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Ausgabe_184

Das "Österreich Journal" zum Durchblättern - die gewohnten vier verschiedenen pdf-Varianten zum Download finden Sie hier: http://www.oesterreichjournal.at/

ÖSTERREICH JOURNAL NR.

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 184 / 06. 05. 2019 Kultur 114 © KHM-Museumsverband Mystische Vermählung der hl. Katharina und Verkündigung an Maria, Meister von Heiligenkreuz, um 1415/20, Malerei und Polimentvergoldung auf Eichenholz, 71,8 × 43,8 cm, Wien Kunsthistorisches Museum, Provenienz: Stift Heiligenkreuz, Niederösterreich, 1926 von dort erworben Bezugnahmen ergaben sich durch die häufige und frühe Verwendung druckgraphischer Vorlagen des Meisters der Spielkarten und des Meisters E. S. in der Donaumetropole. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Was ist „Wiener“ Bildkunst im 15. Jahrhundert? Und wie ist eine Lokalproduktion unter diesen besonderen Rahmenbedingungen zu definieren? Die ab den 1430er-Jahren in Wien zur An - wendung gebrachten visuellen Medien belegen eine neue Wahrnehmung der Welt der sichtbaren Dinge. So führt uns der anonyme Meister des Albrechtsaltares (um 1437/39 ursprünglich für die Kirche Am Hof, heute: Klosterneuburg, Sebastianskapelle) nicht nur das Material von Hausrat (Spanschachteln, Messingleuchtern etc.) vor Augen, sondern die markante Skyline des damaligen Wien und darüber hinaus – auf der Werktagsseite des Flügelaltars – Landschaften un - ter einem Himmel in je spezifischer Lichtstimmung. Der dort wahrnehmbare Hunger auf die Welt und damit das Interesse für das eigene Ambiente nahmen in den folgenden Jahrzehnten rapide zu. Immer tiefer wurden die heilsgeschichtlichen Ereignisse in den lokalen und zeitgenössischen Kontext eingeschrieben. Das belegt beispielhaft die „Heimsuchung“ auf dem Schottenaltar (1469: Wien, Schottenkloster): Maria und Elisabeth begegnen einander hier in der Kärntnerstrasse mit Blick auf den Stephansdom. Wächst in der Tafelmalerei – mit der zu - nehmenden Mimesis – der Bildtiefenraum und damit die Distanz zwischen BetrachterIn und Betrachtetem, tritt in der Buchmalerei ab 1446 (Handregistratur König Friedrichs IV.: Österreichisches Haus-, Hof- und Staatsarchiv) das Wiedergegebene vor den Pergamentgrund in den Raum der Betrachtenden ein; der Trompe-l‘œil schafft hier ein neues Naheverhältnis von RezipientIn und Repräsentiertem. Aus kunsthistorischer Perspektive sind die Vorbildwirkung der niederländischen Malerei sowie der Vermittlungsweg zwischen den Niederlanden und Wien interessant (s.o.). Vor einem kulturhistorischen Horizont stellten sich andere Fragen: etwa, ob und wie das in den visuellen Medien faßbare Interesse an der Welt der sichtbaren Dinge mit der Entwicklung der (Natur-)Wissenschaften und deren Vermittlung im Raum Wien Hand in Hand ging (Collegium Ducale/Universität Wien, Wiener mathematisch-astronomische Schule, Johannes von Gmunden, Georg von Peuerbach, Johannes Regiomontanus, Entwicklung der Optik, Wissenstransfer zwischen Christen- und Judentum bzw. Islam etc.). n http://www.khm.at/ https://wem.univie.ac.at/ https://www.stift-heiligenkreuz.org/ Quellen: Kunsthistorisches Museum Wien, Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

ÖSTERREICH JOURNAL NR. 184 / 06. 05. 2019 Kultur Mit Herz & Hand fürs Alpenland Erzherzog Carl Ludwig und seine Schirmherrschaft über den Österreichischen Touristen-Klub ÖTK – Sonderschau 2019 auf Schloß Artstetten 115 Foto: Schloß Artstetten / D. Mayrhofer Schloß Arstetten: Erzherzog Carl Ludwig (Bruder Kaiser Franz Josephs) gestaltete ab 1861 das Haus innen wie außen großzügig um. Es war Ostern im Jahr 1868, als Gustav modernisiert und wird seither als erster Bio- Jäger und Lambert Märzroth bei einer Betrieb in hochalpiner Lage geführt. 1878 Bergtour in der Steiermark den Entschluß ermöglichte Carl Ludwig dem ÖTK die Teilnahme an der Pariser Weltausstellung und faßten, einen alpinen Verein zu gründen, um die Schönheit der Alpen auch der breiten Ge - sorgte durch eine großzügige Spende für aus - sellschaft zugänglich zu machen und die reichend große Ausstellungsfläche. 1894 Bergsportarten zu fördern. Der Erfolg und feierte der ÖTK sein 25jähriges Bestehen, aus der kometenhafte Aufstieg des Österreichischen Touristen-Klubs (ÖTK) seit 1869 ist medaille“ geprägt wurde. dessen Anlaß die „Carl-Ludwig-Jubiläums- eng mit dem Kaiserhaus Österreich verbunden und war auch nur mit finanzieller Hilfe ÖTK – Pionier des Fremdenverkehrs der Protektoren möglich. Bis zum Ende der Der ÖTK trug im beginnenden Zeitalter Monarchie unterstützte die engere Familie des Alpinismus wesentlich dazu bei, daß von Erzherzog Carl Ludwig als Schirmherr Österreich sich zu einem modernen Tourismusland entwickelte. Im 17. Jahrhundert be - den ÖTK: sein Sohn Erzherzog Otto sowie seine Enkel Franz Carl (der spätere Kaiser deutete das Wort „tour“ soviel wie „Um- Karl) und Maximilian Eugen. Deren Liebe gang, Rundgang, Spaziergang“. Das Wort zur Natur und zu den Bergen waren An - Tourismus stammt aus dem griechischen sporn, die Schirmherrschaft über den ÖTK topvo (= tornus) und bezeichnete ein zirkelähnliches Werkzeug. Kennzeichnend für zu übernehmen. Das 1876 nach Carl Ludwig benannte Erzherzog Carl Ludwig in diese Wortgruppe ist der Begriff der Rundung, der eine zum Ausgangspunkt zurück erste Schutzhaus auf der Rax wurde 2011 Reichenau an der Rax – ganz zivil - Foto: Archiv Schloß Artstetten »Österreich Journal« – http://www.oesterreichjournal.at

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