Aufrufe
vor 7 Monaten

Ausgabe_184

Das "Österreich Journal" zum Durchblättern - die gewohnten vier verschiedenen pdf-Varianten zum Download finden Sie hier: http://www.oesterreichjournal.at/

Foto: Goldener Löwe /

Foto: Goldener Löwe / Rita Newman ÖSTERREICH JOURNAL NR. 184 / 06. 05. 2019 Machen Sie sich auf den Weg nach Maria Taferl Erzherzog Carl Ludwig und die Familie um seinen Sohn Erzherzog Franz Ferdinand machten sich sehr oft zu Fuß auf, die Basilika und den Wallfahrtsort Maria Taferl zu besuchen. Der Ausgangpunkt dieses historischen Weges, der um 1900 erstmals vom ÖTK markiert wurde, zum niederösterreichischen Marienheiligtum ist Schloß Artstetten. Dieser Feld-, Wald- und Wiesen-Weg ist zu - gleich eine Etappe des Weitwanderweges Nibelungengau, des Lebensweges und des Österreichischen Jakobsweges. Bei dem rund vier Kilometer langen Spaziergang quert der Wanderer das ehemalige Jagdrevier des Thronfolgers Franz Ferdinand, dessen oftmalige Besuche in Maria Taferl be - legt sind. Ein Glasfenster über dem Kreuzaltar in der Basilika, eine Marmortafel im Ho - tel Rose oder das Kabinett im Goldenen Lö - wen erinnern heute noch an die unzähligen Besuche der Kaiserlichen Familie. Machen Sie sich auf den Weg und erfahren Sie am Endpunkt der Wanderung in Maria Taferl, was der Thronfolger von Reviergrenzen hielt. Mit etwas Glück treffen Sie dort An dreas Frey: er führt nicht nur den traditionsreichen „Goldenen Löwen“ in Maria Taferl, er ist auch Kurator der aktuellen Sonderausstellung auf Schloß Art stetten. Erzherzog Carl Ludwig von Österreich Carl Ludwig Joseph Maria (* 30. Juli 1833 in Schönbrunn, † 19. Mai 1896 ebendort) war der zweitjüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich. Kultur Das Ehepaar Margit und Andreas Frey vom „Goldenen Löwen“ in Maria Taferl. 118 Carl Ludwig war der dritte Sohn von Erzherzog Franz Karl nach Franz Joseph I. und dem späteren Kaiser Maximilian von Mexiko. Nach dem Tod des Kronprinzen Rudolf, 1889, war er bis zu seinem eigenen Tod Thronfolger. Carl Ludwigs höchste politische Funktion war die des k.k. Statthalters in Tirol. Er wurde von Franz Joseph I. 1855 dazu er - nannt. 1861 gab er das Amt auf, als der Kaiser mit dem Februarpatent eine Reichsverfas - sung erließ, die den Statthalter dem Innenminister unterordnete; dies hielt er für ein Mitglied der Herrscherfamilie für unpassend. Carl Ludwig war auch Bürgermeister von Artstetten. Sein Interesse galt mehr der Kunst als der Politik und dem Militär. Er bezeichnete sich selbst ironischer Weise gerne als „Ausstellungs-Erzherzog“. Carl Ludwig unterschied sich von den meisten Habsburgern darin, daß er die Bereitschaft zeigte, an tausenden Veranstaltungen, wohltätigen Organisationen, Ausstellungen usw. teilzunehmen, diese zu eröffnen, mit allen Menschen zu sprechen, die dies wünschten. Er war der „treueste Die - ner“ im „Familienunternehmen“ Habsburg, der ewige Stellvertreter des Kaisers. Er hatte ein phänomenales Personengedächtnis und stand vielen Vereinen und Institutionen als Ehrenmitglied oder Protektor vor, wie z. B. dem ÖTK, dem Roten Kreuz, den Weltausstellungen für die k.u.k. Monarchie, dem NÖ Gewerbeverein uvm. Ähnlich seinem Bruder, dem Kaiser, hielt er täglich viele Audienzen und erledigte ge - wissenhaft seine Korrespondenz. Carl Ludwig war sehr mitteilungsbedürftig und informierte alle seine Kinder mindestens einmal pro Woche über aktuelle Themen – wie die Familie überhaupt sein größtes Glück darstellte. Carl Ludwig schrieb ab der Geburt seines ersten Sohnes Franz Ferdinand (1863) bis zu seinem Tod 1896 Tagebuch. Carl Ludwig starb an