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Ausgabe 189

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Österreich, Europa und die Welt Transparenz und Sicherheit für Eiffelturm-BesucherInnen 38 Dietmar Feichtinger Architectes gewinnen internationalen Wettbewerb zur Verstärkung der Schutzmaßnahmen des Pariser Wahrzeichens. Den internationalen Wettbewerb zur Verstärkung der Schutzmaßnahmen rund um den Eiffelturm mit dem Ziel die Aufenthaltsqualität der BesucherInnen nicht zu be - einträchtigen, an dem nur eine Handvoll ausgewählte Architekten teilnahmen, konnten Dietmar Feichtinger Architectes Paris/Wien für sich verbuchen. Die Attentate des islamischen Staates im Stade de France 2015 und am Nationalfeiertag 2016 in Nizza veranlaßten die französischen Behörden ihre Sicherheitspolitik an stark frequentierten Orten zu verstärken. Men schen sollen sich angstfrei und ungehindert frei bewegen können und sicher fühlen. Die Ideen des renommierten Architektenbüros bestachen durch ihre Klarheit, Strukturierung der Besucherströme, und die Schaf - fung einer besseren Übersichtlichkeit für die Sicherheitskräfte. Zwei über 200 Meter lange und 3 Meter hohe Wände aus schußsicherem Hochsicherheitsglas lassen die wichtige städtebauliche Blickachse von der Ecole Militaire bis zum Palais de Trocadéro weiterhin wirksam bleiben, die Umleitung der Besucherströme sorgt für freiere Sicht. Fixe Poller als Aufprallschutz an den Rändern der Gehsteige des stark befahrenen Quai Branly und der Avenue Gustave Eiffel schützen vor Amokfahrten. Als geschlossener Bereich im Inneren kann nun der revitalisierte mit Zäunen aus Cortenstahl stimmig eingefaßte Landschaftsgarten der Weltausstellung in Paris wieder bewundert und ge - nossen werden. Sieben Millionen BesucherInnen pro Jahr können nun entspannt das exakt 324,82 Meter hohe Wahrzeichen be - sichtigen – und den Park genießen. Die Glasscheiben der neuen Mauer sind insgesamt 72 Millimeter dick und bestehen aus sechs Schichten. Um sie möglichst leicht und transparent erscheinen zu lassen, sind sie aus hochtransparentem Glas und freitragend ausgebildet im Boden eingespannt. Die einzelnen Stöße benachbarter Scheiben sind mit glatten Nirostaprofilen abgedeckt, an de - nen auch die Beleuchtung – ein schlichter Quader aus Edelstahl, der bündig mit dem Foto: DFA | Dietmar Feichtinger Architectes / David Bourau Die Glasscheiben der neuen Mauer sind insgesamt 72 Millimeter dick und bestehen aus sechs Schichten. »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Profil ist – und die Überwachungskameras montiert sind. Die Gläser selbst ragen über diese Steher hinaus, wodurch die Wand noch filigraner wirkt und das unbeobachtete Überklettern verhindert. Sie besticht durch ihr unauffälliges De - sign und ist lärmabweisend. Bei der Gestaltung der Zugänge zum Eiffelturm durch den romantischen historischen Landschaftsgarten wandten Dietmar Feichtiger Architectes eine ähnliche Denkweise an, wie bereits bei der Neugestaltung der Brücke zum Mont Saint Michel. Sie betrachteten die Gesamtsituation und strebten danach, sie dem früheren, originalen Zustand anzunähern. In der Normandie wurde mit der Brükke auf zarten Stützen die Verlandung des Mont Saint Michel aufgehalten und rückgängig gemacht. Im Fall des Eiffelturms nutzen Dietmar Feichtinger Architectes die Notwendigkeit, einen klar abgegrenzten, überwachten Be - reich um den Eiffelturm zu schaffen, um den historischen Garten der Weltausstellung wieder zu neuem Leben zu erwecken und in die Planung miteinzubeziehen. Wesentlich bei der Gestaltung der Schutzmaßnahmen war, sowohl die große, städtebauliche Achse zwischen dem Palais de Trocadéro und der Ecole Militaire in ihren Blickverbindungen

