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Ausgabe 186

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 186 / 01. 07. 2019 Religion und Kirche Dialog der Religionen Wolfgang Sobotka sieht Kampf gegen Antisemitismus als demokratischen Grundkonsens – Nationalratspräsident und Prof. Armin Lange rufen Religionsgemeinschaften zu gemeinsamem Auftreten gegen Judenhaß auf Der Kampf gegen den Antisemitismus muß demokratischer Grundkonsens wer den“, betonte Wolfgang Sobotka am 24. Juni beim Dialog der Religionen vor VertreterInnen der in Österreich anerkannten Kir chen und Religionsgemeinschaften im Par lament. Der Nationalratspräsident appellierte dabei an alle Religionsgemeinschaften, gemeinsam gegen Judenhaß aufzutreten und für Toleranz und Öffnung einzustehen. Religionen sollten ihre Gläubigen gegen Judenhaß immunisieren, bekräftigte auch Professor Armin Lange, der in seinem Impulsreferat die Religionsgemeinschaften aufrief, antisemitische Stereotypen und Symbole aus dem kulturellen und religiösen Gedächtnis zu verbannen. Sobotka ruft Religionsgemeinschaften zum Dialog auf „In einer modernen und demokratischen Gesellschaft ist der Dialog zwischen den Re - ligionsgemeinschaften von entscheidender Be deutung, um den gesellschaftlichen Zu - sam menhalt zu erhalten und zu stärken“, steht für Sobotka fest. In einem demokratischen Staat müsse es unterschiedliche An - sichten zu verschiedenen Themen geben. Wichtig sei es deshalb, die Bereitschaft zum Dialog zu erhalten und dadurch ein friedliches Zusammenleben zu sichern. Der Nationalratspräsident zeigte sich in seinen Begrüßungsworten besorgt über nach wie vor bestehenden Antisemitismus in der Gesellschaft und meinte, der Kampf gegen den Antisemitismus sei ein europäisches The - ma, wobei Österreich aufgrund seiner Ge - schichte eine besondere Verantwortung tra - ge. Der Kampf gegen den Antisemitismus müsse auch dem Parlament ein großes Anliegen sein, unterstrich er und stellte klar, jeder Angriff gegen jüdische MitbürgerInnen sei auch ein Angriff auf ÖsterreicherInnen. Foto: Parlamentsdirektion / Thomas Jantzen Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka vor Religionsvertretern beim Dialog der Religionen Lange fordert Religionen zum Kampf gegen antisemitische Stereotypen und Symbole auf Antisemitismus sei in seiner Irrationalität ein quasi-religiöses Phänomen, gab Armin Lange zu bedenken. Der Professor für Judaistik an der Universität Wien erinnerte in diesem Zusammenhang an antisemitische Symbole und Stereotypen, aber auch an die Ritualmordverleumdungen, die zu Haß und Ge - walt führen. Als symptomatisch nannte er dabei den Fall Robert Bowers, der sein an jüdischen Gläubigen in einer US-Synagoge begangenes Massaker mit dem Hinweis auf jüdische Ritualmorde legitimierte. Antisemitische religiöse Symbole seien Bestandteile der kulturellen und religiösen Gedächtnisse der westlich-christlichen und islamischen Welten und würden von Antisemiten abgerufen werden, um die Wirklichkeit haßgeleitet zu interpretieren, betonte Lange. Den Religionsgemeinschaften komme daher eine zentrale Rolle in der Bekämpfung des Antisemitismus zu, haben sie doch über einen sehr langen Zeitraum zur Tradierung antisemitischer Stereotypen beigetragen. Religionen sollten nach Meinung Langes ihre Gläubigen gegen Judenhass immunisieren und ihnen gemeinsame positive Erfahrungen mit Juden ermöglichen. An die Stelle antisemitischer Stereotypen sollten Traditionen treten, die den Respekt vor den Andersgläubigen lehren und das Judentum als die Mutter der abrahamitischen Religionen ernst nehmen, plädiert Lange überdies. Sowohl »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Foto: Parlamentsdirektion / Thomas Jantzen Armin Lange, Professor für Judaistik an der Universität Wien 106 das Christentum als auch der Islam seien Re - ligionen der Liebe, erinnerte Lange und schloss mit dem Aufruf: „Bemühen Sie sich, daß diese Liebe auch gegenüber den Andersgläubigen den Haß verdrängt!“ n https://www.parlament.gv.at Quelle: Parlamentskorrespondenz

