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Ausgabe_184

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ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 184 / 06. 05. 2019 »Burgenland Journal« 300 Jahre gesammelt – in 3 Tagen entwendet 78 Neue Sonderausstellung auf Burg Forchtenstein von 3. April bis 31. Oktober 2019 Foto: Esterhazy / Gergely Csigó Die neue Ausstellung in der Burg Forchtenstein präsentiert die Schätze der ge - schichtsträchtigen Familie Esterházy und die Geschehnisse von vor 100 Jahren. Im Rahmen der Ausstellung, die zeitlich mit dem 100. Jahrestag der Räterepublik in Ungarn verknüpft ist, wird auch jenes gesellschaftliche Milieu veranschaulicht, in dem nicht nur Land, Fabriken und Kleinbetriebe verstaatlicht, sondern den rechtmäßigen Eigentümern auch enorm viele Kunstschätze entwendet wurden. Deutlich wird auch, daß der in der Burg Forchtenstein ausgestellte Teil der Sammlung eine Einheit mit den in Ungarn befindlichen Teilen des Forchtensteiner Schatzes bildet. Die würdige Präsentation und die Erforschbarkeit dieses Ensembles von Kunstgegenständen wird sowohl von den Kunsthistorikern als auch von der Esterházy Privatstiftung (Organisator der Ausstellung) für äußerst wichtig gehalten. Den überlieferten Quellen zufolge beträgt die Anzahl jener Kunstgegenstände – unter anderem Porzellan, Möbel, Goldschmiedearbeiten, Schmuckgegenstände, Waffen, Go - Ein Blick in die neue Sonderausstellung auf Burg Forchtenstein https://www.burgenland.at belins, Spitzenstoffe und Teppiche – die den rechtmäßigen Eigentümern durch den Revolutionären Regierungsrat im Rahmen der sog. „Sozialisierung“ entwendet wurden, etwa 6000 bis 7000. Dies begann gleich am nächsten Tag nach dem Ausrufen der Räterepublik vor 100 Jahren, d. h. am 22. März 1919. Die am 3. April eröffnete Ausstellung will in erster Linie an den 1. April 1919 erinnern: An diesem Tag erschienen die Mitglieder des Direktoriums der Räterepublik aus Sopron und dem Komitat Sopron in der Burg Forchtenstein, um die dort seit Jahrhunderten in einer Einheit bewahrten Kunstschätze zu konfiszieren, d.h. diese nach der damals gebräuchlichen offiziellen Bezeichnung zu „sozialisieren.“ Die aus Hunderten von Kunstgegenständen bestehende Kunstsammlung von un - schätzbarem Wert – es handelt sich überwiegend um Gegenstände aus Gold, mit Edelsteinen verzierte Schmuckstücke und Textilien – ist bis heute nicht in die Burg zurück - gekehrt. Die aus 280 Stück bestehenden, nach Budapest gebrachten und die stürmischen Zeiten des 20. Jahrhunderts überlebenden Teile werden heute an verschiedenen Orten aufbewahrt; ihre Präsentation vor der breiten Öffentlichkeit und ihre Erforschbarkeit durch Wissenschaftler ist nicht, oder nur in sehr beschränktem Maße gewährleistet. Die Ausstellung erläutert die Epoche der Räterepublik anhand von Fotos und Infografiken, stellt die Praxis der „Sozialisation“, der Konfiszierung der privaten Kunstgegenstände vor, aber auch zahlreiche bedeutende und bekannte Objekte der als Forchtensteiner Schatz bezeichneten Sammlung sind hier zu sehen. Der gewaltsamen, nach bolschewistischem Schema durchgeführten Enteignung wird durch die Zurschaustellung jener kunstvoll gestalteten, millimetergenau auf das einzelne Kunstobjekt zugeschnittenen Be hälter gedacht, welche – nach der Verschleppung der Kunstschätze unter militärischem Geleit – in der Burg verblieben sind. Die zu den seit 100 Jahren leerstehenden Behältern gehörenden, aus Forchtenstein verschleppten Kunstobjekte werden in der Ausstellung in digitaler Form präsentiert.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 184 / 06. 05. 