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Ausgabe 189

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Österreich, Europa und die Welt 22 Jahr 1945 als „aktiver Gegenentwurf zum Nationalsozialismus“ begründet. Dieser Auf - trag werde auch heute noch wahrgenommen. So wird beispielsweise derzeit die Ausstellung „Wert des Lebens“ im Lern- und Ge - denkort Schloß Hartheim aus Mitteln des Lan des Oberösterreich neu gestaltet. Die Er - öffnung soll im Frühjahr 2020 erfolgen. Eindrückliche Worte Die Gedenkrede hielt anschließend der Rektor der Johannes Kepler Universität Univ.-Prof. Meinhard Lukas. In eindrück - lichen Worten erinnerte er an die Zeit, in der Menschen, die von der gesellschaftlichen Norm abwichen nur mehr als Kostenfaktoren betrachtet wurden. Ihnen wurden die Würde und das Recht auf das Leben abgesprochen. Die anhaltende aktuelle Relevanz dieser hi - storischen Ereignisse zeigte Lukas anhand persönlicher und familiärer Bezüge zu den Themen Behinderung und Krankheit auf. Er wandte sich gegen eine „bequeme Nie-wieder-Rhetorik“ und betonte: „Wer sich nur im historischen Frame des Nationalsozialismus bewegt und sich redegewandt davon distanziert, mag sich die undankbare Auseinandersetzung mit den sozialen Wunden der Ge - genwart ersparen.“ Der Rektor stellte auch die Frage „wie Landsleute, wie Vorfahren an diesem Ort zu Massenmördern, Beitragstätern, Ermöglichern oder Wegsehern, also schlicht zu Unmenschen wurden. Wie konnte sich auf ihrem Gewissen, ja ihrer Seele eine Hornhaut aufbauen, an der das schlimmste Leid abprallte, obwohl sie zugleich liebevolle Familienväter, gefühlvolle Freunde und gläubige Kirchgänger waren? Schlummert dieser Dämon auch in uns, in unserer Gesellschaft?“ Um ein Lernen aus der Geschichte ernst zu nehmen solle man auf die „winzig kleinen und weniger kleinen Schritte, die heute getan werden“ achten, auf die zunehmende Verrohung der Sprache im Miteinander und im politischen Diskurs. Haß im Netz, das Infragestellen von Menschenrechten auch durch Politiker und Angriffe auf die Menschenwürde bestimmter Gruppen seien ak - tuelle Bedrohungen unserer Demokratie und Verfassung. Zum Abschluß stellte Lukas fest, „daß unser Umgang mit den schutzbedürftigen Menschen etwas darüber aussagt, was wir selbst als Menschen sind.“ Foto: Land OÖ / Mayrhofer Foto: Land OÖ / Mayrhofer Landeshauptmann Thomas Stelzer die Bedeutung des Ge denkens an die Verbrechen und ihre Opfer in Hartheim. Die Gedenkrede hielt der Rektor der Johannes Kepler Universität Univ.-Prof. Meinhard Lukas. Gebete und Kranzniederlegung Im Anschluß wurden auf dem Friedhof der Opfer, der sich auf der Ostseite des Schlosses befindet, von Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche Gebete gesprochen. Darauf folgte die Kranzniederlegung. Die diplomatischen Vertreter aus 18 verschiedenen Ländern, die Kränze am Grabmal niederlegten, zeigten auf eindrucks - volle Weise den Stellenwert Hartheims als europäischer Erinnerungsort. Für die musikalische Gestaltung der Gedenkfeier sorgte die Gruppe „Chor singa. inklusives singen“ des Instituts Hartheim. Die Gruppe umfaßt Menschen mit und ohne Be - hinderungen, die gemeinsam singen und mu - sizieren. Zum Ort und seiner Geschichte In Schloß Hartheim in Alkoven (OÖ) war von 1940 bis 1944 eine NS-Euthanasieanstalt untergebracht, in der nahezu 30.000 Men - »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at schen ermordet wurden. Sie waren teils Be - wohnerInnen von Heil- und Pflegeanstalten sowie Betreuungseinrichtungen, teils arbeits - unfähige KZ-Häftlinge aus den Lagern Mauthausen, Gusen, Dachau und Ravensbrück sowie ZwangsarbeiterInnen. 1995 wurde der Verein Schloß Hartheim gegründet, dessen Ziel es war, dort einen an - gemessenen Ort der Erinnerung, des Gedenkens und der gesellschaftlichen Auseinan - dersetzung zu schaffen. Im Jahr 2003 wurde aus Mitteln des Landes OÖ und des Bundes mit der Gedenkstätte und der Ausstellung „Wert des Lebens“ der Lern- und Gedenkort Schloß Hartheim errichtet. n http://www.schloss-hartheim.at/ http://www.land-oberoesterreich.gv.at/