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 186 / 01. 07. 2019 Wissenschaft & Technik Zelluläre Müllentsorgung Damit Zellen ihre Funktion erfüllen und gesund bleiben, müssen laufend neue Proteine gebildet sowie alte und fehlerhafte Proteine entfernt werden. Defekte in diesen Prozessen können zu Erkrankungen wie Krebs oder Neurodegeneration führen. Ein Team um den Zellbiologen David Teis vom Biozentrum der Medizin Uni Innsbruck konnte nun einen neuen Protein-Abbau-Weg identifizieren, der zudem auch eine essentielle Funktion im intrazellulären Lipidstoffwechsel erfüllt. Das neue Wissen lässt potentielle Therapie-Ansätze für den gezielten Abbau von Proteinen erwarten. Zellen müssen ihren intrazellulären Ab - fall entsorgen und recyclen. Damit wird verhindert, daß sich Proteine ansammeln und Schaden anrichten. Zellen bedienen sich da - für eines ausgeklügelten Müll-Managements, das bestimmte Gruppen von Proteinen in un - terschiedliche Proteinabbau Systeme einschleust. Für den gezielten Abbau von Membran-Proteinen waren bisher zwei Entsorgungswege bekannt: ERAD (ER-assoziierte Proteindegradation) und der ‚multivesicular body‘ (MVB) Weg, der vom Proteinkomplex ESCRT (‚endosomal sorting complexes required for transport’) gesteuert wird. „Sind diese Abbauprozesse aufgrund einer Fehlfunktion gestört, kann das zu schwerwiegenden Erkrankungen von Krebs bis Neurodegeneration führen“, weiß Zellbiologe David Teis, der mit seinem Team an der Sektion für Zellbiologie des Innsbrucker Biozentrum seit vielen Jahren zum Zellstoffwechsel forscht und die Funktion des ESCRT-Komplexes bereits maßgeblich aufklären konnte. Regieübernahme bei der zellulären Müllentsorgung Im Rahmen eines FWF-geförderten Projekts und in Zusammenarbeit mit einem in - ternationalen Team von WissenschafterInnen der ETH Zürich, der Universität Osnabrück und dem Research Institute of Molecular Pathology, IMP, in Wien stellte sich Erst - autor Oliver Schmidt aus dem Innsbrucker Biozentrum nun die Frage, ob tatsächlich alle Protein-Abbauwege in Zellen bekannt sind oder nicht. Mit Bäckerhefe, einem Modellorganismus, in dem diese hoch konservierten Abbau-Wege ebenso zu finden sind wie in Innsbrucker Zellbiologen entdecken neuen Protein-Abbau-Weg mit unerwarteter Funktion Foto: MUI / Heidegger Die Zellbiologen (v.l.) Oliver Schmidt, David Teis, Michael Widerin und Yannick Weyer. humanen Zellen, entdeckte das Team tatsächlich einen neuen Abbau-Weg. „Durch die Ausschaltung des ESCRT-Systems konnten wir mit genetischen Screens erkennen, daß ein weiterer Mechanismus – EGAD (Endosome und Golgi-assozierte Degradation) – eine zentrale Rolle im Müllmanagement übernimmt“, so Schmidt. Der EGAD- Prozeß benutzt eine molekulare Maschine, die unter anderem Membran-Proteine aufspürt, die verwaist sind und nicht auf den richtigen Organellen sitzen. Sind diese verwaisten Proteine einmal erkannt, sorgt EGAD dafür, daß sie für den Abbau markiert und aus der Membran der Organellen herausgelöst werden. Erst in dieser Form können sie vom Proteasom, einem zellulären Müllzerkleinerer, abgebaut werden. Überraschende Rolle im zellulären Lipidstoffwechsel Unter den Proteinen, die über den EGAD- Pfad abgebaut werden, fanden sich auch vie - le, die im Fettstoffwechsel der Zelle eine Rolle spielen. „Unsere Experimente zeigen, daß zu wenig Sphingolipide produziert werden, wenn der EGAD-Weg nicht funktioniert“, erklärt Teis. Sphingolipide sind spezielle Fettmoleküle und einer der Hauptbestandteile in der Membran tierischer Zellen. Ein Mangel an Sphingolipiden führt zu einer falschen Zusammensetzung der Membranen »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at 107 und damit zu schweren Membran-Defekten. Die Zellen regeln die Produktion von Sphingolipiden über die Orm-Proteine. „Orm2, ein Substrat des EGAD-Wegs, das wir im Hefe- Modell gefunden haben, kommt auch in hu - manen Zellen vor und wird mit der Entstehung chronisch entzündlicher Erkrankungen in Verbindung gebracht“, so Schmidt, der sich vor diesem Hintergrund in weiteren Un - tersuchungen auf den Einfluß des EGAD- Pfades im Rahmen des Fettstoffwechsels fo - kussieren will. Der EGAD-Pfad könnte sich als vielversprechende Angriffsfläche für neue therapeutische Ansätze erweisen. „Unsere Ergebnisse dürften für künftige biotechnologische Innovationen, also für die Entwicklung von Medikamenten relevant sein, mit denen Proteine gezielt abgebaut werden sollen. Damit könnte es gelingen, die schädliche Akkumulation von Proteinen zu korrigieren und die Behandlung von damit verbunden Erkrankungen zu ermöglichen “, schließt Teis. Die Entdeckungen der Innsbrucker Zellbiologen wurden in der renommierten Fachzeitschrift The EMBO Journal publiziert. n https://www.i-med.ac.at/ Forschungsarbeit: Endosome and Golgi‐associated degradation (EGAD) of membrane proteins regulates sphingolipid metabolism. Oliver Schmidt et al. The EMBO Journal (2019) e101433 https://doi.org/10.15252/embj.2018101433

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