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Ausgabe 186

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 186 / 01. 07. 2019 Kultur 114 Foto: Universalmuseum Joanneum / N. Lackner torraum und hängenden Stoffbahnen, formiert sich zu flexiblen Wänden, deren vi - suelle Muster aus verschiedenen Phasen des bald vier Jahrzehnte währenden Schaffens von Kogler den Raum strukturieren und gleichzeitig visuell zum Fließen bringen. Das hypnotische Ballet mécanique Im Zentrum der Präsentation im Space02 steht die Reflexion des wegweisenden und revolutionären Ballet mécanique. Das bis heute nachhallende Werk, das als erste surrealistisch-dadaistisch geplante Verbindung zwischen Filmmontage und mechanisierter Musik zwischen den Künstlern Fernand Léger als Bildkompositeur, Dudley Murphy als Kameramann und George Antheil als Komponist Anfang der 1920er-Jahre geplant war, wollte in den Worten von Antheil „dem (heutigen) Zeitalter sowohl die Schönheit wie auch die Gefahr seiner unbewußten me - chanischen Philosophie und Ästhetik klarmachen.“ Der Effekt des Stückes ist hypnotisch: schnellste, mechanisch präzise Rhythmen wechseln sich mit Attacken auf die Tasten des Instrumentes und furchterregender Stille ab. Winfried Ritsch, der seit vielen Jahren als experimenteller Klangkünstler und Automateninstrumentenbauer installative Ar - beiten für den öffentlichen und den Museums - raum macht, zeigt in seiner ausschließlich maschinell gespielten Neuinterpretation der Partitur wie exemplarisch sein Vorgehen für eine Verankerung des Stückes vor Ort und in der Architektur des Hauses selbst ist. Für die Peter Kogler, Ohne Titel, Courtesy Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum Foto: Universalmuseum Joanneum / N. Lackner Nach der Ausstellungseröffnung am 27. Juni (v.l.): die kaufmännische Direktorin des Universalmuseum Joanneum Alexia Getzinger, der Künstler Peter Kogler, Kuratorin Katrin Bucher Trantow, Kulturstadtrat Günter Riegler, Kunsthausleiterin Barbara Steiner und die Abgeordnete zum Steirisch Landtag Sandra Holasek »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Umsetzung der Neuinterpretation unterstützen Winfried Ritsch das Atelier Algorythmics und Studierende der Kunstuniversität Graz. Eintauchen in Architektur, Struktur, Bild und Sound Im oberen Geschoß (Space01) setzt sich das vernetzte Denken in der Gestalt eines im - mersiven Illusionsraumes fort: Ein dynamisches Liniengeflecht Peter Koglers versetzt dort mit rauschhaftem Sound von Franz Po - massl die bestehende Gitterstruktur der Architektur in hypnotische und spürbare Be - wegung. Entlang von Parallelen in Koglers analytischem Medienschaffen und wegweisenden Ereignissen und Bildfindungen der Avantgarde – wie dem prägenden Film Ballet mécanique von Fernand Léger und Dudley Murphy – entsteht ein verzweigtes Netz von künstlerischen Experimenten in der Auseinandersetzung mit dem reproduzierbaren Bild. Das dadaistische Ballet mécanique, das in Wien bei Friedrich Kiesler auf dessen berühmter Raumbühne 1924 uraufgeführt wur de, führt über zu Kieslers correalistischen Bühnenideen und Légers Ziel einer Synthese der Künste zugunsten einer neuen Gesellschaft, das er mit Kunstschaffenden wie Char - lotte Perriand teilt. Entlang einer grundsätzlichen Beschäftigung mit neuen Techniken und technologischen Entwicklungen formt- Connected Mediengeschichte nach, die in Österreich tief verwurzelt ist. Die Ausstellung ist damit zugleich im Sinne einer Abwick - lung von Mustern, Strukturen und Bildmon-

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 186 / 01. 07. 2019 Kultur 115 Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI, Dist. RMN-Grand Palais - © Jacques Faujour, © Bildrecht Wien, 2019 tagen im Raum als künstlerisches Projekt wie auch als Einbettung von Koglers Schaffen in eine allgemeine Kunst- und Mediengeschichte zu lesen, in der dem Menschen eine zentrale Rolle zukommt. Eine Ausstellung als Netz, als Abbild des Denkprozesses, als Spiegel einer alltägli chen algorithmischen Suche nach Markern im Internet – oder eben als Gehirnstruktur aus Synapsen, Neuronensträngen und Botenstoffen: „Connected. Peter Kogler with…“ läßt sich als Geflecht erleben, in dem das bewegte Publikum zum wesentlichen Teil der fließenden Struktur wird. Als Bezugssystem legt es sich in den dreidimensionalen Kunstraum der Maschinenarchitektur des Kunsthauses, formt sich über historische, konzeptuelle, inhaltliche und gestalterische Kriterien und legt dabei im Sinne von Deleuze und Guattari den Fokus auf ein maschinisches Denken der Beziehungen. Das Kunsthaus Graz: Ein »Friendly Alien« „Auf ins Unbekannte!“ ist auf einer der ersten Skizzen für das Kunsthaus Graz zu lesen. Nach über fünfzehn Jahren Ausstellungsbetrieb ist der „Friendly Alien“ mehr als nur gelandet – er hat sich längst als inter- Bild links: Fernand Léger, „Deux papillons jaunes sur une échelle“, 1951,Courtesy Musée national Fernand Léger, Biot. Schenkung der Lutèce Foundation, 1978 Bild unten: „Connected. Peter Kogler with ...“, Ausstellungsansicht, 2019 Foto: Universalmuseum Joanneum / »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

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