abend noch das Bankett (Kyoen-no-gi) im kaiserlichen Pa - last auf dem Programm. Dabei werde er das Kaiserpaar nach Österreich eingeladen, verriet der Bundespräsident zuvor im Gespräch mit JournalistInnen in Tokio. Bei dem Bankett wird jeder der rund 200 Staatsgäste dem Kaiser persönlich vorgestellt. „Da werde ich die Gelegenheit haben“, sagte Van der Bellen. „Vielleicht wird es im nächsten oder übernächsten Jahr dazu kommen, hoffentlich jedenfalls noch in meiner jetzigen Amtszeit.“ Er hoffe auch, daß Kaiser Naruhito und seine Ehefrau Masako bis dahin vom höfischen Protokoll nicht „in eine andere Welt versetzt“ werden. Derzeit seien die beiden noch „sehr nahbar“. Die Beziehungen zwischen Japan und Österreich seien nicht nur wegen des aktuellen 150-Jahre-Jubiläums der Aufnahme di - plomatischer Beziehungen ganz besonders, stellte Van der Bellen fest. „Es gibt eine Verbindung über Kultur und Musik.“ Das be - treffe nicht nur den aktuellen Kaiser, der regelmäßig die Tokio-Konzerte der Wiener Sängerknaben besuche, sondern habe historische Wurzeln, kramte Van der Bellen in der Geschichte(n)-Kiste und zog eine Anekdote aus dem Jahr 1869 hervor: Nachdem die Kaiserreiche Japan und Österreich-Ungarn diplomatische Bande ge - knüpft hätten, habe Kaiser Franz Joseph einen Bösendorfer-Klavierflügel nach Japan verschiffen lassen. Dort wurden dem damaligen Kaiser dann Werke von Johann Strauß oder Felix Mendelssohn Bartholdy dargeboten, wobei dieser dem dereinst geltenden Protokoll entsprechend hinter einem Vorhang saß. Aus seinem Versteck heraus habe der Monarch aber mehrere Zugaben gefordert, erzählte ein schmunzelnder Van der Bel - len. Das sei der Beginn dieser besonderen musischen Beziehung gewesen. Ironie der Geschichte: Die Bösendorfer-Klaviermanufaktur ist seit 2008 im Besitz des japanischen Yamaha-Konzerns. Am Rande des Besuchs am kaiserlichen Hof absolvierte der Bundespräsident in der japanischen Hauptstadt auch noch bilaterale Gespräche mit den Präsidentinnen Estlands, Kersti Kaljulaid, und Georgiens, Salome Surabischwili. Dabei sei es unter anderem um die Entwicklungen in Rußland und der Ukraine gegangen. n http://www.bundespraesident.at Quellen: Präsidentschaftskanzlei, Edgar Schütz/APA

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Österreich, Europa und die Welt 5. IPU-Weltkonferenz in Wien Österreichs Parlament ist 2020 Gastgeber – Nationalratspräsident Sobotka unterzeichnet Memorandum of Understanding für das weltweite Parlamentariertreffen Das österreichische Parlament wird nächstes Jahr im August das 5. Welttreffen der Interparlamentarischen Union (IPU) ausrichten. Es werden die PräsidentInnen der Par lamente aus 178 Staaten und rund 1.200 Delegierte erwartet. Mit dem österreichischen Parlament ist damit zum ersten Mal ein na - tionales Parlament Gastgeber dieser Konferenz. Veranstaltet wird das Welttreffen in Zu - sammenarbeit mit der Interparlamentarischen Union und den Vereinten Nationen. Das gemeinsame Vorhaben wurde am 15. Oktober im Rahmen der zweimal im Jahr stattfindenden IPU-Versammlung mit einem Memorandum of Understanding zwischen Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und der Präsidentin der IPU, Gabriela Cuevas Barron, sowie dem Generalsekretär der IPU, Martin Chungong, in Belgrad besiegelt. „Als Zentren der Demokratie sowie des politischen Austauschs gewinnen Parlamente für die internationale Zusammenarbeit zu - nehmend an Bedeutung. Wir wollen Wien als Standort für den parlamentarischen Dialog positionieren und die Brückenfunktion Österreichs in der Welt unterstreichen“, so Nationalratspräsident Sobotka. Die Bekämpfung von Extremismus und Antisemitismus aber auch den Klimawandel sieht der Nationalratspräsident dabei als zentrale Themenschwerpunkte für die Weltkonferenz in Wien. „Attentate wie das jüngste vor einer Synagoge im deutschen Halle sind eine Attacke auf uns alle und unsere demokratischen Werte. Aus diesem Grund sehe ich insbesondere Parlamente in der Pflicht, um gegen Extremismus, Antisemitismus und Intoleranz vorzugehen“, betonte Sobotka in seinem Statement vor der IPU-Versammlung in Belgrad. Sammlung von Best-Practice- Projekten zur Demokratiebildung Auch das Thema Demokratiebildung will der Nationalratspräsident mit den übrigen 178 IPU-Mitgliedsländern bei der Weltkonferenz in Wien behandeln. „Unser aller Ziel muß es sein, die Parlamente für BürgerInnen weiter zu öffnen und die Demokratisierung der Gesellschaft voranzutreiben“, so Sobotkas weiterer Appell an seine AmtskollegInnen. Um einen gegenseitigen Austausch zu Fotos: Parlamentsdirektion / Johannes Zinner Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und IPU-Generalsekretär Martin Chungong unterzeichnen das Memorandum of Understanding für die 5. IPU-Weltkonferenz 2020 in Wien. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka mit IPU-Präsidentin Gabriela Cuevas Barron ermöglichen und voneinander lernen zu können, schlägt der Nationalratspräsident vor, unter der Schirmherrschaft der IPU eine weltweite Sammlung von Best-Practice-Projekten zur Demokratiebildung zu erarbeiten. Die IPU-Weltkonferenz fand im Jahr 2000 zum ersten Mal statt – die ParlamentspräsidentInnen haben sich dreimal am UNO- Hauptsitz in New York (2000, 2005 und 2015) sowie einmal am zweiten UNO-Sitz Genf (2010) getroffen. Fixiert werden die Konferenzthemen für die 5. Weltkonferenz im No - »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at vember in einem Vorbereitungstreffen in Genf. Die weltweite ParlamentarierInnenorganisation für Völkerzusammenarbeit und Frie den feiert heuer ihr 130jähriges Be ste - hen. Sie vereint 179 nationale Parlamente aus der ganzen Welt und arbeitet eng mit den Vereinten Nationen zusammen. n https://www.parlament.gv.at/ https://de.wikipedia.org/wiki/Interparlamentarische_Union Quelle: Parlamentskorrrespondenz 7

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