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Österreich, Europa und die Welt Libanon: OÖ unterstützt Diakonie Mutter-Kind-Gesundheitsprojekt der Diakonie in der Bekaa-Ebene – Landeshauptmann Stelzer: »Verantwortung gegenüber benachteiligten Regionen wahrnehmen« 23 Foto: Land OÖ / Doris Stinglmayr Die Projektmitarbeiterinnen berichteten dem Landeshauptmann über die aktuelle Situation im Libanon und im Speziellen über das Projekt selbst (v.l.): Pressila Derjany (Projektverantwortliche für das Mutter-Kind-Gesundheitsprojekt), Ruba Khoury (Leiterin von IOCC Libanon), Landeshauptmann Thomas Stelzer, Nina Hechenberger (Leitung Diakonie Austria), Teresa Mayr (Projektreferentin Diakonie Katastrophenhilfe Wien) und Nicole Bachinger-Thaller (Diakoniewerk Gallneukirchen) Seit Ausbruch des Konflikts in Syrien vor acht Jahren leben allein im Libanon mehr als 1,1 Millionen syrische Flüchtlinge – bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 6 Millionen Menschen. Ein Großteil von ihnen hat sich nahe der syrischen Grenze auf der Bekaa Hochebene niedergelassen, davon sind etwa 70 Prozent der Flüchtlinge Frauen und Kinder. Mit der Unterstützung des Landes Oberösterreich kann ein Programm zur Begleitung und Betreuung von schwangeren Frauen, Müttern und Kleinkindern in Zu - sam menarbeit mit dem lokalen Partner der Diakonie „International Orthodox Christian Charities (IOCC)“ ausgebaut werden. „Mit diesem Beitrag wollen wir zur Be - kämpfung der Armut und Verbesserung der Situation vor Ort beitragen. Das Land OÖ engagiert sich seit über 50 Jahren in der in - ternationalen Entwicklungszusammenarbeit: Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber benachteiligten Ländern und Gesellschaften bewußt und werden dieses Engagement auch in Zukunft fortführen“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer über die Un - terstützung des Projekts. Seit dem Beginn der Entwicklungszusammenarbeit in Oberösterreich stiegen die Entwicklungshilfsmittel kontinuierlich von 21.300 Euro im Jahr 1965 auf aktuell 2,1 Millionen Euro im Jahr 2018 an, das Projekt in der Bekaa-Ebene wird mit 20.000 Euro unterstützt. Der Verein International Orthodox Christian Charities (IOCC) ist seit 2001 im Libanon tätig und implementiert Projekte der Ent - wicklungszusammenarbeit sowie der Humanitären Hilfe. Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt den Verein IOCC bereits langfristig, der im Gesundheitsbereich eng mit dem libanesischen Gesundheitsministerium zu sammenarbeitet. Gesundheitliche Versorgung von Müttern und Kleinkindern besondere Herausforderung Durch den enormen Anstieg der Flüchtlingszahlen hat sich die Gesundheitsversorgung in der Region stark verschlechtert. Vor allem Kinder unter fünf Jahren leiden vermehrt unter Mangelernährung und brauchen intensive Betreuung. Mit der Unterstützung des Projekts „Mutter-Kind-Gesundheit in der Bekaa-Ebene“ versucht das Land Oberösterreich diesem Problem entgegenzuwirken. Mitarbeiterinnen der Diakonie-Partner sind in den Krankenstationen und Krankenhäusern aktiv und beraten werdende Mütter und Frauen mit Neugeborenen, damit sie von klein auf mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden und erhalten einen verbesserten Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung. Das Projekt trägt außerdem zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) Nr. 3 „Gesundheit und Wohlergehen“ und des Zieles Nr. 5 „Geschlechtergleichheit“ für nachhaltige Entwicklung bei. Es zielt auf ein gesteigertes psychisches und »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at physisches Wohlbefinden von Schwangeren, Stillenden und Müttern mit Kleinkindern, sowie auf die Stärkung der Kapazitäten im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit ab. Lange Tradition der Entwicklungszusammenarbeit beim Land OÖ „Entwicklungszusammenarbeit war dem Land Oberösterreich immer ein großes An - liegen. Daß es uns in Oberösterreich so gut geht ist nicht selbstverständlich, es ist daher unser Auftrag, den anderen, die nicht dieses Glück hatten, vor Ort zu helfen“, so der Landeshauptmann zum Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit. 50 Jahre Diakonie Katastrophenhilfe Das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen ist im Sozial- und Gesundheitsbereich in Österreich sowie im Ausland ak - tiv. Das Diakoniewerk ist Mitglied der Diakonie Österreich, dem Dachverband diakonischer Einrichtungen, und einer der fünf großen Wohlfahrtsverbände in Österreich. En gagement in Auslandsprojekten ist dem Diakoniewerk schon seit langem ein großes Anliegen. ln diesem Projekt arbeitet das Diakoniewerk Gallneukirchen mit der Diakonie Austria (Abteilung Diakonie Katastrophenhilfe) zusammen, die schon lange Projekte zur Frauenförderung im Nahen Osten (Libanon, Jordanien, Israel/Palästina) umsetzt. n https://www.land-oberoesterreich.gv.at/ https://www.diakoniewerk.at/

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