2019 »Burgenland Journal« 79 Bei der feierlichen Eröffnung erklärte Ste - fan Ottrubay, Vorstandsmitglied der Esterhazy Privatstiftung: „Die Schatzkammer der Burg Forchtenstein wurde zurecht Kunstund Wunderkammer genannt, es war ja das in den vergangenen Jahrhunderten gesammelte und aufbewahrte, einzigartige Ensemble von Kunstschätzen der historischen Fa - milie Esterházy hier verwahrt. Doch genau vor hundert Jahren wurde ein bedeutender Teil der Kunstschätze aufgrund der Entscheidung der Anführer der Ungarischen Rä - terepublik – wie das auch mit anderen Schätzen des Hochadels passiert war – unter militärischem Zwang enteignet und mit einer Es - korte nach Budapest gebracht, ohne dem Willen des damaligen Eigentümers, Paul von Esterházy IV, jegliche Achtung zu schenken. Seither signalisieren die auf die Objekte der Sammlung zugeschnittenen, maßgeschneiderten, aber unterdessen leer gewordenen Be - hälter und Lederetuis der Gegenstände das Fehlen der verschleppten Kunstgegenstände und demonstrieren die Zerrissenheit der Kunstsammlung.“ Bei der Eröffnung der Ausstellung machte Kunst- und Kulturhistoriker Hannes Etzls - torfer darauf aufmerksam, wie außergewöhnlich es in der Kulturgeschichte Europas sei, daß die Teile einer Kunstsammlung von Magnaten eine solch geschlossene Einheit bildeten und diese einheitliche Sammlung Jahrhunderte lang erhalten bliebe. Neben ihrer Größenordnung und den außerordentlich wertvollen Einzelstücken sei es eben diese Einheit, die diese Sammlung so bedeutungsvoll mache. Eben deshalb zeige sich ein besonderes Interesse an der Präsentation dieses Ensembles von Kunstgegenständen seitens der renommierten internationalen Ausstellungsstätten von New York bis Moskau, von Dresden bis London. Kunsthistorikerin Erika Kiss, leitende Mu - seologin des Ungarischen Nationalmuseums meinte, es bestünde in Fachkreisen Konsens darüber, daß die Kunstschätze, die von der Familie Esterházy gesammelt wurden, innerhalb des ungarischen Kulturerbes einen einzigartigen Stellenwert aufzeigen würden; diese befänden sich zwar in Ungarn, ihre Präsentation und ihre Erforschbarkeit seien jedoch nicht gewährleistet. Verschiedene un - garische Kunsthistoriker hätten sich ausgesprochen den Gegenständen aus dem Forchtensteiner Schatz gewidmet, man könne aber bei weitem nicht behaupten, daß diese Forschungen abgeschlossen werden könnten, oder die ungarische Kunstgeschichtsschreibung hier nicht mehr viel zu tun hätte. Historiker Pál Hatos, Dekan der Universität Kaposvár, der in der nahen Vergangenheit mit seinem – über die Räterepublik in Un garn geschriebenen – Buch „Die verwunschene Republik – Geschichte des Zu sam - menbruchs im Jahre 1918 und die Geschichte der Revolution“ beachtlichen Beifall unter den Fachleuten erntete, nahm eine eigentümliche Zeitschilderung vor. Nach dem Ende der Räterepublik entwikkelte sich das Schicksal des Forchtensteiner Schatzes im Einklang mit den scharfen Wendungen in der ungarischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Das Eigentumsrecht der Sammlung wurde nach der Sozialisation und dem Fall der Räterepublik zwar geklärt, aber die Rückbeförderung der verschleppten Tei - le der Sammlung nach Forchtenstein wäre zu dieser Zeit noch mit einem erheblichen Risiko verbunden gewesen. So wurde vom da - maligen Direktor des Budapester Kunstgewerbemuseums, das die Sammlung in Verwahrung hielt, nach dem plötzlichen Tod von Nikolaus Esterházy I. der Treuhandvertag nach langen Verhandlungen, im Jahre 1923 mit dem Sohn von Nikolaus IV., Paul Esterházy V, unterfertigt, der als 19jähriger die Verwaltung des Gutes eben übernommen hatte. Diese so breit wie möglich angelegte, auch auf mögliche Fälle der Höheren Gewalt eingehende, vertraglich festgehaltene, staatliche Garantieübernahme wurde im Namen des Staates Ungarn auch vom Minister für Re - ligionen und allgemeinen Unterricht, Kuno Klebelsberg, dem hochkarätigen Staatsmann und Kulturpolitiker unterzeichnet. Der Zwei - te Weltkrieg und die kommunistische Diktatur brachten weitere Schicksalswenden für die Kunstschätze im 20 Jahrhundert. Diese stellten den bürgerlich eingestellten Herzog Paul V. vor große Herausforderungen. Die Esterhazy Privatstiftung ist der An - sicht, die Bereinigung des rechtlichen Status Foto: Esterhazy / Gergely Csigó https://www.burgenland.at

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