einer schweren In - fektion, die er sich bei einer Reise nach Ägypten und Palästina zuzog, als er aus religiösen Gründen (verseuchtes) Jordanwasser trank. Er besuchte dort seinen Sohn Franz Ferdinand, der in Kairo seine Tuberkulose kurierte. Ehen und Nachkommen Erste Ehe, 1856: Margarete von Sachsen (1840–1858), Tochter von Johann I., König von Sachsen Zweite Ehe, 1862: Maria Annunziata (1842– 1871), Tochter von Ferdinand II., König beider Sizilien m Franz Ferdinand (1863–1914) oo1900 Grä - fin Sophie Josephine Albina, Tochter von Graf Bohuslaw Chotek-Chotkova und Wog nin und dessen Gattin Gräfin Wilhelmine Kinsky von Wchinitz und Tettau m Otto Franz Joseph (1865–1906) oo 1886 Prinzessin Maria Josepha, Tochter von König Georg I. von Sachsen und dessen Gattin Infantin Maria Anna von Portugal m Ferdinand Karl Ludwig (1868–1915), (Ferdinand Burg) oo 1909 Berta Czuber, Tochter des Universitätsprofessors Emanuel Czuber m Margarete Sophie (1870–1902) oo 1893 Herzog Albrecht von Württemberg, Sohn von Herzog Philipp von Württemberg und dessen Gattin Erzherzogin Marie Therese von Österreich Dritte Ehe, 1873: Maria Theresa von Portugal (1855–1944), Tochter von Michael I., König von Portugal. m Maria Annunziata (1876–1961), Äbtissin in Prag m Elisabeth Amalie (1878–1960) oo 1903 Prinz Alois, Sohn von Prinz Alfred von und zu Liechtenstein und dessen Gattin Prinzessin Henriette von Liechtenstein n https://www.schloss-artstetten.at/ https://www.oetk.at/ http://www.basilika.at/ http://www.freyswirtshaus.at/ ÖTK-Mitglieder kommen in den Genuß eines ermäßigten Eintritts (Ausweis nicht vergessen) Quellen: Schloß Artstetten, Andreas Frey, ÖTK, Wikipedia, „Kinderjahre Kaiser Karls, aus den unveröffentlichten Tagebüchern seines Großvaters“ von Gabriele Praschl-Binder »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 184 / 06. 05. 2019 119 Werner Berg im Dialog mit Ernst Barlach und Käthe Kollwitz Eine Dialogausstellung – »Ernst Barlach – Käthe Kollwitz. Über die Grenzen der Existenz« sowie »Werner Berg. Abschied. Das Spätwerk 1969-1981« Kunst ist politisch. Wer das bis heute nicht geglaubt hat, wird nach dieser Er - öffnung davon überzeugt sein. Wenn man Käthe Kollwitz Weg nachverfolgt und ihre Engagements gegen den Krieg und ihren Einsatz für die Ärmsten der Gesellschaft be - trachtet, so fühlt man sich in fast abstrakter Form der darstellenden Kunst an soziographische Beobachtungen wie bei den Arbeitslosen von Marienthal zurückversetzt. Wenn man Ernst Barlach ansieht und man weiß, daß seine Werke in der Geschichte verboten wurden und als entartete Kunst deklariert wur den, dann merkt man, daß auch Menschen, die nicht politisch engagiert sind, un - ter Regimen leiden und davon betroffen sind. Und wenn man Werner Bergs Rückzug vor dem Kapitalismus und seinen Auswirkungen verfolgt, dann wird man – nicht zu - letzt auch bei der Symbolik des Kopftuches – in die Gegenwart zurückgeholt. Heute wäre er mit seinen Zeichnungen möglicherweise jemand, dessen Werke zumindest auch anders gedeutet werden können“, so Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser am 4. Mai bei der Eröffnung der Ausstellung in Bleiburg. Kunst und Kultur seien identitätsstiftend, gerade auch für Städte. „Eine Stadt wie Bleiburg, eine Stadt wie Gmünd, ein Ort wie Nötsch, ein Ort wie Neuhaus – wo immer mit einzigartigen Darstellungen diese Breite der Kunst in unser Kärnten kommt, haben diese Orte dank engagierter Menschen Perspektive, Zukunft und Identität gewonnen", erklärte der Landeshauptmann. Bleiburgs Bürgermeister Stefan Visotschnig begrüßte die zahlreichen