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Ausgabe 189

Das "Österreich Journal" zum Durchblättern - die gewohnten vier verschiedenen pdf-Varianten zum Download finden Sie hier: http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Kultur 106 im kunsthistorischen Kanon stärker zu positionieren.“ Die Ausstellung beleuchtet das kreative Schaffen Paalens von seinen Anfängen als surrealistischer Künstler bis hin zu seiner schriftstellerischen Tätigkeit: seine frühe in - ternationale Berühmtheit als Maler im Kreise der Pariser Surrealisten, sein Umzug nach Mexiko auf Einladung von Frida Kahlo und seine Bedeutung als Herausgeber der einflußreichen Kunstzeitschrift „DYN“. Der in Berlin lebende Kunsthistoriker und Kurator Andreas Neufert setzte sich in den vergangenen Jahrzehnten intensiv mit Wolfgang Paalen auseinander und veröffentlichte 2015 eine eindrucksvolle, fast 700 Seiten umfassende Biografie zum Künstler. Von ihm stammt das kuratorische Konzept zur Schau im Unteren Belvedere. Andreas Neufert: „Paalen ist nicht nur ein lange totgeschwiegener Surrealist und als Einflußgeber einer der letzten großen Lükken in der Forschung um die europäischamerikanische Moderne. Zum Wegbereiter wurde er nicht zuletzt auch aufgrund seines engen Bezugs zur skeptisch-mystischen Tradition der Wiener Moderne, ihrem sprachkritischen Unterzug. Im geistigen Umfeld eines Wittgenstein, eines Musil, ist er der einzige Wiener Intellektuelle dieser Denkrichtung, der sich mit Leidenschaft auf das Abenteuer der modernen Malerei eingelassen hat. Eine echte Entdeckung.“ Zum Künstler Wolfgang Paalen stammte aus großbürgerlichem Milieu, sein Vater war erfolgreicher Erfinder und Firmengründer, seine Mut - © Privatsammlung / Private collection, courtesy of Malingue S. A. © Foto: Jens Ziehe, Berlin © Succession Wolfgang Paalen et Eva Sulzer oben: Wolfgang Paalen, „Paysage totémique“, 1938, Privatsammlung Paris links: „Fumage“, 1938 Kerzenrauch auf Papier 40,4 × 56,5 cm, Privatsammlung, Berlin ter kam aus einer angesehenen Unternehmers- und Kaufmannsdynastie. Sehr bald ver - ließ die Familie Wien – ab 1909 führte Paalens Lebensweg zu vielen weiteren Stationen wie Schlesien, Berlin, Paris, Mexiko und diversen Städten in den USA. Paalens künstlerische Sozialisierung fand zunächst in Berlin und München und danach in Paris und Südfrankreich statt. 1935 wurde der damals 30jährige von André Breton in die Gruppe der Pariser Surrealisten aufgenommen. Sein originärer Beitrag zu dieser Kunstrichtung waren insbesondere die sogenannten Fumage-Bilder: »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 189 / 31. 10. 2019 Kultur 107 etablierte sich Paalen als Autorität in der An - thropologie, ein Thema, das zu dieser Zeit auch junge Malerinnen und Maler in New York interessierte. Inspiriert durch die Totem - kunst Alaskas und der Nordwestküste Amerikas, zugleich angeregt von den neuesten Erkenntnissen der Quantenphysik, verabschiedete sich Paalen endgültig von surrealistischen Bildinhalten und entwickelte eine neuartige abstrakte Formensprache. Bereits 1945 zeigte er diese Werke unter anderem in Peggy Guggenheims Galerie Art of this Century und erregte damit Aufsehen. Trotz seiner zunehmenden Verwurzelung in Mexiko hielt Paalen stets Kontakt zur USamerikanischen Kunstszene. Insbesondere auf den gerade im Entstehen begriffenen ab - strakten Expressionismus übte er als Kunsttheoretiker großen Einfluß aus. In der von ihm von 1942 bis 1944 herausgegebenen Kunstzeitschrift „DYN“ behandelte er Themen, die in Künstlerkreisen heftig diskutiert wurden. Wenig bekannt sind Paalens Gedichte, Kurzgeschichten und Theaterstücke. In seinen letzten Lebensjahren litt der Künstler als Folge einer bipolaren Bewußtseinsstörung zunehmend an Depressionen. 1959 nahm sich Wolfgang Paalen das Leben. © Belvedere, Wien oben: Wolfgang Paalen, „El Velorio“, 1946 rechts: Austellungsansicht Mit tels Kerzenrauch malte er auf die leere Leinwand, Holz oder Papier halluzinatorische Motive, die er teils mit Ölfarbe assoziativ fortsetzte, teils auch für sich stehen ließ. 1938 konzipierte er gemeinsam mit Marcel Duchamp, Man Ray und Salvador Dalí die bahnbrechende Exposition internationale du Surréalisme in der Pariser Galerie des Beaux-Arts und war für deren spektakuläre Gestaltung mitverantwortlich. Ein Jahr später übersiedelte er nach Me - xiko. Eine Ausstellung seiner großen Fumagen in New York machte ihn 1940 schlagartig bekannt. Als leidenschaftlicher Sammler von Kunstwerken der indigenen Völker Amerikas und von präkolumbianischen Artefakten Foto: Belvedere, Wien / Johannes Stoll Zur Ausstellung Diese erste umfassende Einzelausstellung zu Wolfgang Paalen zeigt im Unteren Belvedere Leihgaben aus der ganzen Welt, von namhaften Institutionen wie aus Privatbesitz. Sie präsentiert eine in diesem Umfang noch nie gezeigte Gruppe von Fumage- und Spaciales-Bildern, ergänzt durch zahlreiche biografische Fotos, Briefe sowie eine umfassende Dokumentation der Zeitschrift „DYN“. Auch Paalens langjähriges Sammeln und Er - forschen indigener Kunst Britisch-Kolumbiens und Mexikos sowie sein schriftstellerisches Werk, das Gedichte, Kurzgeschichten, Theaterstücke und kunsttheoretische Texte umfaßt, erscheinen in der Ausstellung als Aspekte seines komplexen Wirkens. n https://www.belvedere.at https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Paalen »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

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