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Österreich, Europa und die Welt 39 wirksam zu belassen, als auch die kleinmaßstäblichen Sichtbezüge im romantischen Park wieder zu reaktivieren. Die Zugänge zum Eiffelturm wurden neu organisiert Man betritt das Areal des romantischen Landschaftsgartens, der von den Schweizer Landschaftsarchitekten Vogt behutsam wieder hergestellt und stilgetreu neu gestaltet wurde, im Nahbereich der Avenue Eiffel an den schmalen Flanken des Parks: Sechs ne - beneinander liegende, ebenso transparente Eingangsschleusen aus Glas mit filigranen Glasdächern, an denen je zwei Sicherheitskräfte die Eiffelturm-Besucher kontrollieren, sorgen trotz großen Andrangs für ein zügiges Fortkommen. Ausgeführt sind auch diese Zu gangsschleusen aus Glas, das von einer filigranen Stahlstruktur getragen wird. Sie sind im Nahbereich der romantischen Seen positioniert, die von einem Zaun aus Cortenstahl eingefaßt sind. Sein ovaler Verlauf reagiert ebenso wie Ausführung und Ent - wurf auf das organische Wesen des Parks, seine historischen Wegführung und die Be - sonderheit des Ortes: Die Cortenstahl-Elemente des Zauns sind 324 cm hoch – und damit genau ein Hundertstel des Eiffelturms. Auch ihre Form lehnt sich an der Silhouette des Turms an: Dieser Zaun ist an der Basis breiter und stabiler, läuft nach oben hin – ähnlich dem Eiffelturm – auf ein verbindendes Profil zusammen. Dieses in zwei Meter breiten Stücken vorgefertigte schwer bekletterbare Zaunelement wirkt wie eine Papierfaltung, referiert auf den Eiffelturm, harmoniert mit der umgebenden Pflanzenwelt. Im unteren Bereich ist dieser Zaun, der an ein Foto: DFA | Dietmar Feichtinger Architectes Architekt Dietmar Feichtinger Weidengeflecht erinnert, durch ein dichtes Metallgewebe verstärkt. Auch er ist auf Strei - fenfundamenten befestigt, dezent beleuchtet und überwacht. In diesen ovalen Bogen des Zauns sind auch die Ausgänge integriert: Runde Drehtüren aus Glas, von Glasdächern vor Witterung geschützt. Wer zum Eiffelturm will, muß jetzt ein Stück durch den Park gehen. Ein Spazierweg, der auf die Be - gegnung mit dem Eiffelturm einstimmt. Alle Maßnahmen, die der Sicherung und dem Abschluß dienen, sind rückbaubar. In vier Jahren werden sich Stadtsenat und Polizei erneut der Frage stellen, ob dieser kontrollierte Bereich notwendig ist. Weitere Fakten und Informationen über den Eiffelturm Der Eiffelturm ist eines der bedeutendsten Wahrzeichen von Paris und eines der meistbesuchten Wahrzeichen der Welt. Der von Gustave Eiffel erbaute und 324,82 Me - ter hohe Turm wurde 1889 eröffnet und diente ursprünglich als Aussichtsturm und monumentales Eingangsportal der zweiten Pariser Weltausstellung, die zum 100-Jahr- Jubiläum der französischen Revolution veranstaltet wurde. Städtebaulich effektvoll ist das Wahrzeichen von Paris in einer weit wahrnehmbaren Sichtachse positioniert: am linken Ufer der Seine am Champ de Mars in einer städtebaulichen Achse mit der Pont D‘Iena und dem Palais du Trocadéro am anderen Ufer und der École Militaire im Südosten. Unmittelbar im Nordwesten des Eiffelturms verläuft an der Seine der stark befahrene Quai Branly, im Südosten quert die Avenue Gustave Eiffel das Gelände. Der Eiffelturm symbolisiert die französischen Grundwerte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Gustave Eiffel war ein erfahrener Brückenbauer, der Turm wurde ebenso wie sonst Brücken aus genietetem Schmiedeeisen errichtet. Insgesamt verarbeitete man 7.300 Tonnen Stahl, viele der 18.038 Einzelteile sind vorproduziert. Der Eiffelturm war also in vielerlei Hinsicht fortschrittlich, vi - sionär und bei seiner Eröffnung das höchste Bauwerk der Welt. Seit 1964 ist er als Monument Historique denkmalgeschützt, 1986 nahm die American Society of Civil Engineers den Eiffelturm in die Liste der historischen Meilensteine der Ingenieursbaukunst auf. Mit rund sieben Mil lionen zahlenden BesucherInnen pro Jahr zählt er zu den meistbesuchten Wahrzeichen der Welt. n http://www.feichtingerarchitectes.com/ https://de.wikipedia.org/wiki/Eiffelturm Foto: DFA | Dietmar Feichtinger Architectes / David Bourau Die Cortenstahl-Elemente des Zauns sind 324 cm hoch – und damit genau ein Hundertstel des Eiffelturms. »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

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