Eröffnungsgäste, Bleiburg sei seit 50 Jahren stolz auf das Werner Berg Museum. „Dafür, daß wir jährlich interessante Ausstellungen auf die Beine stellen können, möchte ich mich bei allen Sponsoren und Helfern herzlich bedanken. Auch das Land Kärnten unterstützt uns mit wichtigen finanziellen Mitteln“, so Visotschnig, der auch herausstrich, daß Bleiburg vier Projekte im Rahmen der Landesausstellung „CARINTHIja 2020“ umsetzen werde. Foto: LPD / Peter Just Ausstellungseröffnung (v.l.) mit den Kuratoren Harald Scheicher, Heike Stockhaus, Landeshauptmann Peter Kaiser, Arthur Ottowitz und Bürgermeister Stefan Visotschnig Kuratorin Heike Stockhaus, Geschäftsführerin der Ernst Barlach Gesellschaft in Hamburg, gab den Anwesenden einen historischen Gesamtblick über das Schaffen und Wirken der Künstler Barlach und Kollwitz. „Ihre Stadt Bleiburg ist ein besonderer Ort, in dem offensichtlich alles möglich gemacht wird, wenn es darum geht, eine kulturelle Botschaft zu formulieren. Ich staune und bin voller Achtung für das, was sie hier auf die Beine stellen. So klein ihre Stadt auch ist, so groß scheint ihre Überzeugung zu sein, mit Kultur eine prägnante Stimme erheben zu wollen. Diese Stimme überwindet Grenzen und Sprachen und richtet sich gegen die Be - langlosigkeit und Gleichgültigkeit in einer Welt, in der sich jeder nur um sich selbst zu kümmern scheint“, so Stockhaus. Mit der Gegenüberstellung der drei Künstler erklinge im Werner Berg Museum ein ganz besonderer Resonanzraum. Mit der Ausstellung der Werke von Ernst Barlach (1870-1938) und Käthe Kollwitz (1867-1945) kommt es, nach der erfolgreichen Helnwein-Schau, zu einer weiteren Zu - sammenarbeit des Werner-Berg-Museums mit dem Hamburger Ernst-Barlach-Mu seum. „Über die Grenzen der Existenz“ ist die bisher umfangreichste Retrospektive der beiden Künstler in Österreich. Mit über 160 Exponaten bietet die Ausstellung nicht nur einen »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at Einblick in das Gesamtwerk beider Künstler, sondern sie spiegelt auch deren Weltanschauungen in die Gegenwart. Am Übergang des 19. zum 20. Jahrhunderts und infolge der industriellen Revolution schien die damalige Welt aus den Fugen zu geraten. Die Vorstellung eines „neuen Menschen“ und einer „neuen Welt“ waren Leitmotive, die in Literatur und Kunst bearbeitet wurden. Käthe Kollwitz schaffte eine Fülle von sozialrevolutionären Werken, Ernst Barlach gilt als „Mystiker der Moderne“, seine Menschenbilder entsprechen weniger der Realität. Barlach und Kollwitz standen ihrer Zeit kritisch gegenüber und setzten sich mit ihrer Arbeit unermüdlich für Gerechtigkeit und Frieden ein. In Werner Bergs Werk lassen sich immer wieder Auseinandersetzungen mit Ernst Barlach und Käthe Kollwitz finden. In seinem Spätwerk veränderte sich sein Blick: Die in der Ausstellung gezeigten Bilder sind Zeugen der zunehmenden Vereinsamung des Künst lers – die strukturelle Veränderung der Region zeigt sich verlassenen Bauernhöfen und melancholischen Landschaften. Die dialogische Konzeption der Ausstellungen, die bis 27. Oktober 2019 zu sehen sind, verbindet die Werke von Barlach, Kollwitz und Berg. n http://www.wernerberg.museum/

Österreich Journal

Ausgabe 181
Ausgabe 182
Ausgabe 183
Ausgabe_184
Ausgabe 185
Ausgabe 186
Ausgabe 187
Ausgabe 188
Ausgabe 189

Österreich Journal

Ausgabe 171
Ausgabe 172
Ausgabe 173
Ausgabe 174
Ausgabe 175
Ausgabe 176
Ausgabe 177
Ausgabe 178
Ausgabe 179
Ausgabe 180

Österreich Journal

Ausgabe 161
Ausgabe 162
Ausgabe 163
Ausgabe 164
Ausgabe 165
Ausgabe 166
Ausgabe 167
Ausgabe 168
Ausgabe 169
Ausgabe 170
Keine Tags gefunden...